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Möglichkeiten und Limitationen in der Behandlung (zu) steiler Hufe (Dr. Kai Kreling)

Die Jahreszeit der Fohlengeburten ist in vollem Gange. Viele junge Fohlen kommen mit extrem flachen Hufen oder durchtrittig zur Welt. Nach einigen Tagen sieht die Situation bei diesen Fohlen häufig schon besser aus. Sie laufen weitgehend mit normaler Huf-/ Beinstellung. Anders  entwickeln  sich  die  steil  gestellten  Fohlen.  Sie  kommen  mit  etwas  bockhufartiger Winkelung zur Welt. Durch das knöcherne Wachstum strecken sich die Gliedmaßen der Fohlen in den ersten Wochen schnell in die Länge. Die Beugesehnen, die durch ihre Spannung zur Beugehaltung der Bockhuf- und Stelzfußfohlen beitragen, dehnen sich nicht in dem Umfang wie die Knochen sich in ihrem Längenwachstum entwickeln. Eine relative Verkürzung der tiefen/oberflächlichen Beugesehne und dem Unterstützungsband zur tiefen Beugesehne halten den Huf und den unteren Teil der Gliedmaße in seiner steilen Stellung. Die tiefe Beugesehne verläuft am hinteren Teil des Beines bis sie schon innerhalb der Hufkapsel wie über
eine Umlenkrolle über das Strahlbein zieht und an der Hufbeinspitze ansetzt. Ist sie relativ zur Knochenlänge des Beines zu kurz, kommt es zu einer starken Zugwirkung auf das Hufbein und damit zur Ausprägung eines Bockhufes oder Stelzfußes.
Beim Bockhuf oder Stelzfuß stehen die Fohlen daher extrem steil. Der Bockhuf bezeichnet den steilen Huf, dessen vordere Hufwand fast senkrecht zum Boden verläuft. Beim Stelzfuß ist die gesamte Zehenachse extrem steil. Nicht nur der Huf, sondern die Region der Zehenendgelenke ist hier deutlich gerader. Die Fohlen sehen aus, als ob sie auf der Zehenspitze laufen würden. Unter Züchtern wird dies auch als der Ballerinaeffekt bezeichnet.

Bockhufe oder Stelzfüße sind sehr oft angeboren. Es gibt aber auch die Möglichkeit, dass sich ein Bockhuf erst im Laufe der ersten Lebensmonate/Lebensjahren entwickelt. Bei Absetzern und Jährlingen kann es sehr oft spontan zur Ausprägung eines steilen Hufes oder sogar Bockhufes kommen. Diese Pferde haben im Verhältnis zum Hals sehr lange Beine. Zum Grasen müssen sie die Beine weit auseinander grätschen. Fast immer ist dasselbe Bein dabei hinten, das andere nach vorne gespreizt. Speziell bei sehr hartem Boden entwickelt sich am hinten stehenden Bein durch die permanente Zugwirkung der Beugesehne oft innerhalb von Tagen ein steiler Huf bzw. Bockhuf.

Was tut man mit einem Fohlen, das mit einem Bockhuf auf die Welt
kommt?

Ach, das  wächst  sich  schon  aus  –  ist  eine  oft  geäußerte  Überzeugung  der  Züchter. Beim Bockhuf, und  schon  gar  nicht  beim  Stelzfuß ist  dies  so  zu  empfehlen. Je  früher  man  das Problem angeht, desto besser sind die Heilungschancen. Die Trachte kürzen ist bei milden Formen  eines  Bockhufes  schon  ausreichend.  Wichtig  ist  dabei,  dass  die  Fohlen  durch  die Trachtenkürzung nicht schmerzhaft sein dürfen. Bei Schmerzhaftigkeit spannt der Beugemuskel, dessen Verlängerungsarm die Sehne ist, stark an.
 
Durch die Kontraktion wird der Zug der Sehne auf das Hufbein noch stärker und die Situation nicht verbessert. Also sollte man bei extremen Steilstellungen die Trachte nur behutsam kürzen. Lieber etwas weniger kürzen, aber dafür häufiger ist die richtige Vorgehensweise.  
 
Anders als bei einem durchtrittigen dürfen die steil gestellten Fohlen sich nicht viel bewegen. Um das Längenwachstum des Knochengerüstes nicht noch zu stimulieren, ist eine reduzierte...

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Dieser Artikel ist Bestandteil der Tagungsmappe der 13. Huftagung der DHG e.V. Die Tagungsmappe (90 Seiten) kann zum Preis von 15 Euro bei uns bestellt werden.

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