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Kein tragender Strahl

Born658
Mitglied seit 07. 11. 2021

Hallo liebes Forum,

Seit kurzem beschäftigen mich die Hinterhufen von meinem Pflegepferd, da sich um den Strahl dieser Rand gebildet hat.
Besonders deutlich wurde es nach dem letzten Hufschmiedtermin am 15.11.2021. Der Hufschmied meinte das wäre nichts besonderes und es liegt an seinem Huf. Dennoch habe ich mich mal im Internet belesen und da stand, dass sich so ein Rand bildet, wenn der Strahl nicht tragfähig ist. Was bedeutet das genau?

Bei meinem Pflegepferd werden erst seit diesem Jahr wieder regelmäßig aller 8 Wochen die Hufe bearbeitet und verschnitten. Muss sich der Huf vielleicht erst noch dran gewöhnen das er regelmäßig bearbeitet wird? Ich hoffe der Rand ist auf den Hufen zu erkennen. Nur die Hinterhufen haben diesen Rand aber nicht die Vorderhufen.

Angaben zum Pferd:
Alter 19 Jahre
Rasse Sächsische Reitpferd
Haltung: am Tag auf die Koppel und in der Nacht in der Box
Arbeit: 4-5 Tage die Woche

Hinweis: Das zweite und das dritte Bild sind die Hinterhufen.

Vielen Dank für eure Hilfe

Liebe Grüße
Antonia

    npolitz
    Mitglied seit 26. 02. 2016
    DHG-Huforthopäde/-in

    Hallo Antonia,

    das was Du als "Rand" rund um den Strahl bezeichnest, besteht in Deinem Fall aus zwei verschiedenen Hornen.  Zum Einen sind das die Eckstreben (grün), diese bestehen aus Wandhorn und stabilisieren den hinteren Hufbereich und gehören da so hin. Der restliche "Rand" (blau) besteht aus Sohlenhorn.
    Dass rund um die Strahlfurchen mehr Sohlenhorn zu sehen ist als an anderen Bereichen der Sohlenflächen kann zwei Gründe haben. Entweder, es ist

    A: in diesem Bereich verstärkt Horn produziert worden
    oder
    B: das Sohlenhorn ist in diesem Bereich nicht so schnell vom Boden abgerieben worden, wie an den anderen Sohlenbereichen, z.B. weil dieser Bereich etwas tiefer im Sohlengewölbe liegt und Dein Pflegepferd nicht auf Böden unterwegs ist, die diesen Bereich des Hufes abschmirgeln.

    Um Deine Frage zu beantworten, "was bedeutet es, wenn der Strahl nicht tragfähig ist", komme ich noch einmal auf A zurück.

    Das Sohlenhorn wird auf der Sohlenlederhaut gebildet. Je mehr Reize diese Lederhaut erfährt, um so mehr Horn produziert sie.
    Hat ein Pferd einen dicken, kräftigen Strahl, dann dämpft und polstert dieser den Auftritt des Pferdes. Die Sohle bekommt dabei dann etwas weniger Druck ab, als bei einem Huf mit einem schmalen, flachen Strahl, der den Auftritt weniger stark oder auch gar nicht abfedern kann. Und wenn die Sohle mehr Druck bekommt, weil der Strahl nicht wirklich mittragen kann, weil er "zu flach" oder krank ist (z.b. Strahlfäule) dann wird sie daraufhin mehr Horn produzieren.
    Ob das bei Deinem Pflegepferd hier aber so punktuell der Fall ist, mag ich anhand der zwei Fotos nicht beurteilen.
    Die Strahle sehen gesund aus (ist ein Pflegemittel darauf? Sie sind so braun...) und nicht jeder Huf erreicht das Ideal des kräftig mittragenden Strahls. Das geht bei manchen Hufformen schon rein anatomisch nicht.

    Das Mehr an Horn rund um die Strahlfurchen kann dem Huf aber durchaus mehr Stabilität geben und für das Pferd kann es angenehmer sein, wenn man ihm dieses Horn als zusätzliche Stabilität und Schutz da lässt und es nicht wegschneidet.
    Lässt der Schmied es denn da oder schneidet er es weg, wenn er zum Bearbeiten kommt?

    Und die zweite Frage, "muss das Pferd sich an die regelmäßige Hufpflege gewöhnen":

    Im besten Fall sollte die Hufpflege so engmaschig stattfinden, dass die Hufe für das Pferd immer möglichst bequem sind und in ihrer bestmöglichen Form bleiben können. Werden Hufe zu lange nicht gepflegt, dann kann es irgendwo drücken,  ziehen oder unangenehm hebeln und insgesamt kann der Huf unbequemer werden. Wird der Huf bei der Hufpflege dann allerdings "zu kurz" gemacht, damit man bis zum nächsten Termin 2,3 Wochen einsparen kann, dann ist dies auch nicht zielführend und wiederum unangenehm für das Pferd. Der Huf sollte für das Pferd also nach der Bearbeitung mindestens genauso bequem wie vorher sein oder noch bequemer. Und der nächste Termin sollte stattfinden, bevor der Huf zu lang oder zu schief wird, einreißt oder ausbricht und dadurch unbequemer wird.
    Wird dies so gehandhabt, müssen sich Pferd und Huf an nichts gewöhnen.

