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Bockhuf bei 2-jährigem - Korrektur?

Hallo,

ich würde sehr gerne einen 2,5jährigen Hengst kaufen, welcher einen Bockhuf vorne rechts und relativ steil stehende Hinterhufe hat.
Ich würde mich sehr freuen, zu hören was die Experten zu der Schwere des Bockhufes sagen.
Ist die Achse so stark gebrochen, das ich mit Rittigkeitsproblemen/Gesundheitlichen Problemen rechnen kann?
Kann eine Korrektur in dem Alter noch vorgenommen werden?

Ich habe mit meinem Schmied gesprochen, welcher eine Korrektur als problemlos ansieht aber ungefähr folgenden Wortlaut hat: Wäre kein Problem, müßte man über 2-3mal stark kürzen wird aber immer schmaler bleiben und etwas steiler als normal.

Bilder habe ich angefügt, ich hoffe das Hochladen klappt.

Wie ist Ihre Meinung dazu?
Ich freue mich sehr auf Antwort und verbleibe mit freundlichen Grüßen
M. Böhm

Re: Bockhuf bei 2-jährigem - Korrektur?

Hallo,

Zwei so ungleiche Hufe machen dem Pferd, oder besser gesagt dem Reiter, immer Probleme. Es kommt auch auf die geplante Nutzung des Pferdes an. Es ist immer mit Tacktproblemen zu rechnen, das Geraderichten wird schwierig, da das Pferd durch die unterschiedlichen Vorderhufe auf den beiden Gliedmaßen unterschiedliche Schwingbögen hat.

In wie weit die Stellung noch verbessert werden kann lässt sich schwer sagen. Es wird aller Voraussicht nach dieser Stellungsfehler bleiben.

Bei diesem "Bockhuf" handelt es sich um einen Sehnenstelzfuß mit Beteiligung der Tiefen Beugesehne. D. h. die Tiefe Beugesehne ist im Verhältnis zu kurz und zieht daher das Hufbein in eine steile Stellung. Das ist nicht nur für den Bewegungsablauf ungünstig sondern stellt auch für das Hufgelenk - die Hufrolle - eine ungünstige Belastung dar.

Ich würde sehr davon abraten den Huf zu korrigieren indem auf einen Schlag die Trachten gekürzt werden. Die Gelenke und die Bänder haben sich auf diese Stellung eingerichtet, eine schlagartige Stellungsänderung würde eine große Belastung bedeuten und kann mehr schädigen als richten.

Sollten Sie sich für das Pferd entscheiden dann müssen Sie sich darüber im klaren sein dass Sie ein Pferd mit einem - ich nenne es Thema - haben. Bei entsprechender Nutzung und mit einem sorgsamen Umgang bei der Hufbearbeitung mit diesem Thema kann es aber gut sein dass es doch ein gutes Reitpferd wird mit dem Sie lange Jahre spaß haben.

Es ist also nicht einfach ihnen etwas zur raten. Für welchen Einsatz würden Sie das Pferd den planen.

Lieben Gruß Astrid Arnold

Re: Bockhuf bei 2-jährigem - Korrektur?

Hallo Frau Arnold,

danke für Ihre schnelle Antwort.

Das Pferd ist Abstammungs- und Vermögenstechnisch wohl zu höherem berufen aber ich würde es als Freitzeitpferd in mittlerer Arbeit ohne Turniereinsatz nutzen.

Sind Sie der Meinung, das die Hufe bisher vom Schmied falsch beschnitten wurden? Ich finde, das sie nicht so aussehen, als wenn da ewig kein Schmied mehr beigewesen wäre, das man vielleicht sagen könnte es fehlt an der regelmäßigen Korrektur des Bockhufes.

Ich habe nun Rücksprache mit einem spezialisierten Facharzt gehalten, welcher die Schwere des Bockhufes als leicht bis mittelgradig bezeichnete. Er meinte eine langsame Korrektur durch den Schmied über ein Jahr könnte zu einem guten Ergebnis führen. Eine stärkere Tendenz zu Lahmheitsproblemen als bei normalen Pferden wäre gegeben aber muß nicht unbedingt eintreten.

Er hielt es für ratsam Röntgenaufnahmen durchführen zu lassen um festzustellen wie stark die Hufbeinrotierung ist.

Könnten die Hinterhufe denn auch Probleme bereiten oder sind die unproblematisch?
Haben Sie Erfahrungen damit ein Sehnen-Entspannungsmittel über den Korrekturzeitraum zu verabreichen? Könnte das nützlich sein?

Ich hoffe auf Ihre Antworten.
Das Pferd liegt mir wirklich sehr am Herzen :)

Liebe Grüße
M.Böhm

Re: Bockhuf bei 2-jährigem - Korrektur?

Hallo Frau Böhm,

soweit es auf den Fotos zu erkennen ist sind die Hufe nicht besonders vernachlässigt worden, damit meine ich es ist wohl die übliche Hufbearbeitung gemacht worden in einem Zeitabstand von ca. 2 bis 3 Monaten. Eine fehlerhafte Hufbearbeitung im üblichen Sinne würde ich auch nicht sehen, ob man in der Hufbearbeitung da etwas besser bzw. anders mit Erfolg machen hätte können ist spekulativ.

Es stimmt es handelt sich hie anscheinend um einen gering bis mittelgradigen Sehnenstelzfuß und wie gut das Pferd in Zukunft mit der Gliedmaße umgehen kann liegt auch daran wie mit der Stellungsproblematik umgegangen wird.

