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steiler Huf

LindaN.
Mitglied seit 02. 06. 2021

Hallo,
für mich als Laie (Bin nur Pferdebesitzer) war der Fachartikel über steile Hufe zu fachmännisch geschrieben. https://www.dhgev.de/hufthemen/steile-hufe-high-low-bockhufe/steile-hufe-und-das-leiden-der-korrektur-problemaufriss-konstanze-rasch/
Ich möchte nicht wissen was viele Schmiede falsch machen, sondern was ich meinem Schmied sagen kann, wie der steile und schmale, linke Vorderhuf bearbeitet werden muss. Worauf er achten muss. Trachten nur mm kürzen? Strahl nur wenig wegnehmen, damit er den Boden irgendwann berührt? Bekommt man den Huf breiter?
Sie sollte Barfuß gehen können. Pferd ist 15 Jahre und kann seit 1/2 Jahr das rechte Vorderbein zum Hufekratzen nicht mehr länger als wenige Sekunden geben. Vermutlich da das Standbein (steiler Huf) schmerzt. Beim Schmied zieht sie neuerdings auch den steilen Huf weg, sobald er klopft. Beim Raspeln und Schneiden ist alles ok. Antraben an der Longe geht auch nicht mehr. Aber vielleicht wegen ihrer Trageerschöpfung u. Zyste im Rücken. Geritten wird sie nicht mehr. Gerne bezahle ich für die Beratung. Dazu hätte ich gerne die Kontaktdaten des Verfassers des Artikels.
Vg Linda

    cmaeusezahl
    Mitglied seit 23. 10. 2014
    DHG-Huforthopäde/-in

    Hallo Linda,
    vielen Dank für Ihre Anfrage.
    Der von Ihnen genannte Fachartikel wurde von Konstanze Rasch verfasst. Ihre Kontaktdaten finden Sie, wenn Sie den Reiter „Huforthopäden“ anklicken.
    In Kürze zusammengefasst erläutert die Autorin in dem o.g. Fachartikel, dass ein steiler Huf oder ein Bockhuf bei einem erwachsenen Pferd akzeptiert werden muss. Zumeist handelt es sich um eine verfestigte körperliche Situation, die meist schon in jungen Jahren erworben wurde und auf die sich die individuellen anatomischen Strukturen eingerichtet haben. Das heißt alle Knochen, Gelenke, Bänder, Sehnen, Muskeln usf. haben sich genau passend zu ihrem steilen Fuß entwickelt und bilden eine optimale Funktionseinheit.
    Mit der wohlmeinenden Idee vieler Fachleute, dass zwei gleiche Hufe doch sicherlich für jedes Pferd viel tauglicher wären, wird der als „zu steil“ empfundene Huf oft lebenslang immer wieder „korrigiert“. Dies führt zu körperlichen Problemen, die sich beispielsweise in solchen Dingen zeigen, wie Sie sie bei Ihrem Pferd beschreiben. Der betreffende Huf wird für das Pferd mit jedem weiteren Korrekturversuch unbequemer. Es entstehen am Huf und letztlich auch an weiteren Strukturen des Körpers Schäden.
    Es gibt keine Pauschal-Behandlung, die für jeden steilen Huf die richtige wäre. Daher können wir an dieser Stelle auch nicht mit den gewünschten „Tipps“ für ihren Schmied dienen. Um einschätzen zu können, was für eine Situation bei Ihrem Pferd vorliegt, senden Sie uns bitte aussagekräftige Huffotos. Nutzen Sie hierfür bitte folgende Anleitung: https://www.dhgev.de/forum/huffoto-anleitung/
    Zum Schluss noch einige Fragen:
    Wie bearbeitet ihr Schmied den steileren Huf denn bisher und in welchen zeitlichen Abständen erfolgt die Bearbeitung? Ist die Symptomatik (nicht gut auf dem schmaleren Huf stehen können) in den Tagen nach der Hufbearbeitung stärker ausgeprägt, als kurz vor einem neuen Termin oder ist diese gleichbleibend?
    Viele Grüße!

