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Hufkarzinom

Dukat, 27 Jahre, Hannoveraner Wallach

Dukat wurde in seinen jungen Jahren als Springpferd in der schweren Klasse vorgestellt. Als er nicht mehr erfolgreich war ging er durch mehrere Hände und lebte teilweise unter sehr schlechten Haltungsbedingungen bis er über Umwege zu seiner jetzigen Besitzerin kam. Wenn er geritten wurde, lahmte er immer wieder am rechten Vorderbein. Es wurde eine Hufrollenerkrankung diagnostiziert und ein Beschlag mit Eiereisen verordnet. Der Schmied stellte nach seinem ersten Besuch eine heftige Strahlfäule in der mittleren Strahlfurche fest.

Die Besitzerin recherchierte in der Vergangenheit von Dukat und fand heraus, dass er damit offenbar schon seit Jahren Probleme hatte. Sie verwendete daraufhin diverse auf dem Markt erhältliche Mittel, um die Fäulnis zu bekämpfen. Leider ohne langzeitigen Erfolg. Der hinzugezogene Tierarzt schätzte die Situation als „nicht so tragisch“ ein und verordnete die Behandlung mit Jodoformäther. Nach einiger Zeit wurde Dukat von einem anderen Hufschmied wieder mit offenen Hufeisen beschlagen, um die Strahlfäulnis besser behandeln zu können. Dieses Auf und Ab mit wechselnden Hufschmieden, wechselnden Beschlägen und unterschiedlichen Lahmheitsgraden sowie die Fäulnisbehandlung, dauerte 6 Jahre.

Im Winter 2015/2016 vermutete man zusätzlich altersbedingt Arthrose und er wurde jetzt abwechselnd mit Eiereisen (wenn die Lahmheit stärker war) oder mit offenen Eisen (wenn die Fäulnis wieder schlimmer wurde) beschlagen. Im März 2017 bemerkte die Besitzerin am rechten Vorderbein eine seltsame Entwicklung in der Strahl-Ballengegend und holte den Hufschmied. Dieser äußerte den Verdacht, es könne sich um einen Hufkrebs handeln. Er nahm die Hufeisen sofort ab, um die Entwicklung des Hufes zu beobachten. Als der Tierarzt sich ein Bild vom Huf machte, bestätigte er die Diagnose Hufkrebs und riet der Besitzerin, das Pferd einzuschläfern. Dukat zeigte aber so viel Lebenswillen und keine Anzeichen von vermehrten Schmerzen, dass sich die Besitzerin im Internet über Behandlungsmethoden von Hufkrebs informierte. Durch ihre Recherchen ist sie dann auf eine Huforthopädin gestoßen.

Beim ersten Termin im März 2017 (siehe Abb. 1), stellte diese bei Dukat senkrechte Fesseln mit flachen Hufen fest. Die Trachten waren extrem lang, eingerollt und untergeschoben. Die mittlere Strahlfurche am rechten Vorderhuf erschien stark nach lateral verlagert. In der mittleren Strahlfurche konnte man eine wunde Fläche sehen, die die Huforthopädin zunächst für einen Lederhautvorfall hielt. Die Erstbearbeitung zielte darauf ab, die langen Hebel an den Trachten, aber auch an der Zehe zu minimieren.

Nach weiterem Recherchieren der Besitzerin und nach dem zweiten Besuch der Huforthopädin, bekam sie die einmalige Chance, Dukat von einem als Hufkrebsspezialisten bekannten Hufschmied vor Ort behandeln zu lassen. Dieser Schmied war prinzipiell zu weit weg, aber momentan auf der Durchreise in der Gegend. Dukat wurde Ende April von diesem Schmied vorne mit abgerundeten „Classic Roller“ Eisen beschlagen. Am rechten Vorderhuf wurde zusätzlich noch ein Kunststoffdeckel angebracht, um den Huf sauber zu halten (siehe Abb. 2). Ein Druckverband am Ballen sollte die Wunde schneller heilen lassen. Die Besitzerin bekam den Auftrag, die offene Stelle am Strahl täglich morgens mit Jodoformäther und abends mit einem “Wundermittel“ einzuschmieren, welches der Hufschmied mit Tierärzten entwickelt hatte. Eine blaue Substanz, die Oberflächenporen aufbrechen sollte, um tief ins Gewebe einzudringen und das Gewebe dort zu veröden. Nach sechs Wochen sollten die Eisen abgenommen werden und er versprach, dass bis dahin der Hufkrebs ausgeheilt sein wird. Leider kam nach der anfänglich großen Hoffnung bereits nach kurzer Zeit die große Enttäuschung.

Die kleine Knospe des vermeintlichen Lederhautvorfalles entwickelte sich binnen Tagen zu einer riesigen Beule. Ein Tierarzt, der hauptsächlich Kleintiere behandelte, hat nun erstmalig auf Grund des schnellen Wachstums des Gewebes ein tumoröses Geschehen vermutet. Er wies darauf hin, wie wichtig eine gute Wundpflege sei.

