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Erfolgreiche Barhufumstellung mit 23 Jahren - Dorny

Vorgeschichte

Dorny, eine 23jährige Warmblutstute, wurde vor 8 Jahren von ihrer jetzigen Besitzerin aus dem Schulbetrieb eines großen Reitbetriebes erlöst. Da die Zuchtambitionen des früheren Besitzers in letzter Zeit enttäuscht wurden - Dorny die schon mehrere Fohlen gebracht hatte, wurde nicht mehr tragend - musste sie ihr Geld nun ausschließlich im Schulbetrieb verdienen. Da Dorny zu dieser Zeit bereits sehr "verschlissen" war, war sie kein beliebtes Schulpferd. Sie wehrte sich immer öfter und mit ihren Gebrechen mehrten sich ihre Untugenden als Schulpferd. Dorny drohte der Schlachter.

Dorny hatte bereits einen massiven Lungenschaden, verursacht durch die Fütterung von schimmligem Rauhfutter. Sie hatte außerdem starke Probleme mit Arthrosen in verschiedenen Gelenken und einen schmerzenden Rücken.

Sie zog mit ihrer neuen Besitzerin in einen neuen Stall um. In diesem gab es zwar ebenfalls Boxenhaltung, allerdings mit täglich garantiertem Koppel- oder Paddockaufenthalt, was in ihrem alten Stall kein Standard war. Der Umzug bedeutete für Dorny nun zumindest tagsüber ein Mehr an Luft und Bewegung.

Mit Dorny und ihrer Besitzerin zog eine Freundin um. Deren Pferd litt ebenfalls - wenn auch weniger stark ausgeprägt - an einer Lungenerkrankung und an arthrotischen Veränderungen in den Gliedmaßen. Zwei Jahre blieben die vier gemeinsam im neuen Stall. Während dieser Zeit zog sich die Stute der Freundin einen Sehnenschaden zu. Dieser wurde über 1 Jahr lang therapiert, flammte aber, kaum dass er austherapiert war, wieder auf. Die Freundin suchte nun nach Alternativen. Sie informierte sich auch über die unterschiedlichen Möglichkeiten in der Hufbearbeitung und entschied sich letztlich gegen den Schmied und für eine Huforthopädin.

Angespornt durch das Beispiel der Freundin, die mit ihrer nun erfolgreich barhuf laufenden Stute einige Monate nach der Eisenabnahme in einen Offenstall umzog, beschloß Dornys Besitzerin ihrer eigenen, kranken Stute das Gleiche zu ermöglichen. Sie wollte dem Beispiel der Freundin folgen und mit Dorny in einen Offenstall umziehen. Das bedeutete, dass Dorny, die an allen vier Hufen beschlagen war, ebenfalls die Eisen abgenommen werden mußten. Die positiven Erfahrungen der Freundin mit der Huforthopädie und der erfolgreichen Barhufumstellung bestärkten Dornys Besitzerin in ihrem Entschluß.

Mit 23 Jahren verlor Dorny im April 2004 ihre Eisen, die sie außer in den Monaten mit Fohlen bei Fuß zeitlebens getragen hatte.

Die Huforthopädin wies die Besitzerin darauf hin, dass die Eisenabnahme und die Umstellung auf Barhuf für Dorny aufgrund ihrer schlechten körperlichen Verfassung zusätzliche Probleme bergen könnte.

Befürchtete Probleme

  1. Aufgrund ihres Lungenschadens mußte Dorny je nach Wetterlage und u.U. wirklich täglich in flottem Tempo bewegt werden. Es war aber klar , dass Dorny dies erst einmal nicht zugemutet werden konnte, wenn man ihr die Gehkrücken nahm. Der Zeitpunkt für die Barhufumstellung war mit April insofern günstig gewählt, da die Beschwerden in der wärmeren Jahreszeit immer geringer waren.
  2. Dorny besaß bedauerlich kleine Hufe. Zum Glück war die immerhin 170 cm große Stute ein ausgesprochen schlechter Esser und blieb von daher immer schlank.
  3. Durch ihre zahlreichen Arthrosen besaß Dorny einen sehr ungünstigen Bewegungsablauf. Die Zehen ihrer Hinterbeine rammte Dorny regelrecht in den Boden. Die Huforthopädin hatte arge Bedenken, ob die Hinterhufe nach der Eisenabnahme eine solche Beanspruchung aushalten würden.

Bestandsaufnahme Hufzustand vor Barhufumstellung

  • Unterschiedliche Vorderhufe, rechter kleiner, schon in der Fessel steiler
  • Beide Vordergliedmaßen in Hyperextensionstellung; lange schräge Zehen, rechts eingerollte Trachten, links untergeschobene und eingerollte Trachten
  • An den Vorderhufen starke Zehenrichtungen angelaufen
  • Trachten- und Ballenzwang auf allen vier Hufen
  • An den Vorderhufen ausgeprägte Strahlfäulnis bis tief zwischen die Ballen
  • Der linke Hinterhuf wird aufgrund von Knieproblemen (Arthrose) stets leicht nach vorn gestellt, wodurch die Körperlast insgesamt nach rechts verlagert wird
  • Rechtes Beinpaar: Vorder- und Hinterhuf außen stärker belastet; linkes Beinpaar: Vorder- und Hinterhuf innen stärker belastet
  • Alle Trachten- und Seitenwände ausgebrochen (mit Ausnahme der auf der Innenseite des rechten Hinterhufes)
  • Aufgerissene und fäulnisbesetzte Blättchenschicht im Zehen und Seitenwandbereich aller vier Hufe

