Zum Hauptinhalt springen

Hufrehe und Möglichkeiten der Sanierung

von Dr. Konstanze Rasch

Wird eine Hufrehe zu spät erkannt oder werden die falschen Schritte unternommen, steigt die Gefahr, dass es zu Reheschäden an den Hufen kommt. Diese Schäden sorgen nicht nur für eine erhöhte Empfindlichkeit und für eine geringere Belastbarkeit der Hufe und damit auch des gesamten Pferdes, sie machen das betroffene Pferd auch anfällig für neue Reheschübe. Deshalb gilt es sehr viel Aufmerksamkeit auf die nachfolgende Hufbearbeitung zu verwenden. In den allermeisten Fällen kann man so die vollständige Wiederherstellung der Gebrauchsfähigkeit des Pferdes erreichen.

Haben die Hufe eines Pferdes durch eine Hufrehe Schaden genommen, so zeigt sich dies in der Folge durch einige charakteristische Veränderungen der Hornstrukturen. Je nach Schwere des Schadens zeigt sich die Blättchenschicht mehr oder weniger verbreitert, mit blutigen Verfärbungen und Zerreißungen, die Hufsohle ist empfindlich oder gar vorgewölbt, die Zehen- und Seitenwände werden schräg, legen sich in Falten oder stauchen nach oben. All dies lässt abschätzen, wie stark die Hufbeinaufhängung geschädigt worden ist.

Man kann das Ausmaß der Schädigung des Hufbeinträgers auch zusätzlich durch die Anfertigung von Röntgenbildern feststellen lassen. Hierfür wird eine lateromediale Aufnahme der betroffenen Hufe hergestellt. Sie zeigt den Grad der Abweichung der Zehenwand vom Hufbeinrücken. Bei der Anfertigung und Interpretation der Röntgenbilder sind jedoch ein paar Dinge zu beachten, die in der Praxis manchmal noch zu wenig Beachtung finden. So sollte beim Röntgen darauf geachtet werden:

  1. dass die Hufe in der Belastung geröntgt werden. D.h. der zu röntgende Huf steht auf dem Boden und wird vom Pferd möglichst normal belastet.

    • Wird die Parallelgliedmaße während der Aufnahme angehoben, wie von manchen Tierärzten gefordert, oder wird der zu röntgende Huf durch das Unterlegen eines Holz- oder Kunststoffblockes erhöht – was sinnvoll ist, um auch den Huf auch im unteren Bereich abzubilden – dann muss dies bei der Interpretation der Röntgenbilder in jedem Fall berücksichtigt werden.
    • Wird der Huf in unbelastetem Zustand geröntgt, bspw. durch die Verwendung eines Oxspring-Blocks, so ist die Aussagekraft der Röntgenaufnahme begrenzt. Zwar kann der Grad der Abweichung von Zehenwand und Hufbeinträger festgestellt werden, jedoch erhält man keine Information über die Stellung des Hufbeines zum Boden. Das Gleiche gilt für Röntgenaufnahmen von Rehehufen, die in den Trachten bereits hochgestellt wurden. Bei all diesen Aufnahmen kann nicht eingeschätzt werden, ob eine Hufgelenksflexion, eine ungebrochene Knochensäule oder eine Hyperextension vorliegt. Für die Aussage „Hufbeinrotation“ wäre dies aber unerlässlich.

  2. Um den Grad der Abweichung von Zehenwand und Hufbeinrücken bestimmen zu können, muss der Wandverlauf der Zehe erkennbar sein. Häufig werden hierzu röntgendichte Markierungen eingesetzt (Nägel, Draht, Kette), die auf der Zehenwand befestigt werden. Es ist dabei darauf zu achten, dass die Markierung den Verlauf der Zehenwand exakt wiedergibt, also direkt an dieser anliegt. Hierzu muss der Verband, der Gips oder auch der Klebeschuh entfernt werden. Was so selbstverständlich scheint, wird leider in der Praxis mitunter anders gehandhabt. Die so entstandenen Aufnahmen sind wenig aussagekräftig.

Aber nicht nur bei der Aufnahme, sondern auch bei der Interpretation der Röntgenbilder muss aus meiner Sicht viel Sorgfalt an den Tag gelegt werden. Allzu häufig wird eine „Rotation des Hufbeines“ diagnostiziert, ohne dass eine solche überhaupt vorliegt. Dies gilt in allen Fällen, bei denen zwar eine Abweichung der Zehenwand vom Hufbein vorliegt (Schere), die Knochensäule aber ungebrochen ist bzw. eine Hyperextension der Gliedmaße vorliegt. Ist dieses der Fall, dann ist nicht das Hufbein rotiert, sondern die Zehenwand ist durch die Schädigung des Hufbeinträgers vom Hufbein weggewichen.

