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Akuter Rehefall - Trachten erhöhen?

Hallo,

ich habe eine elfjährige Friesenstute, bei der vor zwei Wochen eine akute Hufrehe festgestellt wurde. Die Ursache für die Rehe ist nicht eindeutig feststellbar. Einerseits wurde die Stute in den letzten Wochen zweimal mit Cortison behandelt (Krongelenk und Bereich des Strahlbeins), wegen einer Lahmheit des rechten Vorderbeins. Andererseits hat sie bereits seit knapp anderthalb Jahren Probleme mit einer wiederkehrenden Lahmheit des linken Vorderbeins. Diese Lahmheit begann mit Fühligkeit vor der Geburt ihres Fohlens, wurde dann nach der Geburt richtig schlimm (Röntgenbilder und Lahmheitsuntersuchung brachten damals kein Ergebnis), verschwand plötzlich und kehrte dann in leichter Form immer mal wieder für ein paar Tage zurück. Eine Rehe war damals eigentlich ausgeschlossen worden...

Die Stute ist sehr leichtfuttrig und hat, obwohl sie nicht wirklich "fett" aussieht, Fettansammlungen am Mähnenkamm, an der Schulter und vor dem Euter. Die behandelnde TÄ hat nun auch eine Blutproben entnommen, um auf EMS testen zu lassen (das Ergebnis steht noch aus). Das große Blutbild hat ergeben, dass sie unter einem starken Selenmangel leidet und auch einen Zinkmangel hat (trotz durchgängiger Fütterung eines Mineralfutters).

Seit nun vor zwei Wochen die akute Hufrehe diagnostiziert wurde (starker Wendeschmerz, Trachtenfußung, Pulsation der Zehenarterien vorne (am rechten Bein stärker), auf Abdrücken mit der Hufzange hat sie nicht reagiert), trägt meine Stute Hufverbände, bei denen die Trachten deutlich angehoben werden. Mit diesen Verbänden läuft sie deutlich besser. Nach einer Woche hat die TÄ die Verbände abgemacht, um zu schauen, wie sie ohne läuft und weil sie eigentlich röntgen wollte, aber ohne Verbände war eine ganz deutliche Verschlechterung zu erkennen. Das Röntgen wurde verschoben und nochmal neue Hufverbände (wieder mit Erhöhung der Trachten) angebracht.
Morgen sollen diese Verbände wieder ab und dann auch geröntgt werden.

Mein Pferd läuft nun also seit zwei Wochen mit erhöhten Trachten und es war auch schon die Rede davon, dass sie nun einen Spezialbeschlag mit Keil braucht.
Lieber wäre es mir eigentlich, wenn sie barhuf laufen könnte und ich frage mich auch, ob man morgen denn eigentlich nicht damit rechnen muss, dass sie ohne die Hufverbände erstmal wieder deutlich schlechter läuft, da sie sich ja nun seit zwei Wochen quasi an die Trachtenerhöhung "gewöhnt" hat und es sicherlich ungewohnt ist und vielleicht auch unangenehm für die Sehnen, wenn die Trachten plötzlich wieder tiefer stehen?

Ich stelle mal Fotos ein, die am 14.8. gemacht wurden, das war neun Tage nachdem der Schmied da war.

Die Stute lief übrigens bis sie acht war, gut barhuf und bekam damals wegen einer Fesselgelenksentzündung (hi. re) hinten Eiereisen und vorne normale Hufeisen. Nach der Geburt ihres Fohlens 2010 wurde sie dann vorne wieder beschlagen (wegen der oben erwähnten Lahmheit vorne links), hinten läuft sie seither wieder barhuf.
Die Eisen vorne hat sie nun auch noch an, die TÄ möchte sie eventuell morgen abziehen, da sie sie nicht optimal findet, befürchtet aber, dass sie dann "überhaupt nicht mehr laufen kann" und wir auf jeden Fall nochmal Hufverbände und dann vielleicht Hufschuhe brauchen. Sollte man dann die Trachten wieder höherstellen?

Über Tipps, wie wir am besten weitermachen können, würde ich mich sehr freuen.
Vielen Dank schonmal!

Marion

Re: Akuter Rehefall - Trachten erhöhen?

