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Drehung des Hinterhufes

Tabea
Mitglied seit 08. 01. 2019

Hallo!
Ich verfasse meine VWA (wissenschaftliche Arbeit für die Matura) über die Drehung des Hinterhufes meines Pferdes. Mir wurde gesagt, dass ich mich mit meinen Fragen eventuell an Sie wenden könnte.
Und zwar bräuchte ich einige Fachliteratur zu diesem Thema. Leider kann ich nichts im Internet ausfindig machen. Sie sollte sich mit den Auswirkungen und der "Krankheit" selbst beschäftigen, wenn möglich vielleicht sogar Übungen zur Verbesserung.
Weiters wollte ich noch fragen, ob Sie wissen aus welchem Gelenk diese Drehung kommt. Einige meinen, dass der Huf dreht andere sagen, dass der Fuß aus dem Fesselgelenk herausdreht.
Mir ist klar, dass eine Ferndiagnose hiervon schwer ist. Aber vielleicht hätten Sie ja eine Ahnung woher dieses drehen kommt, da diese Drehung ja nicht sehr unüblich bei Pferden ist.
Vielen Dank im Voraus!

    cmaeusezahl
    Mitglied seit 23. 10. 2014
    DHG-Huforthopäde/-in

    Hallo Tabea,
    da haben Sie sich ein spannendes und sehr komplexes Thema für Ihre Arbeit ausgesucht. Ich kenne mich mit den Anforderungen und dem Umfang einer solchen Arbeit leider nicht aus (Sie kommen aus Österreich, nehme ich an?), vielleicht können Sie ganz kurz darauf eingehen.
    Für Ihre Recherche können Sie die gängigen veterinärmedizinischen Publikationsdatenbanken der vet.-med. Universitäten (in Deutschland sind das Hannover, Leipzig, Berlin, München, Gießen) und den Onlinekatalog der Deutschen Zentralbibliothek heranziehen. Meist gibt es dort relativ schnell eine Antwort auf Anfragen per E-Mail. Auch gibt es wissenschaftliche Suchmaschinen wie PubMed. Gerade zu hufspezifischen Themen ist es allerdings oft eine Herausforderung aktuelle Literatur zu finden.
    Ohne Ihr Pferd zu kennen ist es schwierig dazu eine Aussage zu treffen. Hier spielen viele Aspekte eine Rolle, bspw. dreht es mit beiden Hinterbeinen oder nur mit einem, auf bestimmten Untergründen stärker oder schwächer, bestehen Vorerkrankungen des Bewegungsapparats, gibt es Fehlstellungen die kompensiert werden müssen, usw.
    Wenn Sie mögen, stellen Sie gern Huffotos, Ganzkörperbilder und Ansichten der Hinterbeine seitlich, von vorn und hinten ein. Dann könnte man die Knochenachse und die aktuelle Hufsituation Ihres Pferdes analysieren.
    Die Frage "was genau dreht" lässt sich pauschal nicht beantworten. Es kommt sehr darauf an, wie die Stellung des Pferdes ist. Diese beeinflusst den Bewegungsablauf und das Fußungsverhalten. Pferde können mit dem Huf auf dem Boden drehen, das Fesselgelenk oder das Sprunggelenk (meist) nach außen drehen oder auch eine Kombination aus all diesen Dingen zeigen. Die langfristige Folge ist eine einseitige Mehrbelastung von Gelenken und entsprechender Verschleiß, also Arthrose. Daher sollte man die Ursache solcher Probleme suchen und wenn möglich abstellen. Dafür gibt es natürlich Grenzen. Bei Fohlen lassen sich viele Dinge noch korrigieren, am erwachsenen Pferd muss man oft mit Fehlstellungen leben und sozusagen mit dem arbeiten was man hat. Gut gemeinte Korrekturen (häufig einseitig vorgenommen) an schiefen Knochenachsen bergen ein hohes Schadenspotential.
    Im Allgemeinen liegt ein Drehen häufig in der Hufbearbeitung begründet und kann mit vorausschauender, dem Bewegungsablauf des Pferdes angepasster Bearbeitung und ggf. unterstützenden physiotherapeutischen Maßnahmen gemildert oder abgestellt werden. Gute Gymnastizierung und kluger Muskelaufbau z.B. mit klassischer Handarbeit unterstützen die Gesunderhaltung des Pferdes.
    Ich hoffe, diese Informationen helfen Ihnen etwas weiter und wünsche Ihnen viel Erfolg für Ihre Arbeit.
    Viele Grüße!

      aarnold
      Mitglied seit 28. 01. 2014
      DHG-Huforthopäde/-in

      Hallo Tabea,
      der Gelenkaufbau im Sprunggelenk, aber auch im Kniegelenk, ist ohnehin so ausgelegt, dass immer eine leichte Drehbewegung (meist nach innen) erfolgt. Das können Sie sehr gut nachvollziehen wenn sie sich die Bilder zum Sprunggelenk auf unseren Seiten der Präparier Werkstatt ansehen. Schon der Rollkamm im großen Sprunggelenk läuft schräg, es kommt also bei der Beugung und Streckung in diesem Gelenk immer zu einer leichten Drehbewegung.
      Da aber auch die Rollkämme der anderen Gelenke nicht gerade verlaufen und es normal ist dass auch hier eine Asymmetrie vorliegt, kommt es im günstigen Fall zu einer Aufhebung der Drehrichtungen und das Bein bleibt ohne Rotation auf den Huf. Wichtig dabei ist dass die Bänder sowie die Sehnen, damit auch die Muskulatur, die Gelenke stabilisieren. Bei Ermüdungserscheinungen der Muskulatur kommt es daher häufig zu verstärkten Drehbewegungen auch bei Pferden die das normalerweise nicht zeigen. Ein griffiger Boden unterstützt hier ebenfalls. Auf Boden mit wenig Haftung, z.B. Sand oder auch matschiger Boden wirken auf den Huf weniger Adhäsionskräfte sodass die Muskulatur sowie die Sehnen und Bänder mehr leisten müssen um das Bein zu stabilisieren.
      Ein weiter Aspekt ist die Drehbewegung die aus dem Huf heraus kommt. Verschiedene unphysiologische Hufzustände veranlassen das Pferd den Huf z.B. beim Abfussen zu Drehen um "ein unbequemes Hindernis" , z.B. eine zu lange Zehe, wegzudrehen um diese nicht belasten zu müssen. Aber auch eine zu kurze Zehe kann eine Drehbewegung provozieren, da dann die von Huf ausgehende Stabilisierung auf die Gelenke geringer ist.
      Liebe Grüße Astrid Arnold (Leitung der Präparier Werkstatt)

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