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Indikationen und therapeutische Möglichkeiten der Manuellen Lymphdrainage für die Huf- und Gliedmaßengesundheit (Dr. Christina Fedele)

Das Lymphgefäßsystem ist nach wie vor ein Stiefkind der medizinischen Ausbildung, dabei ist ein Säugetierorganismus ohne Lymphgefäßsystem nicht lebensfähig. Im Gegensatz zum  Blutgefäßsystem bildet das  Lymphgefäßsystem keinen Kreislauf sondern beginnt blind in der Peripherie. Die Lymphgefäße verlaufen parallel zu den Venen, sie bilden ein Niederdrucksystem. Die Aufgabe des  Lymphgefäßsystems ist es, in das Gewebe ausgetretenes Wasser, Blutbestandteile, Proteine und größere Moleküle aufzunehmen und wieder dem venösen System zuzuführen. Das Pferd zeigt unter unseren Haussäugetieren die größte Ödemneigung, da sein  Lymphgefäßsystem die Transportkapazität (d.h. die Menge an transportierter Lymphflüssigkeit pro Zeiteinheit) nicht bzw. nur sehr geringgradig steigern kann. Der Aufbau des  Lymphgefäßsystem gestaltet sich wie folgt: in den blind in der Peripherie beginnenden initialen Lymphgefäßen (Sammelgefäßen) befinden sich interendotheliale Öffnungen welche die Aufnahme der zu drainierenden Flüssigkeiten und Moleküle ermöglichen. Diese Gefäße sind mit sog. Ankerfilamenten im Gewebe befestigt. Steigt die Gewebespannung, z.B. durch Flüssigkeit, geraten diese Fasern unter Zug und spannen die initialen Lymphgefäße, wodurch sich die interendothelialen Öffnungen weiten und die lymphpflichtigen Lasten in das Innere der initialen Lymphgefäße gelangen können. Dadurch nimmt die Gewebespannung ab, die Ankerfilamente erschlaffen und die Öffnungen schließen sich. Durch Kontraktionen der Gefäße wird die Lymphflüsigkeit dann weiter bis zum zentralen Venenwinkel transportiert. In den weiterführenden Lymphgefäßen, den Kollektoren (Transportgefäße) befinden sich keine Öffnungen mehr, sie haben mehr Muskelzellen als die Sammelgefäße und dienen nur dem Weitertransport. Der zentrale Venenwinkel liegt beim Pferd im Bereich der V. jugularis externa auf Höhe des Buggelenkes, hier erfolgt der Rückfluss der Lymphflüssigkeit in das venöse System. Die Kollektoren weisen intraluminale Klappen auf, welche wie die Venenklappen einen Rückfluss der transportierten Flüssigkeit verhindern sollen. Im Gegensatz zum Menschen zeigen die Lymphgefäße beim Pferd viele elastische Fasern und nur wenig glatte Muskelzellen. Der Kompression der Lymphgefäße durch die umgebende Skelettmuskulatur kommt daher eine wichtige Bedeutung zu um den Lymphtransport zu unterstützen.

Der sogenannten Hufpumpe kommt beim Pferd eine besondere Bedeutung zu. Ein Netzsystem initialer Lymphgefäße findet sich in der Huflederhaut, den Sehnen und Bändern, dem Periost der Zehenknochen und in der Gelenkkapsel. Bei der Fußung wirkt die umschließende Hornkapsel wie ein Druckcontainer, der interstitielle Druck in der Lederhaut steigt an und Gewebsflüssigkeit tritt in die initialen Lymphgefäße ein. Die Entleerung der Kollektoren wird durch die Kompression derselben zwischen dem Zehenpolster und dem Hufknorpel unterstützt. Ein gut funktionierendes Lymphgefäßsystem fördert so die Entsorgung von Stoffwechselprodukten im Huf und damit indirekt die Ernährung des Hufhornes. Dies ist gut zu erkennen an dem schlechten Hufwachstum bzw. der schlechten Hornqualität von Pferden mit chronischer Phlegmone, bei welchen der Lymphabfluß massiv gestört ist.

Die manuelle Lympdrainage (ML) ist eine Methode welche die Kontraktion der Lymphgefäße anregt. Dabei wird mit langsamen, 2 sec. dauernden, kreisförmigen Bewegungen gearbeitet. Da die Lymphgefäße sehr dünnwandig sind, wird nur wenig Druck ausgeübt. Begonnen wird mit der sog. Zentralen Vorbehandlung immer im Bereich des Venenwinkels. Das Prinzip ist es, den Stau von vorne aufzulösen, d. h. erst die Abflusswege zu aktivieren bevor im erkrankten Gebiet gearbeitet wird. Es werden also zuerst die Lymphknoten der einzelnen Territorien aktiviert, dann deren Zuflüsse wobei auch über die Territoriengrenzen (Wasserscheiden) gearbeitet wird. Begonnen wird im Territorium III am Venenwinkel, hiernach arbeitet man sich segmental in die...