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Wirklich eine Hornsäule ?

Larissa
Mitglied seit 04. 11. 2018

Hallo,
mein 13jahriger Hannoveraner(immer barhufer) hatte von Anfang 2017 bis Anfang 2018 des öfteren, mal heftig, mal weniger heftig Strahlfäule(auch gerade an dem Huf um des es mir hier geht), die wir jedoch immer in relativ kurzer Zeit wieder im Griff hatten. Dann hatte er das erste mal ende Mai 2018 eine Huflederhautentzündung, die mittels Hufverband und Metacam innerhalb einer Woche gut ausgeheilt war.
Anfang August hatte er dann am gleichen Huf ein Hufgeschwür, welches sich nach ein paar Tagen nach unten öffnete und nach 2 Wochen gut ausheilte. Nach weiteren 2 Wochen haben wir ihn dann das erste mal auf Rat des Tierarztes vorne beschlagen lassen. Damit konnte er auch sofort super laufen, jedoch schon am darauffolgenden Tag konnte er sich so gut wie wirklich gar nicht mehr bewegen und stand vorne komplett steif. Daraufhin hat der behandelnde Tierarzt 2 Wochen lang wiederum Angussverbände angelegt, welche jedoch nicht wirklich zur Verbesserung geführt haben(er hat auch nicht das Eisen an dem Huf entfernen wollen).
Dann ist oben eine Stelle am Kronenrand aufgegangen/abgeplatzt, ohne das Eiter oder änliches ausgetreten ist, trotzdem konnte er seitdem wenigstens halbwegs gut laufen.
Daraufhin wurden wir zur Tierklinik überwiesen, dort machte man als erstes das Eisen ab um zu röntgen, wobei ein deutliches Zischen brim abziehen zu hören war und direkt ein eitriges Sekret direkt unterm Eisen ausgetreten ist.
Nach der Diagnose der Röntgenbilder diagnostizierte der Tierarzt dort den Verdacht auf eine Hörnsäule und empfahl uns eine OP, die wohl vermutlich auf Dauer unumgäglich sei. Er wollte mein Pferd direkt da behalten(was ich nicht gemacht habe).
Hat ihm auch nach einem Abstrich und Auswertung, ein Antibiotikum verschrieben welches er ca. 10 Tage zu Hause, zunächst 3 Tage gespritzt und dann weiter oral verabreicht bekommen hat. Das ist jetzt ziemlich genau 7 Wochen her. Ich habe seitdem den Huf mit einem leichten trockenem Hufverband, welchen ich einmal die Woche wechsle und in dem Rahmen von unten mit einer Kanüle mit Jod die Abzesshöhle gespült habe, versucht alles gut sauber zu halten. Beim Spülen kommt auch heute noch oben am Kronenrand die Spülung wieder tropfend raus wenn man den Huf weiter hoch hält. Da er schon nach dem Besuch in der Klinik, bis heute, lahmfrei ist, auch ohne meinen Verband, frage ich mich nun wie man am besten weiter verfahren sollte um die OP auszuschließen.
Anbei die Röntgenbilder.
Vielen Dank für Eure Hilfe im voraus !!!

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    cmaeusezahl
    Mitglied seit 23. 10. 2014
    DHG-Huforthopäde/-in

    Hallo Larissa,
    ohne Fotos zu dem betreffenden Huf gesehen zu haben (es wäre schön, wenn Sie welche analog unserer Fotoanleitung nachreichen könnten), würde ich barhuf eine Sanierung des Hufes vorschlagen - auf die Art und Weise erreichen Sie die problematischen Stellen einfach besser. Es sieht so aus, dass es in der Blättchenschicht eine Höhle mit Kanal vom vergangenen Abszess gibt, die raus wachsen muss. Je nach individuellem Wachstum des Hufes kann das bis zu einem Jahr dauern. Sie schreiben, Sie spülen regelmäßig, das ist sinnvoll. Wenn das Pferd lahmfrei ist, warum operieren? Sobald die Höhle raus gewachsen ist sollte die Blättchenschicht an der Stelle wieder geschlossen und funktionstüchtig sein.
    Wo sind Sie denn zu Hause? Gern können Sie eine/n KollegIn aus unserem Register kontaktieren und sich vor Ort beraten lassen.
    Alles Gute für Sie und Ihr Pferd!

