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Hufrollensyndrom durch Fehlstellung

Hallo Zusammen,

ich bin ein bisschen verzweifelt, weil bei meiner 7jährigen Stute Hufrollensyndrom (zum Glück noch ohne Befund am Knochen) diagnostiziert wurde.
Rückblickend erkenne ich jetzt, dass sie diese Stellung (untergestelle Vorderbeine) schon hat, seit dem ich sie gekauft habe. Leider ist das auch keinem der Huforthopäden aufgefallen, die sie die letzten zwei Jahre versorgt haben. Aber das soll keine Anklage sein, ich denke die Füße und die Stellung ist auch nur latent schlecht und vielleicht daher nicht so offensichtlich (?).
Meine Frage ist jetzt: Wie kann man den Huf dabei unterstützten (ohne Beschlag) korrekt zu wachsen? Wenn ein Pferd generell sehr fühlig ist und sich der Huf (sogar bei reiner Nuzung auf Sand) stark abreibt, dann stimmt doch im Gesamtorganismus (Stoffwechsel/Leber?) irgendwas nicht, oder? Und wie kann ein solcher Huf gepglegt/geschnitten werden um die Stellung zu korriegiern? (Bilder anbei)
Falls jemand eine Idee hat würden mein Pferdi und ich uns sehr freuen =) Es wäre einfach schön sie zumindest endlich schmerzfrei zu bekommen... =(
Vielen Dank im Voraus für jede erdenkliche Hilfe!
Sonja

Re: Hufrollensyndrom durch Fehlstellung

Hallo,
mich würde interessieren, wer Hufrollensymdrom festgestellt hat? Wurde es durch Röngten festgestellt oder gab es einen Grund für eine Untersuchung, die auf HRS weist?
Insgesamt finde ich die Hufe sehr klein für das Pferd. Der Tragrand ist was dünn geraten, sodaß sich dieses Pferd den Tragrand auch schnell runterlaufen kann.
Die Sohle wirkt dünn und es sind Umrisse eines Hufbeinabdruckes zu erkennen. Dort ist schon eine kleine Schwiele entstanden. Pferde mit einer solchen Sohle laufen gerne fühlig, da jeder Unebenheit direkt ans Innenleben (Lederhaut) weitergegeben werden.
Gerade dünne Sohlen sollten möglichst in Ruhe gelassen werden.
Wie wird das Pferd denn gehalten? Die Umweltbedingungen spielen eine große Rolle. Unterschiedliche Untergründe können die Sohlenlederhaut annimieren stärkeres und vermehrtes Horn zu produzieren. Dabei sollte grobe Untergründe ( Schotter) erstmal verminden werden.
Wurde mal mit dem Huforthopäden über diese Problematik gesprochen?
Manchmal weisen Pferde eine angeborene Muskelschwäche auf, die sich auch auf den Bewegungsaparat auswirkt. Ich habe selber so einen Fall. Nun wirkt dieses Pferd nicht untermuskelt, dennoch wäre es eine Idee.

