Zum Hauptinhalt springen

Archiv

Hufrehe

Hallo,
Frau Constanze Rasch schreibt in ihrem Buch " Diagnose Hufrehe" bei ihrer Auflistung der bei Hufrehe zum Einsatz kommenden Schmerzmittel folgendes über NSAID`s wie Flunixin ( z.B. in Finadyne) oder Phenylbutazon ( z.B Equipalazone):
---- bei längerer Gabe möglicherweise reheauslösend
---- schädigung der Schleimhäute von Magen und Darm
Kann es sein das die Gabe von Finadyne einen neuen Reheschub auslöst/ bzw.den akuten Schub fördert?
Alle Tierärzte schließen das absolut aus!
Was bedeutet " längere Gabe "? Wie lange kann man es unbedänklich geben?
Gibt es Hufrehefälle ( auch schwere), die ohne diese Schmerzmittel/ Entzündungshemmer behandelt werden?
Danke, Lena

Re: Hufrehe

Hallo Lena,

Grundsätzlich können alle nichtsteroidalen Entzündungshemmer NSAID eine Schädigung der Schleimhäute des Magens herbeiführen duch Hinderung der Bildung der Schleimschutzschicht im Magen.
Daher oft gleichzeitige Gabe von Omeprazol oder der alten Substanz Ranitidin um den Magensaft weniger sauer zu machen.
Auf der anderen Seite sind die immunologischen Grundlagen des Rehegeschehens nicht letztendlich geklärt, auch wenn relativ plausible Theorien existieren.
Grundsätztlich haben u.a. die NSAID´s, bzw. Ihre Stoffwechselprodukte die Fähigkeit in unerwünschter Weise in das immunologische Geschehen einzugreifen und sogar Autoimmunerkrankungen auszulösen.
Diese Nebenwirkungen können bereits nach 7 Tagen regelmäßiger Einnahme auftreten. Da keine Bestätigung einer Nichtauslösung von Rehe dokumentiert ist, muß man zu dem Schluß kommen bei Betrachtung der möglichen unerwünschten Wirkungsmechanismen von NSAID, daß sie möglicherweise reheauslösend sein können.
Ein kategorischer Ausschluß seitens der Tierärzte kann ich nicht zustimmen, da ein Tierarzt weder Immunologe noch Hämatologe noch Pharmakologe ist.

Re: Hufrehe

Hallo Lena,
die Frage, ob ein Rehepferd mit NSAID's behandelt werden soll oder nicht, ist nicht einfach zu beantworten. Keiner möchte, dass ein Pferd leidet und Rehepferde leiden wirklich sehr. Deshalb ist man geneigt, solche Mittel bei Rehe einzusetzen. In vielen Fällen verhelfen sie auch zu einer Besserung der Schmerzzustands. Aber, es gibt gewichtige Argumente gegen ihren Einsatz.
1. Pferde mit Hufrehe sollen sich nicht „künstlich“ auf den Beinen halten. Der erkrankte Hufbeinträger benötigt Schonung. Der Schmerz ist in diesem Sinne ein wichtiges Indiz für das Pferd sich weniger zu bewegen und sich auch vermehrt hinzulegen.
2. Die NSAID’s sind keine Rehemedikamente, d.h. sie können die Hufreheprozesse im Innern der Hufe nicht stoppen. Letztere laufen unbehelligt weiter, auch wenn es dem Pferd scheinbar besser geht. Bei in vitro Versuchen australischer Hufreheforscher gab es Hinweise darauf, dass die Anwesenheit von NSAID’s die Aktivität der Enzyme, die für die Zerstörung des Hufbeinträgers verantwortlich gemacht werden, sogar noch leicht erhöht.
3. Gibt es Aussagen von Seiten der Tiermedizin, dass eine längere Gabe von Phenylbutazon eine Hufrehe auslösen kann. Prof. Hertsch wurde nicht müde auf Tagungen und Kongressen darauf hinzuweisen. Auch auf dem internationalen Hufrehesymposium in Berlin in 2008 wurde das Thema diskutiert. In der Klinik für Pferde der TU Berlin werden Hufrehepferde seit langem ohne NSAID’s behandelt (außer diese sind aus zusätzlichen anderen Gründen unerlässlich), weil man um die Gefahren weiß. In den Niederlanden debattiert man über ein Verbot von Phenylbutazon im Hufrehefall. Meines Erachtens gibt es allerdings bislang keine Untersuchungen hierzu.
4. Schäden am Gastrointestinaltrakt sind dagegen untersucht und vielfältig belegt. Bspw. birgt eine 5-8 tägige Gabe von Flunixin-Meglumin bereits ein erhöhtes Risiko für Erosionen oder Geschwüre an der Magenschleimhaut des Pferdes.

Alles in allem gibt es bei der Frage, sind NSAID’s im Rehefall sinnvoll oder nicht, eine große Kluft zwischen den Wissenschaftlern und den Praktikern der Tiermedizin. Das Problem ist, dass der Praktiker vor dem rehekranken Pferd steht und keine Alternative zum entzündungshemmenden Schmerzmittel weiß. Denn es gibt kein schulmedizinisches Hufrehe-Medikament.
Aufgrund guter Erfahrungen und aufgrund der Ergebnisse unserer Blutegelstudie plädiere ich bei Hufrehe für den Einsatz von medizinischen Blutegeln. Es hat ganz den Anschein, als würde man hiermit einem Medikament gegen Hufrehe am nächsten kommen.

Mit freundlichen Grüßen
Konstanze Rasch