Zum Hauptinhalt springen

Archiv

Hilfe! Plötzliche Verfärbungen und Hornverschlechterung

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich reite seit etwa 2 Jahren eine Traberstute mit einem Herz aus purem Gold. Da sie sehr lauffreudig ist, gehen wir viel mit ihr in's Gelände, arbeiten aber auch an der Dressur und am Boden mit ihr. Seit einiger Zeit ist mir aufgefallen, dass ihre Hornqualität rapide abgenommen hat. Ich bin mir auch immer ganz unsicher, ob der Hufschmied die Hufe richtig schneidet, da er die Stute noch nie vorgeführt bekommen wollte. Sie stand sozusagen immer nur auf dem Gang bereit, wurde z.T. beschlagen und das war's dann.

Nun hat sie seit einiger Zeit Risse im Horn entwickelt und am Beschlag bricht nun viel auf bzw. ab. Was mich aber am meisten beunruhigt sind die roten Stellen auf dem Horn. Ich kenne mich leider mit Hufen nicht so gut aus und bin mir jetzt ganz unsicher. Sie hat wie gesagt ein Herz aus Gold und würde eine Menge ertragen, bevor sie ihren Unmut meldet. Die Fotos wurden von meinem supermodernen Handy gemacht und bilden die Farben leider nicht so perfekt ab. Daher habe ich das eine Bild etwas bearbeiten müssen, um die rote Verfärbung sichtbar zu machen. Ich hoffe Sie können etwas mit den Bildern anfangen, sie sind eben nicht gerade von einem Spitzen-Fotograf geschossen worden ;-)

Ich hoffe Sie können uns weiterhelfen! Vielen Dank für Ihre Mühen!

LG Teddy

Re: Hilfe! Plötzliche Verfärbungen und Hornverschlechterung

Hallo Teddy Bee,

wie lange ist die Stute denn schon beschlagen? und ist der Beschlag wirklich notwendig? Wurde das barhuf laufen mal probiert?

Leider ist es häufig so, dass sich durch permanentes Beschlagen die Hornqualität verschlechtert und die Hufe flacher werden. Dies beides scheint bei Ihrem Pferd der Fall zu sein. Dies sind quasi die gängigen Nebenwirkungen des Beschlagens.

Die roten Stellen sind Einblutungen. Hier wurde bei der Hornproduktion Blut in dem Horn eingeschlossen; dies ist ein Hinweis darauf, dass Druck auf die Lederhaut ausgeübt wird, die die Hornwand produziert. Dieser Druck kann beispielweise durch Fehlbelastung / einseitige Belastung / Überlastung einer Region entstehen.

Besprechen Sie diese Probleme mit Ihrem Schmied und lassen Sie sich erklären, wie sein Lösungsvorschlag ist.
Ansonsten würde ich Ihnen raten, die Stute barhuf gehen zu lassen und, wenn es sein muss, auch zu schonen, um durch sachkundige Barhufbearbeitung den Huf sich regenerieren zu lassen.

Beste Grüße

Jutta Gänssler

Re: Hilfe! Pl�tzliche Verf�rbungen und Hornverschlechterung

Vielen Danke für Ihre schnelle Antwort Frau Gänssler,

die Stute wird nicht das ganze Jahr beschlagen. Im Winter bekommt sie Eisen mit einer Art Gummischlauch und im Frühjahr und Herbst läuft sie mit "normalem" Beschlag. Während des Sommers läuft sie eigentlich barhuf, nur hatte sich die Besitzerin auf Raten des Hufschmieds dieses Jahr dagegen entschieden. Ich bin leider nur die Reitbeteiligung, da die Besitzerin aber eine reine Freizeitreiterin ist und sich mit Hufen auch nicht so gut auskennt, hatte sie mich gebeten, Informationen zu sammeln.

Die Sache mit dem Bluteinschluss im Horn kommt mir nun subjektiv sehr schmerzhaft vor. Man muss ja davon ausgehen, dass das Trauma schon einige Zeit zurück liegt, bis es so weit vorgewachsen ist oder? Kommt die Fehlbelastung dann von einer Fehlstellung des Hufes bzw. einer faschen Behandlung durch den Hufschmied oder kann es auch reiterliche Ursachen haben? Springen macht ihr keinen Spaß, daher sind wir vor etwa einem Jahr das letzte mal über ein Kavaletti und ansonsten reiten wir mehrmals pro Woche aus. Bei uns gibt es viele Kies-Wege aber eigentlich achten wir darauf nur auf geeignetem Untergrund zu traben und zu galoppieren.