      LindaN.
      Mitglied seit 02. 06. 2021

      Vielen lieben Dank für die ausführliche und kostenlose Information! Das ist sehr nett! Genau das ist auch mein Gefühl/Sichtweise. Dass man bei einem Erwachsenem Pferd nichts drastisch verändern sollte.
      Ich hoffe es ist in Ordnung, wenn ich noch ein paar Fragen diesbezüglich habe.
      1) Das heißt, den Huf darf man nicht mal ein paar mm korrigieren? Das raten einige TA/Chiro. Dass man den Huf langsam umstellt. Immer nur einen mm kürzt. Wobei der Huf ja immer nachwächst, also bleibt er ja eigentlich immer gleich, wenn man nur einen mm kürzt.
      Eine TA meinte, ich soll täglich mit der Feile ein paar wenige Male darüberfahren. Da würde ja so gut wie nichts passieren.
      2) wie bekommt man den Huf eigentlich breiter oder ist dies nicht erforderlich bei einem steilen Huf?
      3) Mein Schmied kürzt den Strahl immer etwas stärker, damit ich mit dem Bettlaken, dem Strahlfäulemittel und der Watte besser drankomme. Ich behandele 3mal die Woche konstant. Bei uns im Offenstall ist es picco bello sauber und auch kein Matsch, keine Bollen,...Die Fäule wird zwar immer wieder etwas besser, aber sie verschwindet nicht.
      Nun habe ich aber gehört, dass der Strahl den Boden berühren soll. Bei steilen Hufen bildet er sich ohnehin zurück. Ist dem so, dass der Strahl den Boden berühren soll? Das geht ja mit steilen Huf nicht.
      4) um eine Trageerschöpfung wegzubekommen, sollte der Huf nicht steil sein (Schonhaltung). Dann ist die Genesung ja ein Teufelskreis.
      Oder kann auch ein Pferd mit Trageerschöpfung mit steilen Huf gehen?
      Es ist kein Bockhuf. Mein Schmied kommt alle 8 Wochen. Das mit dem Hufwegziehen ist erst seit einem halben Jahr. Ein paar Wochen nachdem ich die Röntgenbilder habe machen lassen und ich die Diagnose "Trageerschöpfung habe". Die Hufe sind aber immer gleich.

      Ich mache mir deswegen große Sorgen, da sie seither nicht mehr traben kann (Kappzaum-Longe. Geritten wird sie nicht mehr) und den Huf plötzlich nicht mehr geben möchte. Obwohl die Trachten eher lang sind (unverändert - wie immer).

      Über Ihre Antwort, Frau Mäusezahl würde ich mich sehr freuen!
      LG Linda

        npolitz
        Mitglied seit 26. 02. 2016
        DHG-Huforthopäde/-in

        Liebe Linda,

        ohne Fotos kann ich vorerst ja nur mutmaßen, wie die Lage bei ihrem Pferd einzuschätzen ist.

        Zu 1.)
        Wenn es sich um einen aus individuellen, anatomischen Gründen sehr steilen oder einen Bockhuf handelt, dann wäre es aus den obig bereits erläuterten Gründen nicht richtig, an Huf und Gliedmaßenaufstellung des Pferdes Änderungen zu erzwingen. Auch wenn Sie diese „Korrekturen“ wie beschrieben in kleinen Schritten vornähmen, würden die inneren Strukturen der Pferdebeine Ihre wohlmeinenden Verbesserungsbemühungen nicht dankbar „annehmen“ können, da das gesamte Bein und all seine Bestandteile ideal auf die steil ausgerichtete Gliedmaße angepasst sind. Der Körper empfindet die herbeigeführten Veränderungen als unangenehm und wird versuchen diese auszugleichen. Als Folge der Korrekturversuche kann es daher zu Überlastungen, Verspannungen, Schmerzen, Lahmheiten und anderen körperlichen Reaktionen und Schäden kommen.