Re: Hufrollensyndrom durch Fehlstellung

Hallo Daniele,
vielen lieben Dank für deine Antwort. Das HRS wurde in der TK diagnostiziert. Sie hat auf hartem Untergrund einen Wendeschmerz gezeigt - daher die Fahrt in die Klinik. Da dann das übliche Programm mit Beugeprobe (o.B.), Longieren auf weichem Boden (o.B.), Traben in enger Wendung auf Asphalt (Lahm rechts vorne). Abspritzen und Traben in enger Wendung auf Aphalt (Lahm links vorne). Dann vier Bilder - alle ohne Befund. Diagnose: Hufrollensyndrom auf beiden Vorderbeinen durch falsche Stellung der Hufe - Zehnrichtung ändern (sie war damals 3.2.2012 noch Beschlagen und wäre den Tag vor der Klinik dran gewesen beim Schmied - das hatte ich gespart, weil beim Röngen ja bekanntlich die Eisen abgenommen werden). Sie bekam "Gold" (zumindest dem Preis nach ;-) in die Hufgelenke gespritzt (war Hyaluron und Cortison). Vorbeugend...? Punktion ergab aber auch rechts zu wenig und links wässrige Synovia, somit waren die Spritzen ok - auch wenn ich nicht weiß wie er darauf kam. Dann 6 Tage Boxenruhe und neue Eisen drauf, dann langsam wieder anfangen.
Weil ich von Anfang an das Gefühl hatte, das sie mit den Eisen eigentlich nicht gut klar kommt (oft kalte Füße, gaaaaaaaaaaaaanz viel am Stolpern und immer am Rutschen, weil sie mit der Zehe landet und nicht plan), hab ich die Eisen abgelassen und will das jetzt Barhuf in den Griff kriegen.
Seitdem ich mich jetzt intensiver mit dem Thema beschäftige, drängt sich mir der Verdacht auf, das sie generell ein ziemliches Problem mit den Füßen hat. Mein Bauch sagt mir, dass sie permanent latent Schmerzen hatte und hat. Daher suche ich jetzt Rat =) Leider hat sich das nicht früher rauskristallisiert, weil ich zusehr mit Koliken, Augenentzündungen, Pilzen, Mauke, Milben usw. beschäftigt war =(
Fühlig ist sie übrigens total stark. Das war auch der Grund für die Eisen vor knapp 1,5 Jahren (hatte die Kleine damals gerade gekauft und war dabei sie anzutrainieren - vorher war sie roh). Der Schmied meinte, dass sie die brauch wenn sie mal über Schotter usw. geritten werden soll. Hinten ist die Fühligkeit schon besser geworden, aber sie knickt immer noch richtig weg, wenn sie mal auf nen Stein tritt.
Was die Haltungsbedingungen angeht, ist es glaub ich schon ganz ok. Sie ist das ganze Jahr über tagsüber draußen (eher trockene, steinige, abgegraste Weide - sehr groß, daher ist die Herde immer viel am Wandern) und nachts in einer täglich (von mir - also auch gründlich ;-) gemisteten Box. Bevor die Diagnose kam hab ich sie auch mind. 6 Mal die Woche geritten. Im Gelände, durch die Marsch, in der Halle, zur Halle über Straßen, etc. - also eher abwechslungsreicher Untergrund.
Futtermäßig gebe ich auch schon alles - bedingt durch ihre vielen Probleme die auf Stoffwechsel/Immunsystem hinweisen. Müsli, Hafer, Mineralfutter, Luzerne, Malzbier, Kräuter (Mariendistel, Artischocke, Brennessel und Löwenzahn), Leinsamen geschrotet, Biotin (schon seit 4 Monaten ohne Verbesserung), Äpfel und Möhren. Und natürlich ausreichend Heu.
Auf eine Muskelschwäche würde ich nicht unbedingt tippen. Sie hatte zwar beim letzten Bluttest viel zu niedrige Selenwerte aber dann würde sie bestimmt ander aussehen.
Ich hab tatsächlich mehr und mehr den Eindruck, dass ihr Hauptproblem die Füße sind. Nur weiß ich nicht wer mir helfen kann =( Ich hatte zwei orthopädische Hufschmiede in den Jahren... und keinem ist aufgefallen, das sie immer rückständig steht (hinten vorständig)... ich denke das ist eine Entlastungshaltung... oder?
Kannst du mir einen guten HO im Raum Oldenburg (Oldb) emofehlen?
10000 Dank im voraus für deine Hilfe!!!
LG, Sonja

Re: Hufrollensyndrom durch Fehlstellung

Die Leidengeschichte scheint schon lang. Als du von Huforthopäden geschrieben hast, ging ich nicht vom Schmieden aus.
Schmiede arbeiten anders als Huforthopäden der DHG. Ihre Arbeit liegt im Kürzen der Hufe , um sie bestens zu korrigieren. Das ist in dem Fall nicht der richtige Weg, auch um die Fühligkeit in den Griff zu bekommen.

Leider kann ich dir keinen persönlich empfehlen, aber ich weiß das alle auf der Liste genannten Huforthopäden geprüft und fortgebildet sind und gute Dienste leisten. Schau doch mal in der Liste, ob du einen Ho in deiner Nähe findest.
Dann kann ich mir vorstellen, das man vor Ort dir noch einiges mehr über die Hufe erzählen kann und damit auch Lösungswege findet. Ganz viel Glück euch beiden.

Re: Hufrollensyndrom durch Fehlstellung

Hallo Sonja,

zum Thema Abrieb möchte noch folgendes ergänzen:
Wenn die Hufe während des langen Weidegangs feucht sind, wird das Horn weicher und kann sich leichter abreiben. Auch durch den Mist in der Box wird das Horn "weichgehalten". Auch bei gut gemisteten Boxen kann man leider nicht vermeiden, dass sie sich Äppel eintreten, gelle...

Wenn dann auf der Koppel oder im Auslauf scharfkantige Steine liegen und auf abriebintensiven Untergründen (Asphalt, oftmals liegt scharfkantiger Sand in der Halle!) geritten wird, werden dünnwandige Hufe manchmal ruckzuck kurz!

Gerade Straßenbauschotter auf Winterausläufen ist anscheinend derzeit in Mode, um auf günstige Weise dem Matsch zu entgehen, aber das ist ganz übel für viele Barhufe. Nasse Hufe auf Beton(-pflaster /-Rasengittersteinen) ist in solchen Fällen auch keine gute Idee...

