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Hufkrebs nach Hufgeschwüren

Balito, Hannoveraner Wallach, 23 Jahre

Balitos Leidensgeschichte begann im Sommer 2015 mit immer wiederkehrenden Hufgeschwüren am linken Hinterhuf. Diese traten alle sechs bis acht Wochen auf und wurden immer wieder geöffnet und behandelt. Im Dezember 2015 wurde der Huf geröngt und es wurden keine pathologischen Veränderungen festgestellt. Balito lief allerdings immer wieder lahm.

Im Februar 2016 wurde vom Schmied dann zum ersten Mal der Verdacht auf Hufkrebs geäußert und der Besitzerin wurde geraten, ihr Pferd zu erlösen. Es wurde außerdem ein Eisen mit Platten angebracht. Die Platte wurde von der Besitzerin eine Woche lang belassen, als sie allerdings eine weitere Verschlechterung feststellte, wurde die Platte wieder entfernt.

Im Mai 2016 fand dann ein Wechsel zu einem anderen Schmied statt, welcher aller zwei bis drei Wochen die betroffenen Stellen unter starkem Blutfluss und reichlich Schmerzen weg schnitt und mit Jodoformäther behandelte. Balito lief danach jedes Mal einige Tage lahm und das entfernte Gewebe wuchs innerhalb von wenigen Tagen und meistens noch stärker nach. Daraufhin verschlechterte sich auch Balitos Allgemeinzustand. Er verlor an Gewicht und er bekam auffallend struppiges Fell.

Im November 2016 begann die Behandlung durch eine Huforthopädin. Der betroffene linke Hinterhuf war völlig schief und ein großer Teil der lateralen Hufhälfte war vom Hufkrebs unterminiert. Durch die vielen Hufgeschwüre zuvor, hatten sich anscheinend die Terminalpapillen am Hufbeinrand entzündet; sie waren aufgequollen und es konnte kein normales Horn mehr gebildet werden. Stattdessen bildeten sich dicke, schnell wachsende „Horn-Noppen“, die mit Blutgefäßen durchzogen waren. Auch in der mittleren Strahlfurche hatte sich durch unbehandelte Strahlfäulnis ein Hufkrebsherd gebildet.

Hinten links im November 2016 nach Bearbeitung:

Die vom Hufkrebs betroffenen Stellen wurden nicht geschnitten. Es wurden stattdessen Zugänge zur betroffenen Lederhaut geschaffen, so dass die Besitzerin ab sofort mit Prontosan, einer Wundspüllösung, spülen konnte. Zudem wurde die extrem schräg nach außen liegende und aufgrund der Schmerzen vom Pferd nicht belastete Trachtenwand eingekürzt und von außen beraspelt. Auch die lange Zehe wurde gekürzt, um ein Kippen des Hufes nach hinten auf die untergeschobenen Trachten zu verhindern. Der Huf wurde also überhaupt niedrig gehalten, um die ungünstigen Hebel weitestgehend zu minimieren. Es erfolgte eine Futterumstellung (nur Heu, getreide- und melassefreies Müsli, HufkrebsAkut von Barynesse).

Der Hinterhuf im Verlauf:

Ab Mitte Dezember 2016 begann die Besitzerin dann mit der lokalen antibiotischen Behandlung und dem Tamponieren der entzündeten Lederhäute. Danach musste Balito trocken stehen bzw. bekam er für einen halben Tag einen leichten Verband angelegt, damit das Antibiotikum ausreichend lange wirken konnte. Für den Tag auf der Koppel bekam Balito einen Krankenhufschuh als Verbandschutz. Mitte Februar 2017 waren dann auch die letzten beiden Hornnoppen ausgehärtet und schneidbar. Beim Termin im April 2017 hatte sich die Lederhaut bereits wieder so weit regeneriert, dass eine gleichmäßige Hornproduktion stattfinden konnte. Von diesem Zeitpunkt an konnte auf das Antibiotikum verzichtet werden.

Mit der Verbesserung der Hufsituation verbesserte sich auch Balitos Allgemeinzustand. Bis in den Dezember 2017 zeigten sich noch die letzten Einblutungen in den ehemals betroffenen Bereichen der Blättchenschicht. Die Blättchenschicht ist immer noch verbreitert, wie bei einem Rehehuf, das Horn ist deutlich anfälliger als gesundes Horn. Um erneuten Hufgeschwüren vorzubeugen, muss das Blättchenhorn immer sehr sauber ausgeschnitten und anschließend gepflegt werden. Die Rinne, die dabei zwischen Sohlen- und Wandhorn entsteht, lässt sich leider nicht vermeiden. Balito läuft so problemlos.

Hinten links im März 2018: