Zum Hauptinhalt springen

Lahmheit - Hufbeinabsenkung? /Crena - was ist die Ursache?

sbstopka
Mitglied seit 18. 08. 2020

Hallo,
Mein Pferd Degas ist ein englisches Vollblut, 13 Jahre, seit fast 10 Jahren barhuf. Lebt in Italien (Livorno) in einem kleinen Offenstall bei mir zuhause mit einem anderen Pferd und einem Esel. Gemischte Bodenverhältnisse, Lehm (hart im Sommer und etwas rutschig aber nicht tief im Winter), Schotter (mittlereweile alles mit altem Heu abgedeckt) und eine Grasfläche. Pferde werden nicht geritten machen aber täglich 2-3 Stunden Spaziergänge mit Freiauslauf. Heu 24/7, Netze, auf dem Boden verteilt und in einer überdachten Heuraufe, circa 300 g Hafer 1x am Tag.
Degas hatte im Dezember 2019 VL einen Hufabszess, der am Kronrand ausgetreten ist. Im Januar hat sich die alte Sohle abgelöst. Nach einigen Monaten kam es zu einer kurzen Lahmheit wieder VL, die jedoch nach kurzer Zeit wieder verschwand. Ende July war er dann wieder VL lahm. Anfang August hat der Tierarzt Röntgenaufnahmen gemacht. Rat des Tierarztes war, das Pferd beschlagen zu lassen. Was ihm am meisten Sorgen macht, ist die Kerbe an der Hufbeinspitze.
Ich würde gerne wissen, was genau diese dunklen Bereiche auf dem Röntgenbils sind. Zwischen Hufbein und Zehenwand an der unteren Hälfte gibt es einen Hohlraum? Wird der wieder zuwachsen?
Die Fotos sind circa 3 Wochen nach den Röntgenaufnahmen entstanden.
Vielen Dank im Voraus

Sibylle

VL Sohle.jpg (1,85 MiB)
    cmaeusezahl
    Mitglied seit 23. 10. 2014
    DHG-Huforthopäde/-in

    Wegen der besseren Übersicht hier die Zusammenführung der beiden Threads von Sibylle:

    Erster Beitrag vom 22. 08. 2020, 9:05
    Sibylle

    Guten Tag,
    ich schreibe Ihnen aus Italien, wo ich mit mit meinem Pferd, einem englischen Vollblut, lebe. Ich habe soeben den Artikel "Das Potential des Barhufes bei der Sanierung von Hufreheschäden" von Frau Dr. Konstanze Rasch gelesen. Ich bin auf diesen Artikel gestoßen, da ich händeringend nach Information suche, wie ich meinem Pferd ohne ortopädischen Beschlag helfen kann. Deshalb würde ich gerne wissen, ob sie auch Beratung auf der Basis von Röntgeraufnahmen, Fotos und Videos machen. Mir wäre es erstmal wichtig zu wissen, in welche "Schwerekategorie" mein Pferd einzustufen ist.
    Ich gebe Ihnen kurz einige Informationen über die Lebensumstände. Pferd: engl. Vollblut, 13 Jahre, seit 10 Jahren barhuf Problem: Lahmheit VL (Dezember 2019 Hufabszess, dann normales Laufen, Anfang August wieder leichte Lahmheit, die sich aber wieder verbessert hat. Behandlung: Röntgenbilder, Tierarzt empfiehlt Beschlag, ich habe erstmal die Hebelwirkung an der Zehe genommen, wonach er besser lief. Hubearbeitung: selber Ort: Toskana/Italien Klima: Sommer heiß und trocken, Winter selten unter null Grad, teils trocken und regenrisch Boden im Paddock (Paradise mit einem anderen Pferd und 1 Esel): gemischt - Lehm, Schotter, mit altem Heu bedeckter Boden, kleine integrierte Hügel Füterung: Heu ad Libitum, 300g Hafer Nutzung: alle drei nicht geritten, Spaziergänge alle zusammen mit Freiauslauf, da es die weite Landschaft erlaubt. Böden: Schotterwege mit Grasrand, Felder mit Lehmboden.
    Ich hoffe Sie können mir weiterhelfen, da ich hier in Italien niemanden finde, die oder der mir konkret sagen kann, was ich tun muss, um dem Pferd zu helfen.
    Mit freundlichen Grüßen, Sibylle

      cmaeusezahl
      Mitglied seit 23. 10. 2014
      DHG-Huforthopäde/-in

      23.08.2020, 22:56
      Carina Mäusezahl

      Hallo Sibylle,
      gern können Sie hier Huffotos und Röntgenbilder einstellen, die die aktuelle Situation ihres Pferdes veranschaulichen, dann kann man alles besser beurteilen.
      Ist der Hufabszess vollständig ausgeheilt und die Abszesshöhle in der Zwischenzeit herunter gewachsen? Bearbeiten Sie die Hufe immer selbst? Ist die leichte Lahmheit gleichbleibend oder auf verschiedenen Böden, auf der Geraden oder in der Wendung unterschiedlich stark ausgeprägt?
      Viele Grüße,
      Carina