Lassen Sie sich nicht einreden dass dieser Sehnenstelzfuß korregiert werden kann, nicht schnell und nicht langsam. Oder lassen Sie es mich besser so erklären:
Bei einer Korrektur würde man eine flachere Stellung im Hufgelenk erreichen wollen. Im günstigsten Fall indem die Strecksehne länger wird. Nur leder kann eine Sehne nicht gesund bleiben und gedehnt sein. Man hat nur einen Spielraum von ca. 3 bis 5 % in dem sich die Sehne relativ wiederstandslos dehnen lässt, danach kommt sehr schnell die Zone in der die Sehne überdent ist und Schaden nimmt. Einen Dehnungsbereich braucht das Pferd aber schon für den normalen Bewegungsablauf, sodass für eine Stellungskorrektur nur ein geringer Bereich von ca. 1 % bleibt wenn die Sehne dauerhaft gesund bleiben soll.
Gleichzeitig wird bei einer sehr gespannten - für die Dehnung erforderlich - Strecksehne ein großer Druck auf den Hufrollenbereich ausgeübt. Langfristig führ das dazu das der Knochen, hier das Strahlbein, nachgibt und seine ursprüngliche Form verliert und schmaler wird. Dadurch erreicht man zwar durchaus eine flachere Stellung jedoch mit einem verändertem Strahlbein, was ja dann keine Verbesserung darstellt.
Es gäbe noch mehr Punkte die hier angeführt werden könnten, das geht über die Hufknorpel, das Hufbein über die Bänder usw. die bei einem Korrekturversuch mit bedacht werden müssen.
Eine weitere Problematik ist daß, wenn zur Korrektur die Trachten gekürzt werden, der Huf in eine Belastung gestellt wird die sehr leicht zur Belastungsrehe führen kann!
Ich bin der Überzeugung dass viele Pferde mit einer solchen Stellungsproblematik die großen Probleme erst bekommen durch den Versuch die Stellung zu korregieren.
Auch Medikamente (es gibt eine Behandlung über Antibiotika) wären nur bei einem extremen Sehnenstelzfuß zu überlegen. Die Gefahren sind größer als der Nutzen. Davon abgesehen betrifft das dann ja alle Sehnen im Körper und beschränkt sich nicht nur auf die eine Sehne die zu kurz ist.

Die Erfahrungen zeigen dass Pferde mit einem Sehnenstelzfuß eine größere Neigung zu Lahmheiten zeigen. Ich bin mir jedoch nicht Sicher ob Diese nicht erst durch die Korrekturversuche ausgelöst wird.

Röntgenbilder zur besseren Einschätzung der Situation halte auch ich für erforderlich.

Die Hinterhufe machen mir eher einen etwas ungepflegten Eindruck als dass da eine größere Problematik zu erkennen ist. Eine genauere Aussage hierzu wäre aber nur mit besseren Bilder zu machen.

Sie haben hier allgemein über die Stellung angefragt, nicht so sehr über eine Hufproblematik. Wenn Sie bessere Bilder zu den Hufen hier einstellen kann ihnen zur Hufsituation etwas gesagt werden. Schauen sie hierzu die Anleitung Bilder erstellen.

Lieben Gruß Astrid Arnold

Re: Bockhuf bei 2-jährigem - Korrektur?

Hallo Frau Arnold,

Wow! Ihre Antwort hilft mir schon ein ganzes Stück weiter.

Ich werde das Pferd wohl kaufen und die Problematik in Angriff nehmen.
Sehr gerne würde ich dann auch weiterhin Ihre Hilfe in Anspruch nehmen. Leider kann ich momentan keine weiteren Bilder einstellen, da dies die einzigsten Fotos sind, die ich bei dem Besichtigungstermin machen konnte.
Wenn das Pferd bei uns im Stall ist, folgen weitere Bilder, die ich dann nach Anleitung hier einstellen werde.

Nun habe ich vorerst noch eine Frage und hoffe nochmal auf Ihre nette Hilfe :)
Angenommen ich würde die Stellung nicht korrigieren lassen und den Schmied damit beauftragen, die Stellung so beizubehalten und keine Korrektur (oder nur minimalst) vorzunehmen. Wäre das dann der sicherste Weg das Pferd lahmfrei, "gesund" und möglichst lange einsatzbereit zu halten?

Ich störe mich ja nicht an dem Anblick oder sonstwas. Ich brauche weiß Gott kein perfektes Pferd was in irgendwelche Vorstellungsmuster paßt, ich bin einfach auf der Suche nach dem Weg das Pferd trotz des Sehnenstelzfußes lahmfrei und einsatzbereit zu halten. Sollte dann mal ein Taktproblem auftreten, dann ist das halt so (kein Turniereinsatz).

Liebe Grüße
M.Böhm

Re: Bockhuf bei 2-jährigem - Korrektur?

Hallo Frau Böhm,

Sie brauchen sicher einen geschickten Hufbearbeiter um die Gliedmaßen des Pferdes und die Hufe in Ordung zu halten bzw. zu bringen, denn an diesen Hufen muß man schon noch so einiges in Ordung bringen. Sie brauchen einen Hufbearbeite der diesen Stellungsfehler ein gutes Stück weit aktezptieren kann und damit umzugehen weis.

Wie schon gesagt mit genaueren Bildern der Hufe ist dazu sicher noch mehr zu sagen. Stellen Sie doch auch bitte die Röntgenbilder hier mit ein, sie würden mich sehr interessieren.

Der sicherste Weg zu einer genaueren Befundung wäre natürlich das Pferd direkt anzusehen.

Gerne helfen wir ihnen auch in Zukunft weiter.

Lieben Gruß Astrid Arnold