In der Natur wäre der Boden weich, wenn es die Hufe auch sind bzw. die Hufe wären hart, wenn der Boden trocken wäre. Und natürliche Steine sind vermutlich auch nicht so scharfkantig wie der erwähnte Schotter mit seinen "frischen" Bruchkanten.
Zum Training der Hufe auf unterschiedlichen Böden muss man deswegen leider sagen, dass das reine Reiten nicht ausreicht. Und ich vermute, dass es kaum möglich ist, die Haltungsbedingungen wirklich so zu gestalten, dass Hufe, die leicht abreiben, in nassen Perioden hart und damit abriebresistenter bleiben.
Bitte nicht falsch verstehen: Viel Auslauf auch auf festem Boden (z.B. Kiesel) ist auf jeden Fall Training für den Huf und das ist besser als nix. Aber bei dünnwandigen Hufen ist das eben nicht immer ausreichend und die Wand- und Sohlendicke ist genetisch-anatomisch bedingt nur begrenzt beeinflussbar.

Abhilfe kann evtl. die Verwendung von Hufschuhen beim Reiten bieten. Wenn das nicht ausreichen sollte, um immer noch übermäßigen Abrieb zu vermeiden, kann man notfalls auch über für den Auslauf geeignete Hufschuhe (Easyboot RX) nachdenken und diese phasenweise verwenden.

Bei einem Pferd, das leicht stolpert und eine "Hufrollendiagnose" hat, sollte man möglichst leichte Hufschuhe mit Zehenrichtung wählen, damit diese das Pferd beim Laufen nicht behindern. Ich würde es mal mit einem Easyboot-Modell versuchen.

Viel Glück und gute Besserung!

Re: Hufrollensyndrom durch Fehlstellung

Hallo Daniela,

vielen lieben Dank für deine ermunternde Worte. Ich hoffe auch sehr, dass wir irgendwie eine Lösung finden. Die kleine Maus hat es einfach verdammt noch mal verdient finde ich ;-)
Ich habe jetzt eine Huforthopädin gefunden und für Ende April sogar einen Termin bekommen (war gar nicht so einfach - alle ausgebucht oder sie nehmen gar keine neuen Kunden mehr).

Ich hoffe sehr, dass wir damit auf dem richtigen Weg sind.

Beste Grüße, Sonja

Re: Hufrollensyndrom durch Fehlstellung

Hallo Caja,

vielen lieben Dank für die vielen Hinweise und Tipps. Über Hufschuhe habe ich auch schon nachgedacht. Im Augenblick reite ich nicht mehr. Und das wird sich auch nicht ändern, solange ich nicht das Gefühl habe, dass sie keine Schmerzen mehr hat (oder mir ein HO meines Vertrauens sagt ich MUSS wieder anfangen ;-).
Vor 4 Wochen hatten wir schon mal Probeweise welche von Easyboot drauf - das hat am Gangbild (extreme Zehnfußung) und am Gesicht (Schmerzverzogen) nicht viel geändert. Allerdings hoffe ich tatsächlich, wenn man das grundsätzliche Problem erstmal etwas im Griff hat, dass sich auch das dann verbessern wird.

Viele liebe Grüße, Sonja

PS: Ende April hab ich endlich einen Termin bei einer Huforthopädin. Ich hoffe inständig, dass sie gut ist und der Kleinen helfen kann!

Re: Hufrollensyndrom durch Fehlstellung

Hallo Sonja,

ein(e) HO von der DHG wird sicherlich niemals raten, ein Pferd mit Schmerzen zu reiten!!
Nur in Fällen, in denen nicht genug Abrieb vorhanden sein sollte, der notwendig ist, um die Hufe korrigieren zu können, kann es sein, dass (mehr) Bewegung (ggf. auch durch Führen) auf harten Böden angeraten wird. Aber wenn die Hufe tatsächlich zu kurz sind, wird das nicht der Fall sein. Grundsätzlich soll immer(!) Rücksicht auf das Wohlbefinden des Pferdes genommen werden!

Die Hufschuhe kann man übrigens auch polstern. Gerade für die Easyboots gibt es fertiges Polstermaterial als Einlegesohlen. Oder einfach mal kreativ probieren mit zurechtgeschnittenen Teppichresten, Moosgummi ... Falls denn die Schmerzen überhaupt aus der Sohle kommen, was der Beschreibung nach nicht unbedingt der Fall sein muss. Das klärt sich dann ja hoffentlich demnächst vor Ort :-)

Schöne Grüße und viel Erfolg.