        cmaeusezahl
        Mitglied seit 23. 10. 2014
        DHG-Huforthopäde/-in

        08.09.2020, 10:08
        Sibylle

        Vielen Dank für die Antwort. Ich hatte nicht gesehen, dass meine Frage im Forum angekommen ist. Darum habe ich einen neuen Thread mit Fotos eingestellt.
        Zu ihrer Frage. Die Lahmheit ist nicht gleichbleibend. Auf harten und unebenen Böden ist sie stärker. Mit Hufschuhen geht er fast normal im Schritt. Traben und galoppieren tut er nur auf weichen Böden mit der entsperchenden Motivation ( Kumpel trabt/galoppiert beim Spaziergang).
        Der Boden des Padocks ist unterschiedlich gestaltet (Lehm, Schotter, Grasfläche). Ich habe die Schotterwege erstmal mit altem Heu und Stroh abgedeckt, so dass er mehr motiviert ist sich im Paddock ohne Schmerzen zu bewegen. Ich mache mit ihm und seine Kumpels täglich Spaziergänge, warte aber erst, ob er Lust hat und sich danach fühlt. Mit der Zeit geht er dann auch besser.
        Seit einiger Zeit knackst es auch in einem Gelenk im Hinterbein rechts (meine ich jedenfalls dort zu orten). Er wird nicht geritten oder anderweitig beansprucht, hat jedoch durch die Spaziergänge (meisten frei) viel Bewegung.

        Viele Grüße Sibylle

          cmaeusezahl
          Mitglied seit 23. 10. 2014
          DHG-Huforthopäde/-in

          08.09.2020, 10:33
          Sibylle

          Ich habe bisher die unterschiedlichsten Diagnosen/Vermutungen von den verschiedensten Experten (Tierärzte und Hufbearbeiter) bekommen:
          1. Hufbeinabsenkung
          2. Hornsäule
          3. Abszess
          4. Hohle Wand/Gas pocket
          5. Osteitis des margo solaris
          6. Podotrochlose
          7. Dünne Sohle
          8. Zu viel Material an der Sohle
          9. Zu steiler winkel des Hufbeins

            cmaeusezahl
            Mitglied seit 23. 10. 2014
            DHG-Huforthopäde/-in

            Hallo Sibylle,
            danke für die Fotos und die Rötgenbilder. Dort erkennt man, dass der Hufbeinrand nicht gesund aussieht (aufgerauhte Struktur, Aus- und Einziehung) und die alte Abszesshöhle wahrscheinlich immer noch infiziert ist bzw. sich dort vielleicht eine Hornsäule gebildet hat. Zur Hufbearbeitung ist zu sagen, dass das Wegraspeln des Tragrands bei einer solchen Vorgeschichte besonders ungünstig ist, die Hufe sehen sehr kurz aus und die Sohle, die eigentlich nicht zum Tragen gedacht ist, muss das ganze Pferdegewicht aushalten. Das erklärt auch, dass das Pferd weichen Boden sucht und mit Hufschuhen besser läuft, weil damit seine empfindlichen Sohlen geschützt werden. Man sieht in der Blättchenschicht in der Zehe eine schwarze Stelle, hier vermute ich den Kanal wo die Fäulnis nach oben zieht. Haben Sie bzw. ihr Tierarzt oder Hufbearbeiter schon versucht, hier zu sondieren um die Keime zu bekämpfen? Hufbäder mit milden keimwidrigen Mitteln wären vielleicht auch hilfreich.
            In welchen Abständen werden die Hufe bearbeitet? Hinsichtlich der weiteren Hufbearbeitung sollten Sie darauf achten, dass ein tragfähiger Tragrand entsteht, vor allem im Zehenbereich, um den Hufbeinrand zu schonen. Die stark unterschiebenden Trachten sollten aufgerichtet werden, damit der Huf wieder insgesamt bequemer wird.
            Viele Grüße, Carina

              sbstopka
              Mitglied seit 18. 08. 2020

              Hallo Carina
              vielen Dank für die Antwort. In wie weit kann sich der Huf regenerieren? Welche Hufbäder mit milden keimwidrigen Mitteln empfehelen Sie? Ich werde mit dem Tierarzt über eine Sondierung sprechen.

              M.f.G.

              Sibylle

                cmaeusezahl
                Mitglied seit 23. 10. 2014
                DHG-Huforthopäde/-in

                Hallo Sibylle,
                wenn das Fäulnisgeschehen behandelt und zur Ruhe gebracht wird sollten sich der Huf erholen und die Lahmheit verschwinden. Wo bereits Knochen abgebaut ist wird eine Schwachstelle bleiben, das dort vorhandene Narbenhorn hat eine andere Struktur als gesundes Horn und ist bzw. bleibt einfach anfälliger für Infektionen. Die meisten Pferde mit solchen Hornnarben/Hornsäulen kommen aber gut und schmerzfrei zurecht, man muss das Ganze nur entsprechend im Auge behalten und pflegen.
                Ich verwende für Hufbäder gern anolytische Lösungen wie Belavet (da gibt es inzwischen viele Anbieter im Veterinärbereich, ein Preisvergleich lohnt sich) in einem Krankenhufschuh aus Gummi, täglich für etwa eine Viertelstunde. Auf diese Weise kann man recht sparsam und effektiv arbeiten.
                Viele Grüße, Carina

                  • 1