        Zu 2.)
        Die Breite der Hornkapsel wird vorgegeben vom Knochen, der in ihr steckt - dem Hufbein. An diesem wächst das Kronhorn, also die Hornwand, die wir von außen sehen, rundherum parallel herab. Ein kleines, steiles, schmales Hufbein wird also von einem ebenso schmalen Huf ummantelt. Die individuelle Form dieses Knochens entwickelt sich in Kindheit und Jugend des Pferdes. Innere und äußere Einflüsse, wie zum Beispiel Rasse, Genetik, Haltungsbedingungen, Verletzungen, Erkrankungen u.v.m. beeinflussen diese Entwicklung. Ein schmaler Huf kann also nicht breiter werden, als es sein Hufbein vorgibt. Im Bereich „Präparierwerkstatt“ finden sie viele Fotos von Präparaten, die Hufbeine in ihren Hornkapseln zeigen. Dort können Sie sich das einmal näher anschauen.
        Dass ein Pferd zwei sehr unterschiedliche Vorderhufe entwickelt, geschieht zum Beispiel, wenn ein Fohlen mit seiner Mutter auf abgegrasten Wissen läuft und um ans Gras zu kommen ein Bein weit vor und eines weit zurück stellen muss. Schnell entwickelt das Fohlen eine „Lieblingsseite“ die immer vorn bzw. hinten steht. Man nennt dies umgangssprachlich auch die „Grasstellung“. Da das Fohlen viele Stunden am Tag diese Stellung einnimmt, bekommen die jeweiligen Hufbeine und auch alle anderen Strukturen der Gliedmaßen unterschiedliche Entwicklungsimpulse. Diese Entwicklungen sind im Erwachsenenalter dann abgeschlossen und deshalb auch nicht mehr durch korrektive Maßnahmen an den Hufen umkehrbar.

        Zu 3.)
        Wie sie bereits selber richtig schreiben: bei einem sehr steilen Huf gelingt es dem Strahl anatomisch oft nicht Bodenkontakt zu bekommen und je nach Hufsituation ist dies dann häufig auch so zu akzeptieren.
        Der allgemeine Wunsch nach Bodenkontakt des Strahls basiert einerseits auf dem anatomischen Fakt, dass das bindegewebige Strahl-Ballen-Polster, welches unter dem für uns sichtbaren Strahl liegt, ausgezeichnet dafür geeignet ist Druck und Stöße abzufangen und dem Pferd somit zu einem angenehmen Laufgefühl verhelfen kann. Es gibt jedoch individuelle Hufsituationen, bei denen dieses Ideal einfach nicht erreicht wird und auch nicht erzwungen werden kann oder sollte.
        Häufig wird als Erklärung außerdem ein reduzierter Hufmechanismus und als Folge eine angeblich unzureichende Durchblutung des Hufes herangezogen. Aber auch hier gilt: ein kräftiger, mittragender Strahl ist sicherlich vorteilhaft, aber nicht die einzige Voraussetzung für eine gesunde Durchblutung und einen tüchtigen Huf.
        Welches Mittel nutzen Sie denn, um den Strahl zu pflegen und wie genau gehen Sie insgesamt bei der Strahlpflege vor?