Eine weitere Quelle von Fehleinschätzung ist die Nichtberücksichtigung des Ausgangszustandes des Rehehufes. Wie in der Februarausgabe dieser Zeitschrift bereits ausgeführt wurde, sind besonders unphysiologische Bockhufe - also Bockhufe die immer wieder in den Trachten gekürzt werden und deren Zehenwand sich daraufhin vom Hufbein weg verbiegt – durch Hufrehe gefährdet. Das Röntgenbild eines solchen Hufes weist bereits vor der Hufrehe eine Flexion im Hufgelenk auf. Es kann also hier auch nur mit Vorsicht eine Rotation des Hufbeines interpretiert werden, da man ohne Vergleichsbilder nicht abschätzen kann, ob sich das Hufbein im Zuge der Rehe noch weiter nach hinten bewegt hat oder nicht. Um dies zu verfolgen, ist eine Verlaufskontrolle durch Röntgenbilder nötig. Sie zeigt, ob die Schere zwischen Hufwand und Hufbein zunimmt und ob sich hierbei die Position des Hufbeines oder der Winkel der Zehenwand zum Boden verändert.

Wenn man sich klar macht, dass die hauptsächliche Schädigung des Rehehufes vor allem in dem Wegweichen und Verbiegen der Hufwand besteht, so kann man nicht nur auf einfache Weise die Reheprädisposition von Pferden verringern, es wird auch klarer, dass es fast immer möglich ist, rehegeschädigte Hufe völlig wiederherzustellen. Viele Pferdebesitzer sind zutiefst erschrocken, wenn sie die Diagnose Hufbeinrotation erhalten. Vor Schreck und Angst werden nicht selten Maßnahmen ergriffen, die dem geschädigten Huf wesentlich mehr schaden als nützen. So werden bspw. immer wieder Zehenwandresektionen vorgenommen, die den Schaden für die Wandlederhaut noch vergrößern und die Hufsituation deutlich verschlechtern.

Viele Pferde erhalten nach der Rehe einen Rehebeschlag. Dabei erschwert es der Beschlag deutlich - und in einigen Fällen verhindert er es auch gänzlich - dass am Huf wieder normale Verhältnisse einkehren können. Weit sinnvoller ist es, den Rehehuf so zu bearbeiten, dass der Huf sich in angemessener Zeit erneuern kann. Dabei muss folgendes beachtet werden: Als erste Reparaturmaßnahme des Körpers bildet sich nach einem Reheschub zwischen Wandlederhaut und Hornwand ein Narbenhorn aus. Das ist eine durchaus sinnvolle Maßnahme des Körpers, da hierdurch die verloren gegangene Hufbeinaufhängung recht schnell zumindest notdürftig wieder hergestellt wird. Allerdings sorgt das Narbenhorn auch dafür, dass die Zehenwand in der Folge von ihrer ursprünglichen normalen Wachstumsrichtung abgelenkt wird. Um diesen Effekt aufzuheben, müssen die Hufe sehr regelmäßig bearbeitet werden. Durch ein hoch ausschleichendes Beraspeln und ein Glattschneiden des aufgewulsteten Narbenhornkeiles können die Zehenwand sowie auch die betroffenen Seitenwände in gerader Form nachwachsen und der Hufbeinträger kann sich vollständig schließen. So können selbst massive Schäden leicht herauswachsen und auch schwer geschädigte Rehehufe vollständig saniert werden.

Bei der Zehenwandresektion wird die Schutzschicht der Zehe entfernt. Das freiliegende Blättchenhorn trocknet aus und führt so zur mechanischen Beschädigung der Wandlederhaut. Darüber hinaus führt der massive Eingriff zu einer nachteiligen Entwicklung der gesamten Hufsituation, deutlich zu erkennen an den nach oben stauchenden Seitenwänden und den gezwängten, unterschiebenden Trachten.

Am Beispiel des oben abgebildeten Rehehufes mit massiver Schädigung des Hufbeinträgers:

Oder auch am Beispiel des eingangs abgebildeten Hufes mit Hufbeinabsenkung:

Da das Hufhorn der Pferdehufe beständig nachwächst und sich innerhalb eines Jahres einmal gänzlich erneuert, ist es in den meisten Fällen möglich, Rehepferden wieder zu gesunden Hufen zu verhelfen. Einschränkungen für eine vollständige Wiederherstellung einer gesunden Hufsituation ergeben sich allerdings, wenn sich irreparable Schäden am Hufbeinknochen und an den Wandlederhäuten eingestellt haben. Das ist leider häufig dann der Fall, wenn Hufe bereits sehr lange in der chronischen Nach-Rehe-Situation gefangen gehalten waren, weil man es versäumt oder auch einfach nicht vermocht hat, sie zu sanieren. Man sollte deshalb alles daran setzen, einen kompetenten Fachmann zu fi nden, wenn es nach einer Hufrehe darum geht, die Hufe wiederherzustellen.

Dieser Artikel erschien in PFERDE in Sachsen & Thüringen - 05 | 11

Als PDF herunterladen

Alles zum Thema Hufrehe

Auf unserer Übersichtseite Hufrehe - Ursachen, Folgen und Behandlung haben wir sämtliche Informationen, Bild- und Videomaterial sowie viele erfolgreiche Fallbeispiele zur Hufrehe für Sie zusammengestellt.