Da die bisherige Behandlung erfolglos war und der Beschlag auch keine Verbesserung brachte, hat die Kollegin die Hufeisen abgenommen und wieder mit der Barhufbearbeitung begonnen. Im Juli 2017 empfahl sie, einen Keimabstrich beim Tierarzt machen zu lassen. Der Befund war ein Pilz Namens Aspergillus Niger und noch weitere Pilze. Ab jetzt wurde zweimal täglich ein Medikament nach Verordnung des Tierarztes aufgesprüht und mit Wasserstoffperoxid gespült und gereinigt. Leider auch hier keine Besserung.                                                                              

Im August 2017 hatte diese Wucherung die Größe eines Tennisballes (siehe Abb. 3). Spätestens jetzt war klar, dass es sich nicht um Hufkrebs, sondern um einen Tumor handeln musste. Es wurde der Versuch gestartet, den Tumor abzubinden. Mitte Oktober 2017 wurde dann eine Gewebeprobe eingeschickt, bei der ein epitheles Plattenkarzinom nachgewiesen wurde. Es folgte eine Stoffwechselkur und eine Kräuterkur aus Mariendistel und Artischocke für die Leber.

Es wurden Röntgenbilder angefertigt (Abb. 4), um zu sehen, ob der Tumor bereits die Knochen angegriffen hat. Gott sei Dank war dies nicht der Fall. Allerdings konnte man sehen, dass das Hufbein in einem negativen palmaren Winkel stand und ein Fragment des Strahlbeins weit nach proximal gezogen war. Es musste also die tiefe Beugesehne einen erheblichen Schaden erlitten haben. Wir gehen davon aus, dass es sich um einen schon alten Schaden handelte, der letztlich wohl die Ursache für die anfängliche Lahmheit war.

Damit wurde klar, dass an der hyperextensierten Stellung der Vorderhufe von Dukat nichts mehr verändert werden konnte! Ein „Züchten der Trachten“ oder ein Aufkeilen zur Herstellung einer steileren Stellung, führt in einer solchen Situation nur zu eingerollten und untergeschobenen Trachten und damit zu einer Zwanghufsituation. Dadurch erklärt sich auch, warum die Strahlfäule in der mittleren Strahlfurche nie in den Griff zu bekommen war. Dank der Röntgenbilder konnte der Huf nun entsprechend gekürzt und damit zumindest der Druck, der über die eingerollten und untergeschobenen Trachten auf die mittlere Strahlfurche wirkte, minimiert werden.

Da das Abbinden des Tumors nicht erfolgreich war, haben wir uns trotz schlechtester Prognose dazu entschlossen, Mitte November 2017 den Tumor operativ zu entfernen. Der Allgemeinzustand von Dukat war so gut und er hatte so viel Lebensfreude, dass wir noch nicht aufgeben wollten. Der Tierarzt beauftragte die Huforthopädin, jeden zweiten Tag mit dem Hufmesser das nachwachsende Tumorgewebe wegzuschneiden. Dies war auch schmerzfrei möglich. Zusätzlich wurde der Bereich mit flüssigem Stickstoff behandelt. Mitte Dezember 2017 wurde Dukat unterstützend homöopathisch behandelt.  

Ende Dezember 2017 folgte dann die zweite Operation, da das Gewebe explosionsartig nachgewachsen war. Nach dieser Operation besorgte sich die Besitzerin einen eigenen Stickstoffkessel, um das Gewebe zweimal täglich vereisen zu können. Es wurde eine Nosode aus dem Gewebe hergestellt und verabreicht. Über eine Haaranalyse wurde empfohlen für 3 Wochen Magnesium, Vitamin B12 und Nutri Labs zu verabreichen.

Mitte März 2018 erfolgte dann die dritte Operation. Sofort nach der OP wurde auf die noch frische Operationswunde Terra Sarkoidsalbe aufgetragen. Es erfolgte eine Therapie aus täglichem Verbandswechsel und Auftragen der Salbe. Zusätzlich bekommt Dukat wöchentlich eine Spritze vom Tierarzt (Inhalt unbekannt) und zusätzlich eine neue homöopathische Therapieform für Krebspatienten aus der Humanmedizin.

Seit der letzten Operation, Mitte April 2018, ist erstmals nur sehr wenig Tumorgewebe nachgewachsen (siehe Abb. 5). Dieses Gewebe wird noch einmal operativ entfernt werden müssen. Nach wie vor wird Dukat mit Sarkoid-Salbe behandelt. Das betroffene Areal wird zudem zum Schutz vor der UV-Strahlung abgedeckt (siehe Abb. 6). Das Gewebe hat noch immer ein tumoröses Aussehen, aber es wuchert nicht mehr. Das was nachwächst, schält sich durch die Sarkoid-Salbe wieder ab. Man kann also sagen, die Situation ist beruhigt aber nicht gelöst. Aber Dukat ist nach wie vor lahm- und schmerzfrei und genießt sein Rentner-Leben.