        Zu 4.)
        Aufgrund welcher Symptome wurde die Diagnose „Trageerschöpfung“ gestellt und wie wurde Ihnen diese Diagnose erklärt?
        Wie bereits erläutert, können zwei unterschiedlichen Vorderhufe unveränderbar zu einem Pferd gehören. Alle körperlichen Strukturen haben sich passend zu dieser Unterschiedlichkeit entwickelt und sind aufeinander abgestimmt. Eine sogenannte Trageerschöpfung entwickelt sich nicht, weil ein Pferd zwei unterschiedlich gewinkelte Vorderhufe besitzt, sondern weil es körperlich überfordert und vernutzt wurde. Durch den körperlichen Verschleiß nimmt es Fehl- und Schonhaltungen ein. Die Hufe können diesen Zustand sicherlich widerspiegeln, aber sind in dem meisten Fällen nicht ursächlich, sondern Folge der körperlichen Baustellen. Eine Ausnahme können jahrelang durchgeführte Hufkorrekturversuche sein, die das Pferd in Kompensationshaltungen gezwungen haben, so dass es in Folge zu den genannten körperlichen Überlastungen kam.
        Natürlich ist ein Pferd mit unterschiedlich gewinkelten Vorderhufen immer auch ein schiefes Pferd, was sicherlich ungünstig sein und zu vorzeitigem Verschleiß führen kann, wenn das Tier nicht entsprechend angepasst trainiert und gymnastiziert wird. Im Erwachsenenalter ist diese Schiefe jedoch unwiderruflich vorhanden und es gilt klug mit ihr umzugehen. Sie ist nicht mehr umkehrbar.
        Wenn Sie uns neben den noch ausstehenden Huffotos die erwähnten Röntgenbilder ebenfalls zukommen lassen könnten, wäre das sehr hilfreich!
        Warum das Pferd nicht mehr Traben oder die Hufe geben mag kann ich momentan, ohne Fotos, noch nicht weiter einschätzen. Sie sollten sie jedoch nicht zu etwas zwingen, was ihr aktuell offenbar Unbehagen bereitet.

        Viele Grüße
        Nadja Politz

          LindaN.
          Mitglied seit 02. 06. 2021

          Vielen lieben Dank Nadja, für Ihre ausführlichen Informationen! Anbei die Fotos vom vorderen, linken, steilen, schmalen Huf und vom vorderen,rechten, normalen Huf.
          Der Schmied war vor 1 Woche da.
          Ich benutze aktuell das Strahlfäulenmittel von Lösdau (grüne Flüssigkeit). Mit 1 Bettlaken säubere ich grob den Schlitz, gebe von dem Mittel auf die Watte und stecke es leicht mit der stumpfen Scheerenseite in den Strahlschlitz . Hält nicht lange. Haben Platten und Sandboden im Offenstall. Bollen liegen nie herum und Matsch gibt es auch keinen. Die Mattratze mit Urin entferne ich täglich. Einstreu Stroh. Darunter zum Saugen etwas Späne und Boden = Matten.
          Was genau muss ich dem Schmied in ihrem Fall sagen? Strahl am steilen Huf nur mm kürzen oder gar nicht?
          Trachten mm kürzen oder gar nicht?
          Sonstiges?
          Sie hatte das erste Mal mit 9 J bei mir einen Schmied. Die Vorbesitzerin hat es selbst gemacht. Sah nicht gut aus, als sie zu mir kam. Nun ist sie 15.
          Die Trageerschöpfung enstand vermutlich, da sie hinter der Senkrechten geritten wurde (sie ist dabei sehr weich im Maul gewesen. Reiterhand von mir auch weich und ruhig), teilweise auf der Vorhand. Und als sie von 1 Tag auf den anderen nicht mehr an Zügel ging, mit langen Dreieckszügeln (Zwangshaltung. Kannte ich nicht anders. Auch an der Longe mit Dreieckszügeln bis vor 1/2 J. Nun unausgebunden Kappzaum und nur Schritt.) Mein Pferd ging bei der Vorbesitzerin auf Turnieren L und M.
          Anscheinend haben viele Dressurpferde auf diesem Niveau eine Trageerschöpfung. Veränderungen in den Facettengelenken der HWS. Woher die Zyste hinter Sattellage kommt, weiß ich nicht.
          LG Linda
          Der normale Hug ist der Breitere ohne Beschriftung