      Larissa
      Mitglied seit 04. 11. 2018

      Hallo,
      vielen Dank für die Rückinfo! Fotos reiche ich beim nächsten Verbandwechsel nach.
      Ich komme aus dem Sauerland, leider ist laut dem Verzeichnis kein Huforthopäde in der Nähe.
      Kann ich den Verband wohl weg lassen, den Kanal einfach einmal am Tag spülen und die Öffnung mit Keralit zu schmieren ?
      Außer ein paar Schritt Runden bekommt er auch seit knapp 3Monaten keine Bewegung mehr, gerne würde ich auch
      langsam wieder Longieren und leicht Reiten aber ich bin wegen der Sache verunsichert und der TA sagt operieren.

      Viele Grüße
      Larissa

        cmaeusezahl
        Mitglied seit 23. 10. 2014
        DHG-Huforthopäde/-in

        Hallo Larissa,
        ich bin gespannt auf die Fotos. Wenn Ihr Pferd lahmfrei und munter ist, sich bewegen möchte, finde ich können Sie ihn schon vorsichtig wieder antrainieren. Ich empfehle nach längeren Pausen anfangs spazieren gehen und klassische Handarbeit am kurzen Zügel, um ungewollten "Kickstarts" vorzubeugen. Vielleicht erstmal mit Hufschuhen damit sich keine Steine in den Hohlraum setzen und Schmerzen auslösen.
        Fragen Sie mal in unserem Register KollegInnen in Ihrer Nähe an (PLZ-Bereich), viele fahren auch Touren in benachbarte Landkreise. Vielleicht hat noch jemand freie Kapazitäten.
        Viele Grüße!

          aarnold
          Mitglied seit 28. 01. 2014
          DHG-Huforthopäde/-in

          Sehr geehrte Frau Neubert,

          ich würde die Hornsäule nicht operieren lassen. Die Hornsäule (ja ich denke es ist da tatsächliche eine) selbst macht ja nicht das Problem, sondern eine Fäulnis die sich entlang einer solchen Hornsäule bilden kann. Die Hornsäule selbst ist ein Narben bzw. Füllhorn das in der Lücke zwischen der Eindellung im Hufbein und der geraden Wand ist. Lassen sie dieses Füllhorn entfernen bildet es sich glücklicherweise wieder, sonst würde ja immer ein Loch bleiben. Es bringt also nichts die Hornsäule zu operieren, außer man bekommt die Fäulnis dahinter nicht in den Griff. Aber auch dann würde ich immer eher minimalinvasiv vorgehen.

          Es ist also bei ihrem Pferd vorrangig wichtig die Fäulnis im Bereich der Hornsäule zu bekämpfen, da liegen sie also mit ihrem Vorgehen schon ganz richtig.

          Auf den Röntgenbildern sieht man gut, dass das Hufgeschwür nicht nur entlang der Hornsäule ausgebreitet war sondern auch weite Teile der Sohle mit betroffen waren. Auch sieht es so aus als ob gerade auch an der äußeren Zehenwand und Seitenwand ein Hohlraum sein könnte. Hier müssen Sie nun damit rechnen, dass sich Teile der Sohle noch lösen werden. Ich wäre daher mit Antrainieren noch vorsichtig und würde das erst machen wenn der Huf gut bearbeitet wurde und man sicher sein kann dass die Sohle und die Wände ausreichend stabil sind um schon Leistungsanforderungen gewachsen zu sein. Insbesondere engere Wendungen würde ich noch einige Zeit vermeiden.

          Auch ich würde gerne Bilder vom Huf sehen, im Zusammenhang mit Röntgenbildern ist das immer wichtig um eine Situation wirklich einschätzen zu können.

          Lieben Gruß Astrid Arnold

            Larissa
            Mitglied seit 04. 11. 2018

            Hallo ,
            vielen Dank für Ihre Infos!
            Ich war auch jetzt noch einmal in der Klinik, hab den Huf bearbeiten lassen und erneut röntgen lassen.
            Daher entschuldigen Sie bitte die späte Rückinfo meinerseits, aber ich wollte erst die Hufberabeitung und die
            neuen Röntgenbilder abwarten um aktuell zu sein.
            Mit Ihren Einschätzungen liegen Sie schon sehr gut, der Tierarzt(ich war jetzt in einer anderen Klinik) meinte, dass
            es fraglich sei ob es überhaupt eine Hornsäule ist, aber die Hufkapsel löst sich tatsächlich vom Huf und wir sollen daher
            von Bewegung absehen, weiter Hufverbände anlegen und die Hohlräume und den Kanal spülen um das ganze auswachsen zu lassen.

            Ich finde auf dem neuen Röntgenbild sieht man auch schon sehr gut, dass der Hohlraum bereits sauber herunter gewachsen ist.
            Was meine Sie, haben Sie ggf. noch andere Tipps zur weiteren Behandlung. Aktuell mache ich TÄGLICH einen Verbandwechsel.