Hallo Marion,
ich scheue mich, Ihnen aus der Ferne zu raten, wie Sie momentan mit den Hufen am besten verfahren sollten. Aber ich möchte Ihnen gern ein paar Hinweise geben, die Ihnen evtl. bei Ihren Entscheidungen helfen können. Ihre TÄ hat völlig Recht, wenn Sie diesen Beschlag als nicht optimal beurteilt. Und Sie hat auch völlig Recht, wenn Sie problematisiert, ob man Ihrer Stute momentan, in der jetzigen heiklen Situation die Eisen wegnehmen kann. Das ist während einer Rehe immer ein Risiko. Andererseits kann die ungünstige Situation mit diesen Eisen aber auch gerade die Schmerz- und Entzündungssituation aufrechterhalten. Durch das Zurücklegen der Eisen wird der Hufbeinrand mit einer Druckbelastung versehen, was im Zusammenhang mit den Rehegeschehen besonders schmerzhaft ist. Evtl. hat der Verband und die Erhöhung an dieser Stelle Erleichterung verschafft. Eine positive, entlastende Wirkung auf den Hufbeinträger selbst, kann ich mir bei diesen Hufen nicht vorstellen, da sie ohnehin sehr hohe Trachten besitzen.
Wenn Sie einen derartigen positiven Effekt durch den Verband beobachten konnten, dann sollte dieser auch genutzt werden können, um die Hufe von den Eisen zu befreien. Ob es wirklich dann noch eine Erhöhung in den Trachten braucht oder der polsternde, den vorderen Hufbereich entlastende Effekt des Verbandes allein ausreichend ist, würde ich einfach ausprobieren.
Wenn die Rehe überstanden ist, sollten die Hufe wirklich unbedingt in eine bessere Form gebracht werden. Die von Ihnen beschriebenen früheren Lahmheiten (vorn links und rechts) können gut in der Situation der Hufe begründet liegen. Hat sich die Unterschiedlichkeit der beiden Vorderhufe erst herausgebildet (im Zhg mit der Lahmheit der rechten Gliedmaße) oder bestand diese schon "immer"?
Wie wird die Rehe medikamentell behandelt?

Mit freundlichen Grüßen
Konstanze Rasch

Re: Akuter Rehefall - Trachten erhöhen?

Hallo Frau Rasch,

vielen Dank für Ihre schnelle Antwort!

Ihre Erläuterungen bzgl. der möglichen Auswirkung der Eisen auf die momentane Situation sind sehr schlüssig und ich hoffe, dass wir sie heute Nachmittag entfernen können und dann erstmal mit neuen Hufverbänden zurechtkommen. Solange meine Stute so fühlig ist, wären dann sicherlich Hufschuhe der nächste Schritt...

Wegen der Form der Hufe meiner Stute, hatte ich in der letzten Zeit auch schon das Gefühl, dass sich da einiges in die falsche Richtung entwickelt.
Wegen der Unterschiedlichkeit der Vorderhufe: Ich fand sie immer zwischendurch mal etwas unterschiedlich, nicht erst seit der Lahmheit. Aber die Größe und Form der Hufe hat sich in den letzten Jahren auch mehrmals ziemlich geändert.
Eben habe ich versucht, Kontakt zu einem Huforthopäden aus der Liste der DHG, aufzunehmen und warte/hoffe nun auf einen Rückruf.



Sie hatten gefragt, wie die Rehe medikamentell behandelt wird:

- am ersten Tag hat die TÄ ihr Finadyne gespritzt und Heparin (subcutan)

- Heparin (5ml) wurde dann noch fünf Tage lang subcutan gespritzt

- am 2. Tag sollte ich morgens 2 Tütchen Equipalazone und abends 1 Tütchen Flunixin geben

- da die Stute deutlich besser lief, ab dem 3. Tag morgens nur noch 1 Tütchen Equipalazone, abends 1 Tütchen Flunixin

- ab dem 5. Tag Reduzierung auf 1x tgl. 1 Tütchen Flunixin

- am 8. Tag Kontrolle durch die TÄ, Stute lief wieder schlechter, ohne Verbände ging es gar nicht (eine leichte Verschlechterung war am 7. Tag schon zu sehen, aber nicht so eindeutig...) => neue Hufverbände und wieder Equipalazone dazu, aber mit dem Ziel, es wieder langsam zu reduzieren und zu schauen, ob sich das Laufen wieder verschlechtert.

- heute ist der 15. Tag und wir haben die Schmerzmittel/Entzündungshemmer seit gestern abgesetzt (ausgeschlichen)

- seit Mitte letzter Wochen soll ich noch morgens und abends Aspirin verabreichen zur Blutverdünnung

Re: Akuter Rehefall - der aktuelle Stand

Hier nochmal ein aktueller Bericht zu meiner Stute:

Als Gestern die TÄ kam, lief meine Stute in engen Wendungen immer noch nicht wirklich gut (die Hufverbände waren noch dran).
Ohne Verbände konnte sie auf Beton kaum laufen, auf weichem Boden war es besser, aber nicht gut.
Um zu sehen, ob die Lahmheit wirklich nur durch Schmerzen im Hufbereich ausgelöst werden und um eine zweite Schmerzquelle auszuschließen (sie lahmte ja vorher schon vorne rechts), wurde an beiden Vorderbeinen der Hufbereich anästhesiert. Als die Anästhesie wirkte, war meine Stute wie ausgewechselt und lahmte gar nicht mehr.

