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Hufrehe - Röntgen zeigt Besserung, Gangbild aber unverändert schlecht

mriedesel
Mitglied seit 16. 11. 2015

Hallo zusammen!
Ich habe ein ca. 20 jähriges Pony mit Hufrehe. Und so langsam verzweifle ich :(
ca. vor 5 Jahren hatte sie den ersten Schub...es war dann mal wieder gut, aber es hat immer wiederkehrende Schübe gegeben. Blut und Röntgen Kontrolle sind erfolgt und ein Rehebeschlag konnte für eine kurzzeitige Beschwerdefreiheit sorgen. Eine Röntgen Kontrolle nach ca. einem Jahr zeigte eine deutliche Besserung. Das Gangbild sagte aber was anderes, deshalb waren wir überrascht dass der Rö Befund soviel besser als der vorige war.
Bin nun durch Zufall auf diese Internetseite gestoßen in der Hoffnung das hier meinem Pony geholfen werden kann oder ich nützliche Tipps erhalte.
Liebe Grüße Melanie

    csulzbach
    Mitglied seit 07. 04. 2014
    DHG-Huforthopäde/-in

    Hallo Melanie,

    um Ihnen hier konkrete Hinweise oder Tipps geben zu können, bräuchten wir hier Fotos und gern auch Röntgenbilder der Hufe Ihres Ponys (vgl. hier die [url=http://dhgev.de/dhg-forum/huffotos-erstellen]Fotoanleitung[/url]).

    Einen allgemeinen Tipp kann ich Ihnen so nur in Form einer Literaturempfehlung geben: Besorgen Sie sich einmal das Buch "Diagnose Hufrehe" von Konstanze Rasch.
    Das Buch bietet Hilfestellung dabei, überhaupt erst einmal die Fragen zu finden, die Sie (sich und anderen) stellen müssten, um herauszufinden, warum Ihr Pony an Rehe erkrankt sein könnte, warum die Schübe immer wiederkommen (Stoffwechselerkrankungen? Haltungs-/Fütterungsfehler? Hufsituation selbst?) und in welchem Zustand sich die Hufe befinden. Zur Einschätzung der Hufe können Sie hier im Forum gern Hilfe bekommen, das geht halt nur mit oben erwähnten Bildern.

    Wenn Sie entsprechende Ursachenforschung betrieben haben, werden Sie im Buch reichlich Hinweise finden, wie diese Ursachen geziehlt angehen können, um erneute Reheschübe zu vermeiden und die Hufsituation zu verbessern.

    Ich hoffe, das hilft erstmal weiter.
    Schöne Grüße!

      mriedesel
      Mitglied seit 16. 11. 2015

      Hier die Röntgenbilder von meinem Pony

      img_4173.jpg (716,53 KiB)
      img_4174.jpg (767,58 KiB)
      img_4175.jpg (783,81 KiB)
      img_4176.jpg (754,82 KiB)
        csulzbach
        Mitglied seit 07. 04. 2014
        DHG-Huforthopäde/-in

        Hallo Melanie,
        danke für die Röntgenbilder, Fotos der Hufe von außen wären jedoch immer noch notwendig, um die Hufsituation besser erkennen und erklären zu können!

        Wie Sie selbst sagen, sehen die späteren Röntgenbilder -ganz allgemein betrachtet- besser aus, als die ersten. Die Knochensäulen Hufbein-Kronbein-Fesselbein sehen wieder gerader aus und der Winkel zwischen Zehenwand und Hufbein ist kleiner geworden. Die Divergenz, also das "Auseinanderdriften" von Hufwand(dem Horn) zum Hufbein ist aber auch noch nicht ganz verschwunden. Bei einem gesunden Huf sollten beide parallel zueinander und dichter zusammen liegen. Allein daran erkennen Sie schon, dass die Hufe noch nicht wieder einen richtig gesunden Zustand wiedererlangt haben. Das dürfte Ihnen vermutlich soweit bekannt oder erläutert worden sein.

        Ich vergleiche die "Befestigung" des Hufbeines im Hornschuh mal mit einem Klettverschluss, um der Vorstellungskraft etwas unter die Arme zu greifen. Stellen Sie sich vor, das Hufbein ist von innen fest an den Hornschuh geklettet (der Vergleich hinkt, weil die Hufwand ja am Hufbein vorbei wächst, also wäre es ein Klettverschluss mit Kriechbewegung, aber ignorieren wir das für den Moment, um es einfacher zu machen).

        Bei einer Hufrehe erkrankt gewissermaßen dieser Klettverschluss. Stellen Sie sich vor, die Häkchen werden in die Länge gezogen und verlieren irgendwann den Kontakt zur anderen Seite. Wenn das -je nach Schwere der Erkrankung- in ausreichendem Maße passiert, kann das Hufbein durch den Zug der tiefen Beugesehne, die an der Unterseite des Hufbeines befestigt ist, von der Wand weggezogen werden und es entsteht das Bild von den früheren Röntgenbildern: die Spitze des Hufbeines liegt nicht mehr in der Verlängerung der Fesselachse, sondern zeigt weiter nach unten. Die Hornwand wird nicht mehr durch den satten Klettverbund am Hufbein gehalten und verbiegt unter der Gewichtslast des Pferdes vom Knochen weg. Der Huf versucht, den Defekt zu reparieren und bildet Narbenhorn, um die Lücke zwischen den "Klettbändern" zu schließen. So entsteht, vereinfacht gesagt, die Situation mit dem Winkel zwischen Hufwand und Hufbein (auf dem Röntgenbild mit "Rotation" bezeichnet).

        Solange die Hornwand aber nicht wieder dicht am Hufbein herunterwächst, ist der "Klettverbund" geschwächt und das kann dem Pferd Unbehagen bereiten.
        Deshalb wäre es sehr wichtig, durch die Hufbearbeitung zu erreichen, dass der Winkel zwischen Hornwand und Hufbein immer kleiner wird, bis er (idealerweise, leider nicht immer ganz) verschwindet. Dabei Achtung: Von außen eine Parallele zum Hufbein Raspeln wäre nur eine kosmetische Maßnahme, die zudem die Hornkapsel schwächt; der Verbund muss von innen wachsen! Es muss also erreicht werden, dass die Hornwand wieder normal am Hufbein herunterwachsen kann.

        Lange Rede, kurzer Sinn: Für Sie wäre es wichtig, weitere Reheschübe unbedingt zu vermeiden, da diese den Klettverschluss jedes Mal wieder schwächen.
        Denn sonst hat die Hufbearbeitung keine gute Chance, die Situation endgültig zu lösen.

        Schöne Grüße!

        PS: Möglicherweise gibt es aber infolge der Krankheitsgeschichten auch noch mehr "Baustellen" an ihrem Pferd. Durch die Schmerzen nehmen die Pferde oft Schonhaltungen ein, die zu Muskelverspannungen und Blockaden führen und sich dadurch ebenfalls auf das Laufbild auswirken können. Kontaktieren Sie daher ruhig mal einen Physiotherapeuten für Ihr Pferd und gönnen Sie dem restlichen Bewegungsapparat auch eine "Wartung".

          csulzbach
          Mitglied seit 07. 04. 2014
          DHG-Huforthopäde/-in

          Nochmal PS:
          Wenn man den geschädigten Klettverschluss, um bei diesem Bild zu bleiben, zu früh wieder zu stark belastet, läuft man ebenso Gefahr, ihn wieder zu schädigen. Daher Vorsicht mit reiterlicher/sonstiger Nutzung des Ponys!

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