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Beschlag oder Barhuf beim chronischen Rehehuf

Daniela
Mitglied seit 22. 09. 2020

Liebes Team der DHG,

meine 20-jährige Stute erlitt 2015/2016 zwei schwere Reheschübe mit bleibenden Schäden (EMS). Die Sanierung der Hufe erfolgte am Barhuf bis zum Frühjahr 2019 auf der Grundlage der Literatur von Kontanze Rasch. Im Frühjahr 2019 konnte meine Stute vorne rechts (Vermutung: aufgrund des fehlenden Tragrandes) keine Last mehr aufnehmen und ich entschied mich für einen Beschlag. Bis dahin war sie mit Hufschuhen gut unterwegs gewesen. Sie war ab einem Jahr nach den Reheschüben wieder vorsichtig antrainiert worden. Im Zeitraum nach der Rehe trug sie übergangsweise, allerdings für lange Zeit, Krankenschuhe (Easyboot Glove), von denen ich sie im Augst 2016 langsam entwöhnt hatte. Alles mit Erfolg.

Der anfangs orthopädische Beschlag im Frühjahr 2019 ist in einen Duplo-Beschlag übergegangen und die mittlerweile entstandene Hufsituation zwingt mich eigentlich, die Eisen wieder abzunehmen und das Pferd erneut huforthopädisch zu versorgen. Ich habe aktuelle Röntgenbilder aus dem Juni 2020 (die Hufbeinsiuation - Parallelität zur Hufwand - hat sich wieder verschlechtert, weil der Schmied das chronische Rehe-Hornwachstum nicht korrigiert) und die Frage, ob mein Pferd nach Eurer Einschätzung wieder barfuß laufen kann und inwieweit es mit oder ohne Reiter belastet werden kann?

Bilder der Hufe von außen habe ich leider nicht, kann diese aber bei Bedarf nachliefern.

Danke & Grüße
Daniela

PS: Ich hatte die DHG auch über die reguläre Info-E-Mail-Adresse angeschrieben und mich zur Sicherheit nun noch einmal im Forum angemeldet.

2020_VR.jpg (247,23 KiB)
2020_VL.jpg (489,27 KiB)
    krasch
    Mitglied seit 28. 01. 2014
    DHG-Huforthopäde/-in

    Hallo Daniela,
    Sie haben mich ja bereits per mail kontaktiert und mit zusätzlichen Informationen versorgt. Die Chronologie der Röntgenbilder (2015 bis 2020) zeigt, dass es leider zu keiner Zeit wirklich gelungen ist, die Hufe zu rehabilitieren. Die Wandrotation bestand nach den Hufreheschüben 2015/16 mehr oder weniger unvermindert fort. Da ich den konkreten Fall Ihrer Stute nicht kenne, weiß ich nun nicht, ob diese fortbestehende Wandrotation eher durch einen (weiter rehenden) Stoffwechsel oder aber durch die Art und Weise der Hufbearbeitung verursacht worden ist. Beides ist prinzipiell möglich und auch eine Kombination beider Dinge kann vorliegen. Ich müsste wissen, wie Ihre Schmiedin gearbeitet hat, um diesbezüglich weiterhelfen zu können.

    Die langjährige Unabdingbarkeit von Hufschuhen und das massive Ausbrechen des Tragrandes am rechten Vorderhufes im Frühjahr 2019, das Sie letztlich wieder zum Beschlag führte, weisen in dieselbe Richtung. Die Hufe sind nicht wirklich gesundet.
    Über die Zeit hat sich zudem der Hufbeinrand beider Hufe, besonders aber des rechten Vorderhufes, unschön verändert.

    Auf dem Beschlag ist es deutlich schwieriger, die Hufe wieder zu sanieren, und offensichtlich geht die momentane Entwicklung auch eher nicht in diese Richtung. Bevor allerdings Aussicht auf Erfolg bei einem neuen Barhufprojekt besteht, muss geklärt werden, was vorab schief gelaufen ist.
    Um Ihnen konkret helfen zu können und auch Ihre Fragen hinsichtlich Barhuf und Reitbarkeit beantworten zu können, müsste ich wissen, wie die Hufe derzeit aussehen. (siehe Fotoanleitung oben rechts im hellblauen Balken)
    Wenn Sie Fotos der Hufe zu früheren Zeitpunkten haben, wäre auch das hilfreich.
    Mit freundlichen Grüßen
    Konstanze Rasch

      Daniela
      Mitglied seit 22. 09. 2020

      Liebe Kontanze Rasch,

      vielen Dank für die Antwort. Ich werde die aktuellen Bilder nachreichen. Auch die Hufbearbeitung wurde in den Jahren 2016 bis 2019 fotografisch in Abständen dokumentiert, auch diese Bilder stelle ich zusammen.

      Beste Grüße
      Daniela

        Daniela
        Mitglied seit 22. 09. 2020

        Liebe Konstanze Rasch,

        anbei nun die Bilder, die ich gestern von dem beschlagenen Pferd (Duploeisen) gemacht habe (der Fotoapparat lag jeweils auf ebenen der Erde, also ziemlich exakt 90 Grad). Außerdem noch zwei Beispielbilder zur Hufbearbeitung aus 2017 und ein Foto aus dem März 2019 (nur vorne rechts), als ich mich für den zunächst orthopädischen Beschlag entschloss, weil das Pferd auf der Sohle stand.

