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Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Hufrehe

Hufrehe ist eine sehr ernste Angelegenheit. Schnelles Handeln ist gefragt. Die Gefahr einer Schadwirkung auf die Hufe ist hoch und selbst eine leichtere Hufrehe kann sich bei fehlerhafter oder ausbleibender Behandlung zu einer Katastrophe für das Tier entwickeln. 

1. Kompetente Helfer rufen

Bei Verdacht auf eine Hufrehe benachrichtigen Sie unverzüglich Ihren Tierarzt oder Tierheilpraktiker. Sie sollten auch Ihren Hufbearbeiter informieren – letzterer kennt die Hufe Ihres Pferdes neben Ihnen am besten.

2. Ursache abstellen

Je nachdem, was die Hufrehe ausgelöst hat, sind konkrete Gegenmaßnahmen zu ergreifen, um diese auslösenden Faktoren zu stoppen. Bei Vergiftungen, Überfütterung, Kolik, Schock, Nachgeburtsverhaltung etc. sollten unverzüglich Medikamente und Maßnahmen zum Einsatz kommen, um diese Primärerkrankungen zu behandeln. Je erfolgreicher dies gelingt, umso besser stehen die Chancen, das Ausmaß der Hufreheerkrankung einzudämmen.

3. Medikamente und Maßnahmen

Es gibt KEIN Medikament,  welches die Hufreheerkrankung selbst stoppt. Häufig kommen stattdessen entzündungshemmende und schmerzstillende Mittel zum Einsatz (z.B. Equipalazone®, Metacam®). Sie sind jedoch rein palliativer Natur, d.h. sie vermindern die Schmerzen und verbessern so scheinbar den Zustand des Pferdes – die Erkrankung jedoch schreitet unvermindert fort. Ihr Einsatz ist umstritten (ausführlicher nachzulesen in „Diagnose Hufrehe“ S. 106ff.).

Es gibt überaus effektive Maßnahmen gegen Hufrehe, die je nach Zeitpunkt und vorhandenen Möglichkeiten zur Anwendung kommen können.

3.1. Kühltherapie (Kryotherapie, Eiswassertherapie, Hypothermie)

Die Kryotherapie kann die negativen Auswirkungen der Hufrehe auf den Hufbeinträger verhindern (früher Zeitpunkt oder zur Prophylaxe bei Colitis, Nachgeburtsverhaltung, …) bzw. im akuten Rehestadium reduzieren. Die Wirkung beruht auf der umfassenden Stoffwechselreduktion (hypometabolischer Effekt).

Achtung: Das sporadische Kühlen der Hufe durch Schlauchguss, Wassereimer o.ä. hat diesen Effekt nicht, sondern bewirkt eher das Gegenteil, nämlich eine Durchblutungsförderung

Wichtig ist: 

  • eine ununterbrochene Kühlung (72h) bei möglichst niedrigen Temperaturen (am besten 0°-5° Celsius) 
  • die Kühlung erfolgt am Bein (Röhrbein) und nicht am Huf des Pferdes, da das Hufhorn ein Wärmeisolator ist
  • zur Verwendung kommt ausschließlich Eiswasser (Eiswürfel/Crush-Eis im Wasserbad) in ausreichend hohen Behältnissen – Kryotherapiestiefel (Ice Spa, Jack’s Ice Boots), Sealline Baja Dry Bags, Wasserbottich/Wanne
  • die im Handel erhältlichen Kühlmanschetten bzw. Eis-Manschetten aller Art sind nicht geeignet, da sie im ersten Fall keine ausreichende Kühlung schaffen und im zweiten Fall zu negativen Wirkungen (Gewebeschäden) führen können

3.2. Blutegeltherapie (Hirudotherapie)

Sehr effektiv und ohne große Umstände durchführbar ist die Blutegeltherapie. Eine in den Jahren 2008/9 durchgeführte Studie der Deutschen Huforthopädischen Gesellschaft e.V. (DHG e.V.) zeigt, dass die Anwendung von Blutegeln bei Hufrehe in 84% der erhobenen Fälle eine deutliche Verbesserung erbringt. Erfolgt die Blutegeltherapie innerhalb der ersten 3 Tage nach Auftreten der ersten Rehesymptome, so erhöht sich ihre Wirksamkeit sogar auf 100%.

3.3 Laserakupunktur

Die Anwendung von LowLevelLaserTherapie/Laserakupunktur ist komplementärmedizinisch ebenfalls sehr hilfreich. Statt mit Nadeln werden die entsprechenden Punkte mit einem Laserstrahl (niedrige Leistungsdichte, roter oder infraroter Bereich) stimuliert. Der Laser übt einen nachweisbar heilenden Einfluss auf das Gewebe, insbesondere bei Entzündungen, aus.

3.4 Hufbeinträger entlasten

Das geschieht am effektivsten durch Anlegen eines Sohlen-Strahl-Polsters. Die mechanischen Schäden am Hufbeinträger werden reduziert. Der Huf wird im Strahl-  und Sohlenbereich so unterpolstert, dass der Tragrand möglichst schwebt. Zum Anlegen des Polsters eignen sich alle weichen und leicht formbaren Materialien wie z.B. Verbandwatte, Equimoll, Schafwolle. Für den längeren Gebrauch bietet es sich an, auf elastisch bleibende, weiche Kunststoffe (Schaumgummi-Kompressen Komprex®), umzusteigen. Reicht der Verband an den Ballen über das Horn hinaus, ist darauf zu achten, dass die Haut-/Haarbereiche unter dem Verband entsprechend abgepolstert werden. In den meisten Fällen zeigt das Pferd nach dem Anlegen des Sohlen-Strahl-Polsterverbandes eine sofortige Besserung des schmerzhaften Zustandes. In Situationen, in denen dies nicht der Fall ist, kann das Polster so modifiziert werden, dass der Bereich der Sohle vor der Strahlspitze ausgespart wird.

4. „Ruheraum“ schaffen

Zum Schutz des erkrankten Hufbeinträgers ist Bewegung tabu. Der „Ruheraum“ muss so beschaffen sein, dass das erkrankte Pferd wirklich zur Ruhe kommt, sich also so wenig wie möglich bewegt und sich so häufig als möglich niederlegt. Hierfür sind weiche Bodenbedingungen (Sand, dicke Einstreu) wichtig. Je nach normalem Lebensraum und Haltungsform (Box, Offenstall, Ganztagesweide) ist das unterschiedlich leicht oder schwer zu bewerkstelligen. Man muss sich jedoch klar machen, dass der Erfolg bei der Eindämmung der Reheschäden am Huf in sehr starkem Maße von dieser Maßnahme abhängig ist.

Alles zum Thema Hufrehe

Auf unserer Übersichtseite Hufrehe - Ursachen, Folgen und Behandlung haben wir sämtliche Informationen, Bild- und Videomaterial sowie viele erfolgreiche Fallbeispiele zur Hufrehe für Sie zusammengestellt.