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Hufkrebsfall

anonym1
Mitglied seit 18. 11. 2016

Sehr geehrtes Team der Huforthopädischen Gesellschaft,

ich bin durch den positiven Erfahrungsbericht der Tinkerstute Nicki auf Ihre Website gelangt.
Bei meinem Mitreitpferd wurde Anfang August 2016 Hufkrebs auf allen vier Hufen diagnostiziert.
Es wurde anschließend mit einer Therapie, bestehend aus regelmäßigem Nachschneiden des befallenen Gewebes und bepinseln mit Diethylether, begonnen. Es zeigten sich auch deutliche Besserungen jedoch hat sich der Zustand seit Oktober wieder zunehmend verschlechtert.

Da ich nur die Mitreiterin bin, habe ich leider kaum Einfluss auf die Behandlungsmethode, jedoch liegt mir sehr viel an diesem Pferd und ich werde alles daran setzen, eine mögliche Heilung in Gang zu bringen.

Ihr Fallbeispiel hat mir neue Hoffnung geschenkt. Leider bin ich aus Österreich, doch ich hoffe, Sie können mir trotzdem folgende Fragen beantworten:

Gibt es in Österreich eine vergleichbare Huforthopädie Gesellschaft? Wie sieht derzeit die am meisten erfolgversprechende Behandlungsmethode aus und mit welchen Kosten ist diese verbunden? Welche Medikamente können Sie mir empfehlen?

Darf das Pferd auf eine Koppel deren Boden leicht feucht ist, oder muss es komplett trocken stehen? Ich wäre Ihnen mehr als dankbar, wenn Sie sich die Zeit nehmen könnten, um meine Fragen zu beantworten!

Mit freundlichen Grüßen

    aarnold
    Mitglied seit 28. 01. 2014
    DHG-Huforthopäde/-in

    Hallo,
    Es gibt zwar in Österreich keine vergleichbare Barhufgesellschaft, aber wir haben auch in Österreich Kollegen mit Erfahrung in der Behandlung von Hufkrebs und unsere grenznahen Deutschen Kollegen fahren auch nach Österreich zur Hufbearbeitung.
    Um zu verstehen wie eine erfolgversprechende Hufkebsbehandlung erfolgen kann muss man verstehen wie die Erkrankung entsteht.
    Einen großen Anteil haben dabei sicherlich die Hufform bzw. Hufverformungen. Schiefe Hufe mit einseitiger Belastung, zu flache oder zu steile Hufe, Trachten und Ballenzwanghufe, sind häufiger Betroffen als symmetrische gleichmäßig belastete Hufe. Eine häufige Folgeerkrankung solcher Hufe ist die Strahlfäule aber auch Hohle und Lose Wände und die Entstehung von Hufgeschwüren. Sobald die Probleme die Lederhaut erreichen kommt es zur Verletzung und es entsteht eine Wunde.
    Als Hufkebs werden dann die äußerlich sichtbaren Veränderungen an den Lederhäuten und am Hufhorn die durch eine Wundheilungsstörung auftauchen bezeichnet. Das kann einfach nur Granulationsgewebe sein, oder hypertrophierte Lederhautanteile, oder blumenkohlartig verändertes Nothorn.
    Dazu kommt das Stoffwechselerkrankungen wie z. B. das Metabolische Syndrom mit seinem hohen Blutzuckerwerten aber auch Stoffwechselerkrankungen wie PSSM oder KPU eine schlechte Wundheilung mit sich bringen.
    Ein gestörtes Immunsystem bringt es mit sich dass sich Viren wie das Papillomavirus ausbreiten können und es kann auch am Huf ein Sarkoid entstehen was jedoch eher selten ist.
    Eine der wichtigsten Maßnahmen in der Hufkrebs Behandlung ist daher zunächst einmal die Hufform zu verbessern. Das gelingt meist am Barhuf besser allein schon deswegen weil man in kurzen Abständen durch die Hufbearbeitung auf den Huf einwirken kann. Dazu ist natürlich ein gutes Wundmanagement erforderlich. Es braucht ein vernünftiges Débridement oder Wundtoilette. Hierfür gibt es verschiedene Möglichkeiten.
    Ich setzte bei der Wundreinigung auf die Selbstheilungskräfte des Körpers. Hierbei kommt die Eigenschaft des Körpers zum Einsatz, abgestorbenes Gewebe selbst aufzulösen. Die Wunde wird dafür feucht gehalten. Diese Form der Wundtoilette ist am schonendsten für das umliegende gesunde Gewebe und ist daher sehr sicher, dauert allerdings auch länger als andere Methoden. Damit sich die Keime in der Wunde nicht durch das feucht halten stark vermehren braucht es eine Wunddesinfektion.
    Hierfür verwende ich in der 1. Phase der Wundreinigung in der noch feucht gehalten wird das Prontosan. Später wenn die Wunde bereits Trockener gehalten wird das Octenisept. Ist die Wunde sehr mit Eitererregern belastet sollte auch über ein Antibiotikum nachgedacht werden. Hierzu ist ein Antibiogram erforderlich um auch ein wirksames Antibiotikum anwenden zu können.
    Die Fütterung des Pferdes im Hinblick auf eine mögliche Stoffwechselstörung sollte beachtet werden. Pferde die zu dick sind müssen unbedingt abnehmen. Häufig sind Pferde mit einer Hufkrebserkrankung Histamin überempfindlich. Daher solle in keinem Fall Silage, Soja und Hefe in der Fütterung auftauchen. Eine Mineralstoff und Spurenelement Supplementierung ist in jedem Fall notwendig. Alles was das Immunsystem stärkt ist sinnvoll.
    Die Kosten der Behandlung sind sehr unterschiedlich und ich kann ihnen dazu leider nicht viel sagen. Die Kosten für die Medikamente belaufen sich monatlich auf ca. 100 €. Dazu kommt die Hufbearbeitung die anfangs ca. alle 2 Wochen notwendig ist. Zuzüglich noch evtl. Tierarzt und Laborkosten.
    Ihre letzte Frage zum Koppelgang beantwortet sich ja schon durch das oben geschriebene. Meiner Meinung nach kann das Pferd gut auch auf eine nasse Koppel wenn diese gepflegt (also nicht mit Mist und Matsch verunreinigt) ist. Die Hufe sollten nur auch wieder täglich abtrocknen können. Dabei darf auch nicht vergessen werden dass die Psyche des Pferdes bei der Heilung mitspielt. Die Haltung sollte so stressfrei wie möglich sein. Stress würde den Adrenalinspiegel erhöhen und somit am Ende auch eine Wundheilung negativ beeinflussen.
    Lieben Gruß Astrid Arnold

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