Mir ist es vor 3 Wochen schon aufgefallen, dass sie den besagten Huf nicht mehr so gut unter de Schwerpunkt bringen konnte. Sie lahmt seither quasi ganz leicht weil sie mit dem rechten Hinterhuf nicht so weit nach vorne fußt wie mit dem linken. Das macht mir schon große Sorgen :-/ Zwei Reitleherer des Hofes sagten mir nur, dass das eben eine "Traber-Manier" sei aber nun scheint es ja doch einen ernsteren Hintergrund zu haben.

Da sie wirklich ein so wundervolles Pferd ist und wahrscheinlich erst zusammenbrechen müsste, bevor sie sagt, dass ihr etwas wirklich weh tut, habe ich nun Angst, dass wir ihren Huf, ihr Hufbein und die Gelenke sowie die Muskeln durch die Fehlbelastung dauerhaft schädigen könnten.

Ich weiß aus der Ferne und ohne dass man das Pferd je gesehen hat, ist so etwas sehr schwierig zu beantworten. Aber sollten wir sie nun wie gehabt weiterreiten? (Das Problem ist ja auch, dass die kleine Rennsemmel laufen WILL.) Wir versuchen so schnell wie möglich einen Termin beim Hufschmied zu bekommen aber der gute Herr ist immer auf Wochen ausgebucht. Sollten wir auch einen Tierarzt kommen lassen?

Vielen, vielen Danke für Ihre Mühen und dass Sie sich die Zeit nehmen zu antworten! :-)

Liebe Grüße
Teddy Bee

Re: Hilfe! Pl�tzliche Verf�rbungen und Hornverschlechterung

Hallo Teddy Bee,

in der Tat kann man von Ferne mit diesen wenigen Bildern keine Aussage darüber treffen, was das Pferd wohl hat und ob die Lahmheit aus dem Huf kommt. Bei einer Lahmheit würde ich persönlich einen Tierarzt hinzuziehen und mit ihm überlegen, ob das Pferd weiter zu reiten ist.

Was das Einbluten angeht, wurde schon oft beobachtet, dass es durchaus spontane Prozesse sind. Blut hat die Fähigkeit durch andere Zellen zu diffundieren.
Die Ursache für eine Einblutung ist Druck auf die Lederhaut. Was nun aber in Ihrem Fall diesen Druck verursacht, kann man von dem einen Bild her nicht benennen.
Aus meiner Praxis ist mir kein Fall bekannt, wo ein Pferd aufgrund einer Einblutung schlechter läuft; ich weiß aber auch von einer Kollegin, dass sie eine Verschlechterung des Laufverhaltens durch Einblutung schon beobachten konnte.
Im Prinzip haben Sie die Hufprobleme gut beobachtet. Diese sollte Sie beim nächsten Termin mit dem Hufbearbeiter besprechen und solange nachfragen, bis Sie seinen Lösungsweg verstanden haben!
Einfache Antworten wie: "Das Pferd hat eben schlechte Hufe. Das Pferd hat sich da gestoßen. Die genannten Probleme haben keine Bedeutung oder Wichtigkeit für die Hufgesundheit." zeigen aus meiner Sicht an, dass der Hufbearbeiter das Problem nicht ernst nimmt.
Die Hufe zeigen schon an den Rissen und Rundungen in den Trachtenwänden vorn und hinten links sowie der Einblutung, dass die Hufbearbeitung zu überdenken ist.

Grüße, Jutta Gänssler

Re: Hilfe! Plötzliche Verfärbungen und Hornverschlechterung

Der Beschlag ist jetzt schon überfällig. Was soll man von der Aussage halten: Soll ich einen Termin mit dem Hufschmied machen, der ist auf Wochen ausgebucht? Mit einem solchen Hufbearbeitungsintervallverhalten wird man die Hufe nicht bessern können. Wer weiß, wie lange die Beschläge an den Hufen halten müssen... Alles über 6 Wochen verformt den Huf viel zu sehr.

Re: Hilfe! Pl�tzliche Verf�rbungen und Hornverschlechterung

Vielen Dank für Ihre Hilfe :-)

Der Huf wurde 3 Wochen vor Aufnahme der Bilder beschlagen und ist vor einer Woche, also in der 4., wieder bearbeitet worden. Wir haben mit dem Hufschmied einen Bearbeitungsintervall von 3 Wochen ausgemacht, da das Hufhorn scheinbar wächst wie ein kleiner Mutant. Die Taktfehler haben sich verringert und der Schmied achtet nun besonders auf eine korrekte Beschneidung und Ausbalancierung. Barhuf kann die Stute leider nicht gehalten werden, da sie sehr fühlig ist und das Gelände sehr steinig. Ihr geht's in jedem Falle wieder gut und sie tobt voller Freude über die Koppel :-)

Vielen Dank, für Ihre Antwort! :-)