Die TÄ nahm noch die Eisen ab (die ihr, wie schon anfangs erwähnt,ja auch gar nicht gefielen). Unter den Schenkeln der Eisen befanden sich an beiden Seiten beider Hufe, tiefe Aushöhlungen zwischen Sohle und Horn. Auf den Fotos die ich im ersten Beitrag eingestellt hatte, sieht man von vorne, dass die Hufe nach unten plötzlich sehr weit werden. Dieser Weite Bereich des Horns steht sozusagen in der Luft und hat gar keine Verbindung zur Hufsohle. Ich hatte leider keine Kamera greifbar, es sah wirklich schlimm aus. Die Hufe wurden trocken gereinigt, dann wurden von beiden Zehen seitlich Röntgenaufnahmen gemacht und die Hufe danach zur Polsterung wieder mit Verbänden versehen.
Die Eisen waren vor vier Wochen angebracht worden und so wie es aussieht, müssen diese Hohlräume aber dort schon vorhanden gewesen sein und wurden ohne Kommentar vom Schmied wieder unter den Eisen "verborgen".
Heute lief meine Stute ohne ihre Eisen, aber halt immer noch mit Verbänden auch auf Beton (nur kurz zum Test) ganz prima und zeigte auch keinen Wendeschmerz mehr.

Nun müssen die Hufe allerdings dringend bearbeitet werden, da uns sonst in diesem Zustand laut TA ganz sicher Hufgeschwüre drohen und die Hufform auch verbessert werden muss.

Leider ist auf der Liste der DHG-Huforthopäden niemand wirklich in unserer Nähe. Vielleicht gibt es ja Mitglieder, die regelmäßig größere Touren fahren und dabei auch in den Bereich Bielefeld-Gütersloh-Osnabrück kommen? Wir sind hier in Versmold, das ist etwa in der Mitte dieser drei Städte.
Hier vor Ort wären dann sechs Pferde zu bearbeiten.

Ach ja: Die Röntgenbilder waren ohne Befund. Keine Rotation oder Absenkung des Hufbeins! Auffällig ist nur eine sehr dicke Sohle und die Zehe ist laut TÄ zu lang.

Ich denke, wir sind jetzt auf dem richtigen Weg, wenn wir jemanden finden, der uns bei der korrekten Entwicklung der Hufe unterstützt.
(Und je mehr ich zu dem Thema lese, um so mehr "Baustellen" sehe ich auch bei unseren anderen Pferden...)

Viele Grüße

Marion

Re: Akuter Rehefall - Trachten erhöhen?

Hallo Marion,
sehr schön, das klingt doch wirklich positiv. Ich würde die "Rehemöglichkeit" noch nicht g a n z aus dem Auge verlieren, aber die Medikamente sind ja ausgeschlichen und ihr geht es trotz der gestrigen Behandlung (Anästhesie, Eisenabnahme) besser. Das akute Rehegeschehen (wenn es denn eine Rehe war) scheint also überstanden. Ausschließen würde ich eine Rehe wie gesagt nicht, aber das wird sich später an den Hufen zeigen. Man muss bedenken, auch hinter den Seitenwänden befindet sich ja ein Hufbeinträger und durch die verbogenen Seitenwände wurde dieser Bereich sehr stark belastet.

Die gegenwärtige Hufsituation ist recht typisch für diese Art Beschlag. Die Seitenwände werden überlastet und verbiegen bzw. runden sich je nach Ausgangshufform. Eine solche Entwicklung geht mitunter recht schnell, besonders wenn die Hufe überhoch und die Hebelstrecken deshalb sehr groß und damit mächtig sind. Der Schaden kann vor 4 Wochen evtl. wirklich noch gering gewesen sein, abzusehen war die Entwicklung aber mit Sicherheit.

Versuchen Sie es doch bitte einmal bei Michael Kuzmik - er hat Touren in Ihrer Richtung.

Mit den besten Wünschen
Konstanze Rasch

Re: Akuter Rehefall - Trachten erhöhen?

Hallo Frau Rasch,

vielen Dank für Ihren Tipp! Ich habe gestern von Herrn Kuzmik die Rückmeldung bekommen, dass er uns nächste Woche in seine Tour mit einbauen kann.

Viele Grüße

Marion Dolipski