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zu "kurze" Hufe

Karen
Mitglied seit 07. 08. 2021

Ein Tierarzt hat mich gestern übel von der Seite angemacht, dass die Hufe von meinem Pferd (Wallach, P.R.E., 7 Jahre, 1,75 m Stock - seit 3,5 Jahre barhuf) viiiiiieeeel zu kurz seien. Er sprach von "Tierquälerei". So ein großes Pferd auf so kleinen Hufen. Ich war natürlich total geschockt, weil ich gar nicht verstanden habe, was der meint und wie er darauf kommt. Er war auch nicht bereit, mir das zu erklären und rauschte nur zickig ab mit den Worten "ach - ich hab wahrscheinlich keine Ahnung - wo ich doch schon seit 40 Jahren Pferde behandele...". Das Pferd geht kein Stück fühlig, läuft auf einem Sandplatz Dressur, Springt VS auf ner Wiese und galoppiert mit mir unauffällig über unebenen (weichen) Waldboden. Schotterwege gehe ich gar nicht und für ganz trockene Zeiten trägt er Hufschuhe vorn. Die Hufe sind zum Vergleich zu der Zeit, als er noch beschlagen war schon kürzer. Aber gibt es ein "zu kurz", wenn das Pferd nicht fühlig geht? KLar, dass die als Barhufer einen anderen Abrieb haben....

    npolitz
    Mitglied seit 26. 02. 2016
    DHG-Huforthopäde/-in

    Hallo Karen,

    schade, dass der TA nicht bereit war genauer zu erläutern, was genau er eigentlich sagen wollte. So kann man nur mutmaßen was genau ihn zu dieser Aussage bewegt hat. Ich bin mir zum Beispiel nicht sicher, was er genau meint mit "zu klein". Zu kurz? Zu eng, also zu steile Wände? Tatsächlich zu kleine Hornkapsel?

    Sie haben sich bei seiner Aussage von "zu klein" für die Interpretation "zu kurz" entschieden.
    Es stellt sich also die Frage: Sind die Hufe des Pferdes auf dem Foto (von dem Sie schreiben, es läuft absolut unfühlig) zu kurz?
    Sie sagen früher, auf dem Beschlag, waren sie ja mal länger...

    Auf einem permanenten Hufschutz, meist sind es ja Eisen, erfährt der Huf ja gar keinen Abrieb mehr und die Hornkapsel wird so lange höher, bis der Schmied zum Kürzen kommt. Je nachdem, welche Parameter der Schmied dann zum Kürzen des Hufes heranzieht, bleibt das Pferd nach der Hufbearbeitung auf einer mehr oder weniger hohen Hornkapsel zurück.
    Kürzt der Schmied das Pferd weniger stark, als es sich die Hufe selber ablaufen würde, wenn es dies könnte, entsteht der Eindruck, das Pferd habe "größere Hufe", also höhere bekommen. Letztlich hat es aber in diesem Moment erstmal nur einen größeren Material-/Tragrandüberstand. Manche Pferde haben damit kein Problem. Anderen wird ihr "überhoher" Huf durchaus auch unbequem.

    Sollte ein Huf "zu viel" Abrieb erfahren, das Hornwachstum also dem Abrieb nicht hinterherkommen, und das Pferd wird wirklich "zu kurz", dann wird das Pferd dies definitiv zeigen. Die Hornkapsel ist unter anderem dazu da, das empfindliche Innenleben zu schützen. Wird beispielsweise die Sohlenlederhaut nur noch unzureichend von einer "zu dünnen" = zu stark abgenutzten Hornschicht geschützt, dann wird dies für das Pferd unangenehm. Das Pferd wird fühlig. Wenn man diese ersten Warnzeichen nicht ernst nimmt und die Ursachen nicht abstellt, kann es im weiteren Verlauf dann auch zu einer Überlastung des Hufes kommen, was sich bei zu kurzen Hufen beispielsweise als Sohlenlederhautentzündung zeigen kann.

    Es gibt durchaus auch Pferde, die unter generell für die Körpergröße des Tieres "zu kleinen" Hufen leiden. Dies ist jedoch vor allem ein Ergebnis von Selektion anhand gewisser Zuchtziele. So gilt es bei einigen Rassen beispielsweise als schick, wenn ein massiger Rumpf auf zierlichen Hufen ruht. Dass dies für das Pferd Nachteile mit sich bringt, wurde dabei nicht ausreichend bedacht. Aber auch bei diesen Tieren ist die Größe ihrer Hufe genetisch vorgegeben und man kann sie nicht mehr künstlich vergrößern. Sie müssen mit dem klar kommen, was sie haben.

    Das Pferd auf dem Foto hat zu seiner Größe passende Hufe und es scheint sich diese als Barhufer auch gut kurz zu halten. Wie gesagt ist dies für sich genommen kein Problem, sondern eher erfreulich, wenn sich Wachstum und Abrieb die Waage halten. Sollte sich Ihr Pferd die Hufe tatsächlich einmal "zu kurz" laufen, dann wird es Ihnen das zeigen.

    Viele Grüße
    Nadja Politz

      Karen
      Mitglied seit 07. 08. 2021

      Liebe Nadja, ganz herzlichen Dank für die ausführliche Antwort. Ich sehe das auch so. Was ich in meinem Post nicht "verraten" habe, ist, dass ich die Hufe selber bearbeite und mich recht gut auskenne. In den ersten Jahren immer noch mit Supervision einer erfahreren Barhufbearbeiterin / Schmied. Dieser Kommentar vom TA hat mich für einen kurzen Moment stark verunsichert. Weil auch in meinem Kopf vorherrscht: "der macht das schon sein ganzes Leben - der wird es sicher wissen". Dass das nicht so ist, musste ich leider schon oft feststellen. Und dass die TA symptombezogen behandeln und selten Ursachenforschung betreiben. Dafür ist einfach mehr "ganzheitliches" Wissen von Nöten, was viele nicht haben. Eben, weil das Studium sie auch nicht da hin bringt. Es gibt jedoch sehr wohl Ärzte*innen, die einen eigenen Antrieb haben, diese Wissenslücke zu schließen. Ganz herzlichen ruß von Karen

        Karen
        Mitglied seit 07. 08. 2021

        Ach ja, mir fällt auf, dass hier (ich lebe in Kärnten / Österreich) viele Pferde mit sehr langen und zum Teil auch sehr steilen Hufen stehen. Oft ist es auch so, dass sich das Auge an einen zustand gewöhnt und diesen dann für "normal" hält. So ist es ja leider auch mit der Rollkur. Dauern sehen wir Bilder von Profis mit eingerollten Hälsen und denken - "so soll es sein". Fatal!

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