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Altes Pferd mit Hufrollensyndrom - noch auf Barhuf umstellen?

IlkaB
Mitglied seit 16. 10. 2015

Hallo,

mein Pferd ist ein 28jähriger WB Mix. Nach dem Befund an der Hufrolle vor 7 Jahren habe ich auf Anraten meines Tierarztes mein Pferd beschlagen lassen. Zu meinem Ärger aber auf Grund der Bodenverhältnisse hier vor Ort wäre mir zwischenzeitlich vermutlich auch nichts anderes übrig geblieben.

Nun ist er noch einmal umgezogen in einen "Rentnerstall". Rentner ist er keineswegs, er wird noch 4-5 Mal pro Woche geritten, auf dem Platz und im Gelände.
Er hat noch diverse andere Baustellen (Spat, EOTRH, Leukämie) und ich bin eigentlich gerade ganz froh, dass er es ihm so gut geht. Das vorweg, damit Ihr nachvollziehen könnt, warum ich mich so schwer tue.

Seit dem Sommer stolpert er wieder mehr, eher ein Wegsacken, ganz arg. Tierarzt war jetzt da, hat wieder geröntgt. Keine signifikante Verschlechterung aber Beschlag passt nicht zum Huf. Er ist zur Zeit mit NBS Eisen beschlagen inkl. Platte und versetztem Eisen. TA hat mit Schmied telefoniert, der Schmied hat versucht anders zu beschlagen...aber irgendwie passt immer noch nicht alles am Huf zusammen. Der Winkel an den Trachten passt irgendwie nicht zum Huf vorne.

Nun habe ich erst überlegt, den Schmied zu wechseln. Meine "Ansprechpartner" zum Pferd (Osteo und Reitlehrerin) haben mir nun aber beide geraten, das Pferd auf Barhuf umzustellen. Grundsätzlich finde ich das gut, habe aber Angst, dass ich mir und vor allem dem Pferd noch mehr Probleme und Schmerzen einzuhandeln.

Paddock und Weide sind einigermaßen "weich" - im alten Stall war der Paddock schlimm geschottert. Aber seine Hornqualität ist und war immer ganz schlecht, bröselig und auch gerne mit hohler weißer Linie...

Ich hätte nun gerne eine Einschätzung, wie "schlimm" die Hufe nach Eurer Ansicht aussehen und vor allem, wie so die Erfahrungen sind mit der Umstellung von alten bzw. kranken Pferden.

Ich möchte ihm natürlich schöne schmerzfreie letzte Jahre bereiten. Jetzt gab es kurzweise Danilo, da war das Stolpern weg. Lohnt sich der Versuch auf Barhuf? Wie hoch ist das Risiko Huflederhautentzündung, Abszess oder Belastungsrehe? Wie erfolgreich kann das sein beim Hufrollensyndrom?

Viele Fragen...

Ich lade mal Fotos hoch, ich hoffe, sie sind einigermaßen aussagekräftig.

Danke
Ilka

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    alinhard
    Mitglied seit 10. 02. 2014
    DHG-Huforthopäde/-in

    Hallo Ilka,
    natürlich kann man auch ein altes Pferd noch erfolgreich auf barhuf umstellen, zumindest es versuchen! Ich persönlich tue mich immer etwas schwer, so eine "Aktion" unmittelbar vor dem Winter anzugehen. Die jetzt noch weichen Böden sind womöglich bald vorbei und ob er dann mit den frostigen Huckelböden klar kommt beinhaltet eben Risiken (Sohlenlederhautentzündung). Seine Sohlen sind ja durch den jahrelangen Beschlag den Untergrund nicht mehr gewöhnt, d.h., eine erhöhte Empfindlichkeit kann nicht ausgeschlossen werden. Den vielen Jahren mit Beschlag ist eben auch die schlechte Hornqualität geschuldet (Minderdurchblutung). Die Trachten schieben deutlich unter, ein Zustand, der mit Beschlag auf keinen Fall besser wird, eher schlechter. Also ungünstig für die Hufrolle und überhaupt die gesamten palmaren Strukturen, weil die Trageunterstützung der Trachten fehlt.
    Wenn Sie die Umstellung doch jetzt angehen möchten (das Buch: Problemlos Eisenlos ist da auch noch mal ein sehr guter Ratgeber und hilft Ihnen sicher bei der Entscheidung), dann wäre es sinnvoll, Ihr Pferd ggf separat stellen zu können - also bei auftauchenden Problemen z.B. weiche Box (wenn er das mitmacht)... und ein Beschlag ist notfalls ja auch schnell wieder drauf gemacht.... und das kommende Frühjahr wäre dann evtl die bessere Chance.
    Ich wünsche Ihrem Pferd alles Gute! Mit besten Grüßen, Angelika Linhard

      alinhard
      Mitglied seit 10. 02. 2014
      DHG-Huforthopäde/-in

      Hallo Ilka,
      anfügen möchte ich noch, daß das NBS Eisen von "Haus aus" ein sehr ungünstiger Beschlag ist. Mir ist schon klar, daß der Beschlag ein leichteres Abfußen ermöglichen soll, aber die Zehe trägt bei dieser Form des Beschlags nicht mit. Das bedeutet, die Traglast wird von den Seiten- und Trachtenwänden übernommen. Im Falle Ihres Pferdes also extrem ungeeignet, weil die Trachten im jetzigen Zustand schon nicht mehr gut tragen und damit vermehrt überlastet werden. Das ist leider oft so. Der eine "gute" Gedanke hinter einem Beschlag hat meistens auch eine Kehrseite.
      Alles Gute! Angelika Linhard

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