    Wird aber beispielsweise zu viel Material weggenommen, dann kann es sein, dass die Sohle in der folgenden Zeit verstärkten Bodenkontakt hat und dort dann auch an bestimmten Bereichen mehr Horn produziert wird.

    Es gibt also keine eindeutige Antwort auf Deine Fragen. Schlimm ist dieses Mehr an Horn dort jedenfalls nicht. Dennoch kannst Du ja mal beobachten ob, wann und wie sich der Huf zukünftig verändert.

    Läuft das Pferd denn fühliger nach der Hufbearbeitung oder ist da alles unauffällig?

    Liebe Grüße 
    Nadja Politz

      Borni
      Mitglied seit 24. 08. 2019

      Hallo Nadja

      Vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht. Ich konnte wieder viel dazu lernen bezüglich der Hufpflege. Ich wünschte mein Hufschmied würde es manchmal auch so gut erklären.

      Ich habe die Hufe gewaschen bevor ich die Bilder gemacht habe, vielleicht sieht der Strahl deshalb so braun aus.

      Der Hufschmied schneidet diesen "Rand" nicht weg. Mir ist es nur nach der letzten Bearbeitung sehr aufgefallen, dass dieser Rand bei den Hinterhufen da ist.

      Also ca. 4 bis 5 Tage nach der Bearbeitung läuft er sehr fühlig, danach ist es nicht mehr so schlimm.
      Ich muss aber auch sagen, das wir keine besonderes schönen Reitwege hier in der Umgebung haben. Die sind immer sehr hart oder es liegen viele kleine bis mittel große Steine auf dem Weg und das findet er überhaupt nicht toll. Dabei ist es egal, ob der Huf frisch bearbeitet wurde oder schon 2/3 Wochen vergangen sind.

      Mit wurde empfohlen, den Huf, mit Keralit zu pflegen damit diese leichte Fühligkeit weg geht. Aber ich bin noch unsicher, ob das wirklich was bringt.

      Der Hufschmied kommt aller 8 Wochen ( nur feilen ) aber schneidet nur aller 16 Wochen aus damit die Hufen nicht zu kurz werden.

      Liebe Grüße
      Antonia Born

        npolitz
        Mitglied seit 26. 02. 2016
        DHG-Huforthopäde/-in

        Die Hufe Deines Pflegepferdes haben aber auch ein vergleichsweise flaches Sohlengewölbe. So sind sie geformt, das kann man nicht anders hinarbeiten oder hintrainieren. Steinchen und Unebenheiten drücken also stärker und schneller auf die Sohle, als bei einem Huf mit ausgeprägtem Sohlengewölbe.

        Der Keralit Huffestiger trocknet das Horn aus und soll dadurch für mehr Festigkeit und weniger Fühligkeit sorgen. Ich habe noch nicht erlebt, dass das mal wirklich gut funktioniert hat und ein Pferd damit deutlich unfühliger wurde. Da würde ich Euch eher zu leichten Hufschuhen raten, die ihr fürs Ausreiten anzieht. Denn ansonsten hat das Pferd ja gute Hufe und kommt gut barhuf klar.

        Liebe Grüße :-)

          Borni
          Mitglied seit 24. 08. 2019

          Liebe Nadja

          Vielen Dank für deine Tipps. Ich fühle mich nun wirklich sehr gut informiert und werde gleich mal nach ein paar Hufschuhen schauen.

          Liebe Grüße
          Antonia

            npolitz
            Mitglied seit 26. 02. 2016
            DHG-Huforthopäde/-in

            Liebe Antonia,

            es gibt ja mittlerweile wirklich sehr viele Hufschuhe. Am allerbesten ist es, wenn man einen Hufschuhberater auf den Hof holen kann, der die am besten sitzenden Schuhe heraussuchen kann und direkt erklärt, auf was man so achten muss. Wenn man in seiner Umgebung niemanden findet - ich habe auch schon viel Gutes von http://www.hufschuhe-coach.com gehört. Die beraten wohl auch recht gut. Allein anhand der Maße: Länge und Breite des Hufes findet man nicht immer gleich wirklich gut sitzende Schuhe, weil die dreidimensionale Form der Hornkapsel halt nicht mit einbezogen wird.
            Dann gibt es auch noch Unterschiede im verwendeten Material, wie stabil oder flexibel die Schuhsohlen sind und wie die Schuhe angebracht werden. Da kann Beratung sehr hilfreich sein.

            Viel Erfolg beim Aussuchen :-)

            Liebe Grüße
            Nadja

              Borni
              Mitglied seit 24. 08. 2019

              Liebe Nadja

              Vielen Dank, da werde ich mich mal schlau machen, ob es in meiner Umgebung jemanden gibt, der mich da beraten kann.

              Liebe Grüße
              Antonia

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