            Ich habe auch schon einiges über Ceralit Undercover gelesen, macht es evtl. Sinn die Hohlwände und das Loch zu dem Kanal damit
            zuzuschmieren und den Huf besser Verbandfrei zu halten?
            Haben Sie ggf. eine Zusatz Futter Empfehlung ?

            Vielen Dank !

            Huf (1).JPG (2,74 MiB)
            Huf (2).JPG (2,54 MiB)
            Huf (3).JPG (2,28 MiB)
              Larissa
              Mitglied seit 04. 11. 2018

              Bilder Sohle

              Sohle (1).JPG (2,59 MiB)
              Sohle (2).JPG (2,66 MiB)
                kdoering
                Mitglied seit 18. 01. 2013
                DHG-Huforthopäde/-in

                Sehr geehrte Frau Neubert,

                meiner Meinung nach hat sich einiges getan und der Huf steht sichtlich gut in Heilung.

                Leider kann ich auf den Sohlenbildern gar kein Loch entdecken, meinen Sie das in der Weißen Linie in der Zehe?

                Sollte das Pferd lahmfrei gehen, denke ich sind langsame Spaziergänge möglich.Bei der Hufbearbeitung unter täglichem Verband sollte nicht gespart werden und spätestens nach 4 Wochen wieder der Huf gekürzt werden, denn ohne Abrieb können durch Längenwachstums des Hufes, Hebel entstehen, die wiederum ungünstig sind. Ansonsten finde ich den Huf recht ausgeglichen in seiner Hufform und eigentlich keine weiteren Auffälligkeiten, außer der Eckstrebe die wohl entfernt wurde wegen Fäulnis?

                Ihre Frage nach der Fütterung sollte auf eine Mineralfutter mit mind 5.000-8.000 mg Zink (Oxid plus Chelat)/kg Mineralfutter Wert gelegt werden (Atcom Huf vital (?) , Natural Horse Care (Huf....), Nösenberger Mineral). Bei diesen mir bekannten Futtermitteln sind die anderen Mineralstoffe in Guter Zusammensetzung. Weiterhin kann man die Schwefelzufuhr über MSM (Kur ca 6 Wochen) jedoch getrennt vom Mineralfutter forcieren (max 20 gr/Tag bei 600 kg LM) und zusätzlich kann auch Kurweise, jedoch nicht zusammen über Kristallkraft Nr1 nachgedacht werden, auch ca 6-8 Wochen. Bei der Frage nach Biotin bzw Bierhefe(B-Vitamine) kann nach Wunsch auch zugefüttert werden, es sind aber hier erst langfristig (ca nach drei-6 Monaten) Erfolge ersichtlich, wenn Zink und Schwefel fehlt (Baustoffe für Horn und jeder anderen Hautzelle im Körper)

                Bezüglich Ihrer Frage zum Keralit untercover, ist dies ein sehr guter Fäulnisschutz, jedoch mehr in den oberflächlichen Strukturen (Blätchenschicht, Seitliche Strahlfurchen). Beim Keralit undercover ist jedoch zu wissen, dass es sehr niedrig im pH Wert ist und adstringierend wirkt. Also freiliegende Lederhäute sind damit nicht einzuschmieren, da dies zur Austrocknung der Lederhäute führen kann und zur Umkehr der Wundheilung. In Ihrem Loch würde ich mit anderen Mitteln Arbeiten, evtl widersprechen mir die Kollegen auch, aber ich habe da sehr gerne "Ichtholan" Salbe oder unter anderer Handelsname "Thiubitum" Salbe verwendet. Auch eine "Pyolsin" Salbe habe ich zusammen mit wenig Mull in Löcher gestopft, wo die Lederhäute noch frei Liegen. Sollte die Lederhaut ausreichend verhornt sein und das Pferd nicht schmerzhaft in diesem Bereich reagieren, ist gegen Keralit undercover nichts einzuwenden.

                Alles Gute Ihnen.

                  Larissa
                  Mitglied seit 04. 11. 2018

                  Hallo Frau Döring,

                  vielen Dank für die asuführliche Rückinfo!
                  Ja, das Loch ist in der Zehenspitze, jetzt durch die Hufbearbeitung nur noch sehr klein zu sehen, vorher war es Daumennagel groß.
                  Es ist defenitiv alles schon wesentlich besser geworden, einzig die Ablösung der Hufwand zur Sohle macht mir Sorgen, es ist ja quasi
                  gar keine weiße Line mehr da. Außer auf der rechten Seite, macht es hier ggf. Sinn einen spezial Beschlag aufzulegen, welcher
                  irgendwie die Belastung von dem sich losgelösten Bereich entlastet ?

                  Viele Grüße
                  Larissa

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