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Der Huf als Fundament und Resultat - Wechselbeziehung zwischen Hufsituation und Störungen im Bewegungsapparat (Cornelia Greifenberg-Gruns)

Genauer betrachtet ist die Wechselbeziehung zwischen Hufsituation und Störungen im Bewegungsapparat natürlich ein großes Gebiet, da alle Strukturen und Körpersysteme voneinander abhängig sind. Sobald es in einem Bereich Veränderungen gibt passen sich alle anderen Bereiche an oder bemühen sich um Ausgleich und Kompensation. Im Folgenden einige Betrachtungen aus huforthopädischer und energetisch-osteopatischer Sicht.

 

1)      Aufgaben und Fähigkeiten des Hufes :

Die Hufe bilden das Fundament für unsere Pferde im Stehen. In der Bewegung arbeiten sie hauptsächlich als Tastorgan und Stoßdämpfer. In ihrer Fähigkeit als Tastorgan informieren sie über das Nervensystem die Muskulatur, damit diese die Bewegungen und den Muskeltonus dem Gelände oder dem Untergrund anpasst. In der Fähigkeit als Stoßdämpfer hilft der Huf mit, Sehnen und Gelenke vor Schäden zu bewahren. Der Huf muss Brems-, Trag- und Antriebskräften standhalten und kann sich gleichzeitig über die Hufmechanik  unter Last unterschiedlichsten Bodenunebenheiten anpassen. Die Form der Zehe gibt dem Bein im reflexartigen Abfußvorgang die Schwungrichtung in der Vorführphase.

2)      Der Bewegungsapparat:

Das Pferd ist ein hoch entwickeltes Lauftier. In seiner Natur ein Steppen- und Fluchttier, das als Pflanzenfresser täglich weite Strecken zur Nahrungsaufnahme zurücklegt, im langsamen und kurzfristig auch mal im hohen Tempo ein beträchtliches Gewicht trägt, hat es einen für diese Aufgabe spezialisierten Körper. Energiesparmechanismen und Stoßdämpferfunktionen arbeiten eng zusammen. Durch kräftige Bandkonstruktionen, lange Sehnen und starke Winkelung in mehreren Gelenken ist es in der Lage sich täglich viele Stunden ökonomisch zu bewegen und kann dabei auch zusätzliches Gewicht (Reiter) tragen. Heutzutage ist das Pferd häufig durch Bewegungsmangel bei sportlicher Nutzung überfordert und als Freizeitpartner chronisch unterfordert. Diese Situation beschert uns vielschichtige gesundheitliche Probleme.

3)      Was kann den Bewegungsapparat stören und somit die Hufsituation verändern?

Dass, Strukturelle Probleme wie z.B. Fehlstellungen  und Schmerzen in Gelenken Auswirkungen auf die Abnutzung bzw. Formgebung der Hufe haben, ist nachvollziehbar. Dass aber auch ein schlechter Zustand des Kauapparates für Hufprobleme zuständig sein kann, ist nicht gleich ersichtlich. Hier ein Beispiel: Zamp, ein 11 jähriger großer Brauner mit steilen engen Hufen, vermehrter Abrieb im Zehenbereich aller vier Hufe, hat sein Gangbild nach der Zahnbehandlung (mit kürzen der Schneidezähne), von kurzen eilenden Tritten, die er laut Besitzerin schon immer hat (Barhuf  oder auch mit Beschlag) zu deutlich mehr Raumgriff verändert. Die Besitzerin musste wegen der schwungvolleren Bewegung neu sitzen lernen. In der Hufbearbeitung musste das Ausschneidziel verändert und konnten die Abstände der Bearbeitung vergrößert werden, da das Pferd die Hufe selbst passender  ablief. Blockaden in der Wirbelsäule, permanent verspannte Muskulatur z.B. durch Übersäuerung stellen weitere strukturelle Probleme dar, die zu Veränderung der Hufsituation beitragen.

Auch Störungen des Atemtraktes und Schmerzen der Verdauungsorgane führen zu Verkrampfung und einem veränderten Bewegungsablauf. Weitere rhythmische Körpersysteme sind neben der Atmung, Pulsschlag und Peristaltik vor allem das craniosakrale System. Dieses craniosakrale System beginnt im Schädel (Gehirn). Das im Gehirn erzeugte Gehirnwasser gelangt schließlich in den Rückenmarksschlauch, der bis in die Lendenwirbelsäule hinein reicht. Vom Rückenmarksschlauch aus bewegen sich durch den craniosakralen Rhythmus alle meningalen Schichten, Knochen, Bänder, Muskeln und Sehnen. Es stellt ein halb geschlossenes...