            LindaN.
            Mitglied seit 02. 06. 2021

            Hier noch der normale Huf von der Seite und 1mal der steile Huf mit Watte und Mittel im Strahl.
            Und die Rötgenbilder.
            Für Rücken ...habe ich ne super Physio. Hier geht's mir nur um die Frage was der Schmied beachten/machen soll.

              npolitz
              Mitglied seit 26. 02. 2016
              DHG-Huforthopäde/-in

              Liebe Linda,
              ich versinke aktuell in Arbeit. Ich werde mir die Fotos +Röntgenbilder bis Ende der Woche anschauen und dann antworten! LG Nadja Politz

                npolitz
                Mitglied seit 26. 02. 2016
                DHG-Huforthopäde/-in

                Liebe Linda,

                vielen Dank für die Fotos und entschuldigung für die lange Wartezeit.
                Um zunächst einmal die gestellten Fragen zu Umgang mit Strahl und Trachten zu beantworten:

                Aus den erläuterten Gründen dürfen die Trachten nicht mehr gekürzt werden, als der Rest des Hufes. Wenn der Huf insgesamt zu lang/hoch geworden ist, dann sollte er insgesamt gleichmäßig gekürzt werden. Nicht in den Trachten mehr und in der Zehe weniger o.ä. Gründe s.o.

                Beim Strahl des steilen Hufes geht es aktuell nicht darum keine oder nur wenige mm Höhe zu nehmen, damit er den Boden berührt. Solange die mittlere Strahlfurche so stark von Fäulnis befallen ist, kann der Strahl seine Aufgaben des Druck Aufnehmens und Auftritt Dämpfens sowieso nur eingeschränkt erfüllen. Daher sollte das oberste Ziel sein, den Strahl gesund zu bekommen. Dazu kann es sinnvoll sein vorerst etwas mehr Strahlhorn zu entfernen, um die von Fäulnis betroffenen Bereiche sauber auszuschneiden, so dass sie gut gepflegt werden können. Dazu später mehr.

                Da Sie sagen, dass das Klopfen am Huf dem Pferd aktuell sehr unangenehm ist, es sich aber ohne Probleme ausschneiden und beraspeln lässt, kann der Schmied ja vielleicht (vorerst) auf das Klopfen mit der Hauklinge verzichten?
                Bearbeitet Ihr aktueller Schmied die Hufe des Pferdes seit es bei Ihnen ist oder hat das zwischenzeitlich mal gewechselt? Ich frage, um vielleicht herauszubekommen, warum das Pferd "erst" seit 6 Monaten die Probleme hat. Davor war immer alles unauffällig?

                Wenn ich die Hufe betrachte, dann fallen mir mehrere Punkte auf, die die Hufsituation unbequem machen und möglicherweise im Zusammenspiel dafür sorgen, dass es ihr so unangenehm geworden ist auf dem Huf zu stehen.

                Kurze Hufe:
                Insgesamt sehen die Hufe recht kurz aus. Hält sich das Pferd die Hufe selber so kurz oder wird bei der Bearbeitung immer viel Material entfernt? Hier könnte vielleicht etwas mehr (Sohlen- und Tragrand-) Horn stehen gelassen werden. Die sehr flach ausgeprägte Sohle sollte gänzlich unbeschnitten bleiben, um möglichst viel Schutz zu bieten.

                Ausgedünnter Tragrand:
                Der Tragrand wurde an beiden Hufen rundum sehr dünn geraspelt. Insgesamt wurden die Hufwände stark berundet. Vermutlich bringt der Schmied die Berundungen an, damit das Pferd leichter Abfußen kann? Sollte das Pferd eine solche Abfußhilfe brauchen, würde es sich diese jedoch selbst schnell anlaufen. Wird dies wie hier vom Hufbearbeiter vorweggenommen, hat das Pferd einen deutlich kleineren Anteil an Tragrand zur Verfügung von welchem die einfallende Gewichtslast getragen werden kann. Die bei Ihrem Pferd sowieso sehr flach angelegten Sohlen sind somit gezwungen mehr Gewicht mitzutragen, als es ihnen gut tut. Hier sollte der Tragrand in seiner gesamten Dicke stehen gelassen werden.