Barhufumstellung

  • Dornys Bewegung änderte sich nach der Eisenabnahme sehr rasch, das harte, schonungslose Auftreten wich einem vorsichtigen, fühligen Gang; auf dem Weg von der Box zum Paddock und zurück überlegte Dorny nun sehr genau, wohin sie ihre Füße setzte
  • Mit Ausnahme dieses Weges wurden Dorny keine harten Böden zugemutet, auf weichem Boden lief Dorny nahezu problemlos, ließ man ihre durch die Arthrosen verursachten Bewegungseinschränkungen außer acht
  • Ca. 2 Monate nach der Barhufumstellung begann die Besitzerin Dorny auf dem Reitplatz wieder zu arbeiten, zunächst nur im Schritt und an der Hand, nach und nach auch im Trab und unter dem Sattel
  • Knapp 4 Monate nach der Eisenabnahme (Ende Juni 2004) zog Dorny in den Offenstall um; der Umzug bereitete Dorny zunächst Probleme, da die harten Böden ihren noch ziemlich empfindlichen Hufen zusetzten
  • Dorny hielt sich tapfer; sie lief lange Zeit sehr fühlig, sobald sie unebenen, harten Boden unter sich hatte; sie gewann aber auch zusehends an Lebensfreude; auf der Koppel stand sie den anderen Pferden in nichts nach und beteiligte sich an schnellen Galoppaden ebenso wie an übermütigen Buckeleien
  • Ab September 2004 konnte Dorny von ihrer Besitzerin wieder auf dem Reitplatz geritten werden
  • Seit Januar 2005, ein dreiviertel Jahr nach der Eisenabnahme, gehen die beiden wieder erstmalig ins Gelände, natürlich achtet die Besitzerin dabei auf ausgesuchte Wege und weiche Böden
  • Auf hartem, steinigem oder unebenem Boden bewegt sich Dorny auch jetzt noch immer vorsichtig

Hufentwicklung

  • Dornys Hufe wurden nach der Eisenabnahme anfangs in 3wöchigem Abstand, nach 3 Monaten in 4wöchigem Abstand bearbeitet.
  • Je nach Arthrose-Schmerz-Zustand gediehen die Hufe oder steckten Rückschläge ein; so brachte der Winter mit seinen tieferen Temperaturen eine Verschlechterung für Dornys Bewegungsablauf, sie hatte verstärkt Probleme mit dem Karpalgelenk des linken Vorderbeines und mit beiden Sprunggelenken; in der Folge belastete Dorny ihren rechten Vorderhuf vermehrt außen (siehe die stark eingerollte Trachte der Sohlenansicht vom 4.12.04).
  • Insgesamt wurden die Hufe mit der Barhufumstellung steiler, Strahlfäulnis und Ballenzwang verschwanden, die Hufwände glätteten sich, die Rillen und Falten verschwanden (besonders deutlich zu sehen auf dem Vergleich der Innenansichten der beiden Vorderhufe.
  • Beginnend mit April 2005 begann Dornys Besitzerin, die in der Zwischenzeit einen Huforthopädie-Grundkurs belegt hatte, Dornys Hufe mit zu bearbeiten; zunächst zwischen den regulären Terminen, dann im Wechsel mit der Huforthopädin.
  • Die Bilder vom 30. 8. 05 dokumentieren den Zustand der Hufe 8 Wochen nach der Hufbearbeitung durch die Huforthopädin und 4 Wochen nach der Bearbeitung durch die Besitzerin; der aktuell 24stündige Aufenthalt auf feuchten, weichen Wiesen (zur Zeit kein Aufenthalt im wechselbödigen, abriebintensiven Offenstall) ließen die Hufe länger als gewöhnlich werden; dies und kleinere Bearbeitungsfehler der Besitzerin führten dazu, dass sich die Hufe im unteren Bereich wieder etwas mehr verbogen.
  • Da diese Entwicklung bei der turnusmäßigen Bearbeitung durch die Huforthopädin bemerkt wurde und der Entwicklung auf diese Weise effektiv entgegengesteuert werden konnte, entstand kein größerer Schaden für die Hufsituation.
  • Insgesamt kann festgehalten werden: Dorny ist trotz ihres Alters und trotz ihrer gesundheitlichen Defekte sehr gut in der Lage ohne Gehkrücken zu laufen. Die Hufsituation hat sich barhuf gegenüber der Situation der Hufe auf dem Eisenbeschlag deutlich gebessert. Die unbequeme und ungesunde Hyperextensionstellung ist einer entspannten, nahezu ungebrochenen Huf-Fesselachse gewichen. Die Blättchenschicht ist unversehrt. Die Ballen haben ihre spitze, gezwängte Form verloren. Die Strahlfäule ist verschwunden. Gefaltete und ausgebrochenen Trachten- und Seitenwände gehören der Vergangenheit an.

Linker Vorderhuf – Entwicklung nach der Barhufumstellung

Rechter Vorderhuf – Entwicklung nach der Barhufumstellung

Linker Hinterhuf – Entwicklung nach der Barhufumstellung

Rechter Hinterhuf – Entwicklung nach der Barhufumstellung