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Bitte um Beurteilung

Kerstin
Mitglied seit 26. 07. 2020

Sehr geehrte Frau Dr. Rasch und liebes Team,
ich wollte fragen, ob Sie mir die Hufe unseren zweiten Pferdes beurteilen könnten. Er trägt Duplos, da er ein diagnostiziertes (MRT) Hufrollensyndrom hat. Vor etwa einem dreiviertel Jahr hatte unser ehemaliger Schmied ihn leider viel zu kurz bearbeitet und er hatte daraufhin laut Meinung des neuen Schmiedes eine Belastungsrehe. Sorgen bereiten uns auch die hinteren Hufe, da diese seitlich "Flügel" bilden.
Vielen Dank und liebe Grüße!

    Kerstin
    Mitglied seit 26. 07. 2020

    Das sind die vorderen Hufe.

      cmaeusezahl
      Mitglied seit 23. 10. 2014
      DHG-Huforthopäde/-in

      Liebe Kerstin,
      bitte geben Sie weitere Infos zum Pferd (Alter, Nutzung, Diagnose Hufrollensyndrom seit wann) und zu den Hufen (in welchen Abständen werden sie bearbeitet), damit wir noch konkretere Aussagen treffen können.
      Zu den beiliegenden Fotos: die Zehen der Hinterhufe sind konvex und stark abgenutzt, was wiederum die Seitenwände überlastet und dazu bringt zu flügeln. Die Trachten sind allerdings auch deutlich untergezogen. Wurden Erkrankungen im Rücken und/oder Sprunggelenk ausgeschlossen? Sohlenseitig fallen die Eckstreben auf, welche sich bereits auf die Sohle umlegen und so ein Heim für Dreck und Fäulnis bilden. Die Blättchenschicht ist in den Bereichen wo die Wand hebelt aufgeweitet, dort sammeln sich Dreck und Steinchen.
      Die Vorderhufe wirken ziemlich flach und hyperextensiert auf mich, mit untergeschobenen Trachten, stark beigeraspelter Zehenwand und Horndefekten im Bereich der Nagellöcher. Hat das Pferd auf den Vorderhufen Strahlfäule?
      Viele Grüße,
      Carina Mäusezahl

        Kerstin
        Mitglied seit 26. 07. 2020

        Guten Morgen,
        vielen Dank für die ausführliche Antwort! Könnten Sie mir raten, wie wir seine Situation verbessern können?
        Er ist ein 8 jähriger Quarter, er wird klassisch gearbeitet. Das Hufrollensyndrom wurde Anfang 2019 diagnostiziert. Er hat beidseits eine beginnende Strahlbeinzerklüftung. Seither trägt er Duplos. Er ist lahmfrei, jedoch bereitet uns Sorgen, dass er seine Hinterbeine schleift. Daher kommt es zum vermehrten Zehenabrieb. Vermuten Sie dahinter ein Problem des Sprunggelenkes? Der Rücken wird regelmäßig überprüft durch unseren Chiropraktiker.
        Die Intervalle liegen zwischen 7-8 Wochen, aufgrund unseren Hufschmiedes.
        Vielen Dank und beste Grüße

          cmaeusezahl
          Mitglied seit 23. 10. 2014
          DHG-Huforthopäde/-in

          Hallo Kerstin,
          wenn so junge Pferde einen Hufrollenbefund diagnostiziert bekommen (ging das Pferd 2019 lahm oder wie kam es zu dieser Diagnose?) und ihre Hufe so unphysiologisch abnutzen, sollte man immer auch weiter oben schauen ob es dort zusätzliche Baustellen gibt. Haben Sie Röntgenbilder und können diese hier einstellen? Das wäre für andere mitlesende Pferdebesitzer sicherlich interessant.
          Dass Sie mit einem Chiropraktiker zusammen arbeiten ist positiv. Dieser sollte auch beurteilen können ob es Probleme im Sprunggelenk, Becken oder anderswo gibt und ob das schlurfende Laufverhalten daher rühren kann. Weiterhin wäre zu prüfen, ob die Zähne in Ordnung sind und der Sattel gut passt.
          An den Hufen selbst wären mir die Intervalle von 7-8 Wochen zu lang. Wenn Sie bedenken, dass ein Huf im Monat durchschnittlich 1cm wächst und unter den Beschlägen etwa 2 Monate lang keinen Abrieb erfährt, erklärt sich, dass die flache Stellung der Vorderhufe so schwer bis gar nicht zu korrigieren ist bzw. langfristig eher noch flacher werden wird. Das wiederum belastet den Hufrollenkomplex zusätzlich und zieht weitere Kreise im restlichen Pferdekörper (Stichwort Trageerschöpfung). Zu lang gewordene flache Hufe setzen nicht nur die tiefe Beugesehne unter Zug, sie können das Voranschreiten der degenerativen Prozesse im Hufrollenkomplex auch beschleunigen. Häufig werden solche Pferde im weiteren Verlauf auf Keile gestellt, was langfristig leider das noch-länger-werden der Zehen und völlige Kollabieren der Trachten zur Folge hat. Zusammen mit den o.g. negativen Auswirkungen auf den gesamten Bewegungsapparat ist dies nicht sinnvoll.
          Könnten Sie nicht wenigstens über den Winter mit Beschlagspausen arbeiten und die Hufe in kurzen Abständen (4-5 Wochen) sanieren? Am Barhuf gelingt das sehr gut und hat nachhaltig positive Effekte auf die Funktionstüchtigkeit der Gliedmaßen. Die Verwendung von Hufschuhen ist häufig eine gute Alternative.
          Bei den Hinterhufen wäre wichtig, dass die Ursache des Schlurfens abgestellt oder zumindest minimiert wird. Die Zehe ist der anatomisch dickste Teil der Hornwand und gerade am Hinterhuf ist diese wichtig für die Kraftübertragung und kraftsparendes Laufen (Spannsägenkonstruktion). Ist die Zehe so dünn und damit nicht wirklich tragfähig, benötigt das Pferd immer mehr Muskelkraft um sich fortzubewegen. Die Eckstreben sollten zielführender zurück gearbeitet werden damit die Trachtenregion wieder besser Last aufnehmen kann und die wegflügelnden Seitenwände müssen wieder steiler gestellt und ins Tragen gebracht werden. Huforthopädisch gelingt das zuverlässig, jedoch ist die hier aktuell dünne verbogene Zehe ein Hemmnis.
          Wo sind Sie denn zu Hause? Ist in unserem Register jemand aus dem Kollegenkreis in Ihrer Nähe?
          Viele Grüße,
          Carina Mäusezahl

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