                Strahlfäule:
                Strahlfäule kann für Pferde extrem unangenehm werden. Wenn in der Tiefe des Strahles die Lederhaut bereits entzündet ist, ist Strahlfäulnis nicht selten ein Grund für Lahmheit. Daher gilt es diese effektiv zu behandeln.
                Strahlfäule wird von anaeroben Bakterien hervorgerufen. Diese leben und vermehren sich nur unter Luftabschluss. Dafür reichen schon kleine Risse und Nischen im Strahlhorn. Für die Behandlung der Strahlfäule ist es daher sehr wichtig, dass möglichst viel Sauerstoff an die betroffenen Stellen gelangt. Je sauberer der Schmied die mittlere Strahlfurche ausschneidet, umso besser. Je sauberer Umgebung und Hufe gehalten werden, desto günstiger für die Heilung.
                Das Reinigen der mittleren Furche sollte bis in die Tiefe der Furche gewissenhaft erfolgen. Oberflächliches Auswischen nutzt nicht viel, da die Bakterien das junge Horn in der Tiefe der Furche weiter zersetzen und die Fäulnis somit erhalten bleibt und weiter fortschreitet. Ratsam ist es einen Streifen Mullbinde mit einem Holzspatel (Eisstil, Apotheke) in die Strahlfurche einzubringen und gen Ballen komplett durch die Furche zu ziehen. Dies so oft wiederholen, bis kein Dreck mehr an ihr hängen bleibt.
                Als Pflegemittel sollte ein keimhemmendes, wundheilungsförderndes Mittel ausgewählt werden. Nicht selten ist bei tiefer Strahlfäulnis bereits die Strahllederhaut angegriffen und entzündet. Sogenannte „scharfe“, austrocknende Mittel können daher schmerzhaft und heilungsbehindernd sein. Generell macht es keinen Sinn, die Fäulnis durch chemische Mittel austrocknen zu wollen. Von Kupferverbindungen und Jodoformäther ist sogar dringend abzuraten. Zum einen sind beide Mittel umweltgiftig und krebsfördernd, zum anderen führen sie im Horn durch die extrem austrocknende Wirkung zu Mikrorissen, in welchen sich erneut Bakterien ansiedeln. Das Mittel von Loesdau scheint, zumindest laut Homepage, Kupfer zu enthalten.
                Hier würde ich entweder zu Zinksalbe oder ätherischen Ölen raten, um eine pflegende und keimmindernde Wirkung zu erzielen.
                Anbei Verlinkungen zu geeigneten Produkten:
                Zinksalbe: Hypozin Injektor: https://www.amazon.de/Hypozin-Injektor-100-Gramm/dp/B016B2JM0O/ref=sr_1_3?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&dchild=1&keywords=hypozin&qid=1623796415&sr=8-3
                Öl-Mischung: SMAT Care Healthy Barrier : https://www.amazon.de/SMAT-Care-Healthy-Barrier-200/dp/B076QF88FR/ref=sr_1_5?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&crid=1V6BK7HDXSQ36&dchild=1&keywords=smat+care+healthy+barrier&qid=1623796486&sprefix=smat+care%2Caps%2C198&sr=8-5

                Das allerwichtigste bleibt allerdings das regelmäßige Säubern und Ausstopfen der Strahlfurche!
                Das Ausstopfen der gereinigten Furche verhindert, dass sich allzuschnell erneut Dreck in die Furche setzt und diese luftdicht abschließt. Zum Stopfen der Furche empfehle ich Schafwolle. In der Drogerie oder online als „Heilwolle“ erhältlich. Anders als Mull ist sie feuchtigkeitsabweisend, so dass Mist und Dreck nicht noch aktiv in die Furche hineingesogen werden, wie dies bei Baumwolle der Fall ist.