        Aus meiner Erinnerung kann ich noch sagen, dass das Pferd im Jahr 2016 mehrere Monate aus dem zweiten Reheschub nicht herauskam, was m.E. verschiedene Ursachen hatte. U.a. hatte der damals behandelnde Tierarzt die Sohle des Pferdes mit dem Hufmesser bearbeitet, was fatale Folgen hatte, und es gab im Jahr 2016 einen ersten kurzen Mai-Schnitt Heu, der lange gefüttert wurde. Erst als älteres Heu zu bekommen war, besserte sich die Situation schlagartig. Ein Diätprogramm hatte ich sofort gestartet. Ein Maßband mit kg-Angaben zeigt, dass das Pferd zu Beginn der Rehe einen Umfang von 614 kg hatte, der aktuell bei knapp unter 500 kg liegt (das hat allerdings nichts mit dem tatsächlichen Gewicht zu tun, soll nur dokumentieren, dass das Pferd augenscheinlich abgenommen hat). Seit 2015 hat das Pferd absolutes Weideverbot, das streng eingehalten wird, und bekommt abgewogene Heurationen, kleine Portionen Müsli (Puritan von Höveler) und Bewegung.

        im Jahr 2016 trug das Pferd über Monate Krankenschuhe (Easyboot RX) mit zusätzlichen Einlegesohlen, die Bewegung erfolgte später ab 2017 mit dem Easyboot Glove, den das Pferd auch vor der Rehe immer trug. Vor dem ersten Beschlag im Jahr 2019 war das Pferd nie beschlagen. Die Ausgangssituation im Jahr 2015/2016 war schrecklich und die Hufe sahen fatal aus.

        Wie die aktuellen Bilder zeigen, ist die Hufsituation auch jetzt nicht mehr optimal und ich habe den Tagungsbeiträgen auf der DHG-Homepage entnommen, dass eine Korrektur des chronischen Rehehufs mit einem Beschlag nicht wirklich möglich ist. Ich wäre daher sehr an einer Einschätzung interessiert, ob die Situation am Barhuf verbessert werden kann, wenngleich es schwierig sein wird, so meine Erfahrung, eine/n DHG-Huforthopädin/en zu finden.

        Noch eine Frage, wenn es eine Aussicht gibt, die eisen abzunehmen: Ich würde dem Pferd ggf. bei Abnahme der Eisen übergangsweise wieder den Easyboot RX anziehen und bei Bewegung (Spaziergänge, sobald möglich) den Easyboot Glove nutzen. Oder setzt die huforthopädische Behandlung voraus, dass das Pferd immer ohne Hufschutz auskommt?

        Vielen Dank & beste Grüße
        Daniela

          Daniela
          Mitglied seit 22. 09. 2020

          Und hier noch die zwei fehlen Bilder....

            krasch
            Mitglied seit 28. 01. 2014
            DHG-Huforthopäde/-in

            Hallo Daniela,
            die Fotos sind sehr gut und aussagekräftig, vielen Dank dafür.
            Sie zeigen aber leider deutlich, dass sich die Vorderhufe, trotz Ihres guten Rehemangements, weiter in Richtung chronische Rehehufe verändert haben. Der Beschlag und die damit verbundene Bearbeitung der Hufe haben den Hufen nicht gut getan. Insofern würde ich Ihnen sehr zur Abnahme der Beschläge und Sanierung der Hufe raten.

            Sie sollten Ihrer Stute in jedem Fall zur Umstellung Hufschuhe gönnen, sprich auf allen Böden, die sie zunächst Barhuf noch nicht bewältigen kann, bitte Schuhe anziehen. Weiche Böden werden zumeist von Anfang an gut vertragen und auf diesen kann und sollte man auf die Schuhe verzichten.

            Ihren Schilderungen kann ich entnehmen, dass Sie bereits seit langem alles Richtige tun, um Ihre Stute rehefrei zu halten. Insofern stehen die Chancen auch sehr gut, dass die Sanierung der Hufe gelingt. Die bereits eingetretenen Schäden an Hufbein und Lederhäuten lassen sich zwar nicht zurückdrehen, der Hornschuh wird insofern auch zukünftig etwas verändert bleiben, aber er wird dennoch zum schmerzfreien Laufen und Leben tauglich sein.

            Wenn ich Ihnen bei der Suche nach einem kompetenten Kollegen helfen kann, senden Sie mir bitte eine eMail.
            Sie können mich auch gern, wenn Sie das möchten, während der Umstellung weiter auf dem Laufenden halten und ich kann den Kollegen/die Kollegin und das Projekt so gut ich kann aus der Ferne mit betreuen.
            Herzliche Grüße und alles Gute
            Konstanze Rasch

              Daniela
              Mitglied seit 22. 09. 2020

              Liebe Konstanze Rasch,

              vielen Dank für die Antwort, die mich mehr als froh stimmt! Ich hatte doch zwischendurch arge Zweifel - und wer das Managment eines Rehepferdes kennt, weiß, wie belastend es sein kann. Für immer und ewig ist man traumatisiert in Bezug auf ein lahmendes Pferd. Umso wichtiger ist Ihre verfügbare Literatur, die mir in schweren Zeiten geholfen hat, den richtigen Weg einzuschlagen. Ihre Arbeit in Verbindung mit dem DHG e.V. ist sehr wertvoll!

              Eine Mail über das Kontaktformular ist an Sie unterwegs.

              Beste Grüße
              Daniela

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