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Vernachlässigtes Rehepony

Coco Bonita, Shetland Pony Stute, 4 Jahre

Coco ist ein vernachlässigtes Rehepony gewesen, mit Hufbeinrotation und Absenkung an allen 4 Hufen. Sie lag großteils nur auf der Wiese, da die Schmerzen zum Stehen zu groß waren. Durch die überlangen Hufe entwickelte sie ihr eigenes Bewegungsmuster. Vorbiegige Karpalgelenke, ein starkes Drehen an der Hinterhand und eine falsche Bemuskelung durch die Schonhaltung waren die Folgen daraus.

Sie wurde zweijährig zusammen mit ihrem Bruder gekauft, wobei sie durch Unwissenheit der Besitzer dann auch von diesem gedeckt wurde und mit 3 Jahren ihr Fohlen bekam. Ihr Bruder wurde kurz darauf verkauft und das Fohlen nach einem halben Jahr ebenfalls. Nun lebte sie alleine mit Kühen und Kälbern auf dem Bauernhof und ernährte sich von Silage, eiweißreichem Gras und was auf dem Hof so zu finden war. Der Termin für den nächsten Hufschmiedbesuch wurde bis zum 4. Lebensjahr, trotz des hufbearbeitungswürdigen Zustands der Hufe, einfach vergessen. Als dann doch irgendwann einmal ein Termin mit dem Schmied vereinbart wurde, empfahl dieser - zusammen mit dem Tierarzt der von ihm hinzugezogen wurde - die Euthanasie.

Eine Stallkollegin einer angehenden Huforthopädin hörte von der Geschichte mit dem Pony und bat sie, sich dieses doch bitte einmal anzusehen. Nach einer ersten Nothufbearbeitung wurde beschlossen, das Pony zu kaufen. Ohne den Stall- und Besitzerwechsel wäre die nachfolgende Hufbehandlung nicht machbar gewesen. Coco bekam ab sofort nur noch Heu und Stroh sowie ein geeignetes Mineralfutter. Zunächst einmal wurde sie ausschließlich auf weichem Boden/Einstreu in der Box gehalten und später, wenn möglich, sollte sie Auslauf auf einem Sandpaddock erhalten. Bei der Hufbearbeitung war wichtig, die Hebelkräfte an den Hufwänden zu minimieren, ohne abrupte Stellungsveränderungen vorzunehmen.

Cocos Hufe im Juni 2014:

Cocos Hufe im September 2015:

Von Juni 2014 bis September 2015 gelang es, die Hufe in einen recht guten Zustand zu bringen. Anfangs war die Huforthopädin in Ausbildung sehr unsicher, wie und wo sie anfangen soll und holte sich Rat bei ihren Ausbildern. Coco stand auf den langen Hufen wie auf einem Schaukelstuhl. Sie kürzte die Zehe und beraspelte die Hufe, so dass eine halbwegs taugliche Standfläche entstand. Durch die dunkelroten Einblutungen, die in der Sohle und Blättchenschicht zum Vorschein kamen, wagte sie nicht, mehr zu machen. Heute ist sie sich sicher, dass es richtig war, es langsam anzugehen: Sämtliche Muskeln waren verspannt. Die Sehnen und Bänder sollten nicht noch weiter in Mitleidenschaft gezogen werden.

Anfangs erfolgten zweiwöchige Bearbeitungsintervalle. Nach und nach kam die Zehenwand wieder gestreckter zum Boden und die Blättchenschicht schloss sich immer mehr. Die nach innen gekippten Hufwände stabilisierten sich, die Trachten konnten wieder Last aufnehmen und der Trachtenzwang verschwand. Nach einiger Zeit konnte der Bearbeitungsabstand erst auf 4 Wochen und heute auf 6 Wochen erweitert werden, da sich das Pony auch wieder vermehrt bewegte und somit wieder Hornabrieb stattfand und die Hufe damit nicht mehr so lang wurden. Seit Juni 2015 darf sie in der Weidesaison stundenweise mit Maulkorb gemeinsam mit den anderen Ponys auf die Weide. Coco ist wohlauf und genießt hoffentlich noch viele Jahre ihres Lebens.

Hufrehe

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