                Ich vermute, dass in Ihrem Fall nicht, wie von Ihnen angenommen, der steile Huf das Problem macht, sondern sein aktueller Zustand. Wenn diese Faktoren angegangen werden, könnte dies schon zu einer deutlichen Verbesserung der unangenehmen Situation führen.

                Viele Grüße
                Nadja Politz

                  LindaN.
                  Mitglied seit 02. 06. 2021

                  Vielen lieben Dank, Nadja, für deine ausführliche Nachricht! Das bestätigt meine Meinung zu diesem Thema. Es gibt so viele verschiedene Ansätze zum Thema steilen Huf. Fragt man x verschiedene Experten, erhält man x verschiedene Antworten. Leider komplett konträr. Am Schluss weiß man gar nicht mehr was "richtig" ist. Ich habe das von dir empfohlenen Strahlmittel Hypozin bestellt und werde demnächst eine/n HuforthopädIn von euch kommen lassen.
                  Habe gelesen, dass die Heilwolle nicht mit Cremes getränkt werden soll, da sie sonst ihre Wirksamkeit verliert und dass sie manchmal Allergien auslöst. Die Heilwolle darf nicht auf Wunden steht in der Beschreibung. Ist eine Strahlfäule nicht eine Wunde?

                  Vielleicht wäre Watte oder Gaze dann besser. Leider fällt die Watte schnell raus, die ich mit der stumpfen Scheerenseite reindrücke.
                  Auf dem Sandauslauf kommt gerne Sand rein, was vermutlich durch die Reibung vom Sand den Schlitz immer groß hält. Bollen und Urin liegen bei uns nie herum. Den Schlitz säubere ich, allerdings nicht ganz so tief mit dem Bettlakenstreifen, wie es ein Hufbearbeiter tun würde. Möchte sie nicht verletzen und den Schlitz nicht weiten.

                  Ich hatte übrigens keinen Schmiedwechsel seit sie den Huf wegzieht.
                  Die kurzen Hufe kommen vermutlich vom Offenstallauslauf: Sand und Platten. Die Fläche ist zu groß für Matten. Geritten wird sie nicht mehr. Nur im Schritt am.Kappzaum longiert.
                  Ein Hufbearbeiter meinte mal (Beratungsgespräch. Keine Bearbeitung) Hufe müssen kurz sein. Diese wären ok. Da haben wir es wieder. X verschiedene Meinungen. :-(

                  LG Linda

                    npolitz
                    Mitglied seit 26. 02. 2016
                    DHG-Huforthopäde/-in

                    Liebe Linda,
                    ja ich verstehe gut, wie verwirrend es ist, wenn Fachleute alle unterschiedlicher Meinung sind. Im Bereich Huftagebücher findest Du den Fall Zithar. Dort wird kurz und knapp gezeigt, wie ein Huf sich optisch verändert, wenn stetig versucht wird ihn flacher zu bekommen, während alle inneren Strukturen dagegen halten (die Zehenwand verbiegt und der Huf wird für das Pferd sehr unbequem). Durch das Akzeptieren des steilen Hufes und die huforthopädische Pflege der verfestigten Situation wurde der Huf für das Pferd bequem und die gesamte Situation entspannte sich. In diesem Fall spiegelte sich dies dann auch in einem insgesamt entspannteren und zufriedeneren, gelasseneren Pferd wider.

                    Bei der Pflege der Strahlfäule ist es vor allem sehr wichtig, dass Du die Strahlfurche wirklich bis in die Tiefe ganz sauber machst! Es nutzt nichts irgendein Mittel auf die Fäulnis zu geben. Man kann durch das Säubern nicht noch mehr Horn kaputt machen, als durch die Fäulnis bereits zerstört wurde. Davor musst Du keine Bedenken haben. Du solltest aber einen wirklich stumpfen und ungefährlichen Gegenstand dafür benutzen. Zum Beispiel einen Holz-Eisstil o.ä. Dann kann nichts passieren, auch wenn das Pferd mal zuckt oder das Bein wegzieht. Das ordentliche Säubern kann für die Pferde anfangs unangenehm sein, je nachdem wie tief die Fäulnis schon geht und ob Lederhaut entzündet ist. Falls Du dazu noch Fragen hast, kannst Du mich auch gern per Handy kontaktieren (Nummer findest Du ja hier auf der Homepage), da kann ich Dir ggf. noch besser beistehen bei Deinen Bemühungen.

                    Das an der Schafwolle enthaltende Wollfett, Lanolin, hat auch eine hautberuhigende und -pflegende Wirkung. Daher wird die Heilwolle z.B. auch bei wunden Kinderpopos genutzt. Für uns ist dieser Effekt aber nachrangig. Wir brauchen vor allem die wasserabweisende Eigenschaft und auch der Effekt, dass sich Wolle wegen der spiraligen Lockenstruktur sehr gut in den gestopften Bereichen festhält (besser als z.B. Watte und Mull) kommt uns zu Gute. Allergien kommen bei Menschen manchmal vor. Bei Pferden in Bezug auf den Einsatz am Huf haben wir da noch nie eine allergische Reaktion erlebt. Die Wolle soll natürlich nicht in offene Wunden gedrückt werden, wo die tieferen Hautschichten eröffnet sind. Also nicht in eine Schnittwunde hinein o.ä. Eine Strahlfäule ist aber eher vergleichbar mit wunder Haut. Wie halt bei dem schon o.g. wunden Babypopo. Und da ist sie sehr gut geeignet.
                    Watte hat leider die Eigenschaft sehr zu zerfusseln und zieht Feuchtigkeit extrem an. Also auch Dreck, Matsch, Pferdeäppel, alles wird in die Watte oder auch in Mullstreifen/Gaze hineingesogen, was in unserem Fall kontraproduktiv ist. Die Wolle ist durch das Wollfett feuchtigkeitsabweisend aber halt auch gleichzeitig pflegend.

                    Es ist ratsam immer zunächst eine kleine Menge Wolle zu nehmen, die man ganz in die Tiefe der Furche drückt. Dann nimmt man ein zweites und ggf. noch ein drittes Mal etwas Wolle und stopft sie in die Furche. Wenn nun das obere Stück herausfällt, weil es doch an etwas Boden hängen geblieben ist, dann ist die Tiefe immer noch vor Dreck/Sand etc. geschützt! Das oberste Stück Wolle sollte auch nicht aus der Furche herausschauen. Damit es nicht gleich wieder vom Boden erfasst und rausgezogen werden kann. Beim Druck mit dem gestopft wird muss man sein Pferd beobachten. Manchen Pferden ist zu viel Druck unangenehm. Dann muss man lockerer Stopfen oder ggf. nur 2 statt 3 oder 4 Lagen hineinstopfen.

                    Wie lang oder kurz ein Huf sein „muss“ ist auch wieder so individuell wie jedes Pferd unterschiedlich ist. Da kann man gar keine pauschale Aussage treffen. Das kann man nur für das jeweilige Pferd und die jeweilige Situation entscheiden. Hier geht es ja nun darum Möglichkeiten zu sammeln, was alles dazu führen könnte, dass es Deinem Pferd gerade unbequem ist auf seinen Hufen. Und dann wird geprüft, was davon stimmt. Wenn Du eine/n Kollegen/Kollegin findest, die sich Dein Pferd mal vor Ort anschaut, das wäre natürlich sehr hilfreich. Wo wohnt ihr denn?

                    Liebe Grüße
                    Nadja