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Der praktische Tierarzt in der aktuellen multikulturellen Huflandschaft (Dr. Bianka Carstens)

In den meisten Fällen werde ich von meinen Kunden gerufen - wenn das Pferd Auffälligkeiten im Bewegungsablauf und den damit zusammen hängenden Problemen aufweist. Dies sind in der Regel Rittigkeitsprobleme, wie Einschränkungen bei Stellung und Biegung sowie bestimmte Lektionen, die vom Pferd nicht mehr korrekt ausgeführt werden können, wie z. B. falscher Handgalopp etc.. Aber auch internistische Probleme, wie rezidivierende Koliken, schlechte Spermaqualität oder nicht Aufnehmen der Stute (Wirbelblockaden im Lendenwirbelbereich) bis hin zu gestörten Sinneswahrnehmungen (Hören, Sehen ...). Aber auch Herzrhythmusstörungen gehören zu den Behandlungsmöglichkeiten eines Chiropraktikers.
Symptomatisch kann das Pferd dann z. B. Taktunreinheiten, Lahmheiten, Muskelverspannungen, Widersetzlichkeiten bis hin zu Verhaltensauffälligkeiten etc. zeigen.

Aber was hat das nun mit den Hufen eines Pferdes zu tun?? Viel!

Wenn die Hufe eines Pferdes nicht dem individuellen Bewegungsablauf und dessen Anforderungen entsprechend bearbeitet wurden, wird das Ziel eines insgesamt physiologischen und dadurch auch harmonischen Bewegungsablaufes nicht erreichbar sein. Vielmehr wird das Tier versuchen über alternative, kompensatorische Bewegungsmuster sein bestmögliches Leistungsvermögen zu erreichen. Auf Dauer führt dies allerdings zu einer ganzen Reihe von Symptomen von denen einige z. B. mit einer chiropraktischen Justierung behandelt werden können. In der Praxis ist ein langfristiger Behandlungserfolg oft nur durch eine Zusammenarbeit mehrerer Therapeuten zu erreichen. Hier sei neben dem klassisch arbeitenden Tierarzt insbesondere auch der Zahnarzt oder Dentist und natürlich der Hufbearbeiter genannt. Typische Symptome kompensatorischen Ursprungs können Myegelosen, also Muskelverspannung, Verklebungen von Faszien und Wirbel- und Gelenksblockaden sein.

Bei einer Wirbelblockade wird der aus dem Rückenmark kommende Nerv gereizt, die Folge können z. B. eine fehlgesteuerte Reizübermittlung mit daraus resultierenden Funktionsstörungen sein. Wird der Nerv durch die Blockade ständig gereizt, kommt es typischerweise zu hypertonen Muskeltonus. Aber auch die zu geringe Reizung des Nervs ist möglich, dann werden Muskeln und Organe nur noch wenig oder gar nicht mehr angesprochen und innerviert.

Jede Veränderung am/ im Körper muss und wird vom Organismus in irgendeiner Art und Weise kompensiert. Sei es ein eingeschränkter/ fehlender Hufmechanismus bei einem beschlagenen Pferd, ebenso wie z. B. eine zu lange Zehe bei einem barhuf laufendem Pferd. Jeder Organismus ist darauf ausgelegt, in seiner Natürlichkeit und Komplexibilität völlig autonom zu arbeiten. Störungen werden durch Gegenregulationen quasi neutralisiert.

Man stelle sich ein Fass vor: jede Störung, egal welcher Art, bringt den Körper nun dazu Kompensationsmechanismen einzuleiten. Irgendwann ist dass Fass voll oder läuft über. Der Organismus ist nicht mehr in der Lage den einwirkenden Stressoren entgegen zu wirken - es kommt zu Symptomen und Erkrankungen.

Die Symptome können sehr vielfältig sein (siehe oben). Das Pferd als Fluchttier kompensiert allerdings extrem lange - bis wir als Mensch diese Störungen wahrnehmen können.

Dieser Artikel ist Bestandteil der Tagungsmappe der 9. Huftagung der DHG e.v. Die Tagungsmappe (70 Seiten & 3 A3 Poster) kann zum Preis von 15 Euro bei uns bestellt werden. Unter dem Titel "Multikulti Huf" stellen sich in dieser Tagungsmappe unterschiedliche Hufbearbeitungsrichtungen vor.

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