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Hufkrebs - der Fall Roxan

Vorgeschichte

  • Die Kaltblutstute Roxan wurde von ihrer jetzigen Besitzerin vermutlich schon mit starker, nicht erkannter Strahlfäule gekauft.
  • März 2005: Der Hufschmied stellt beim Ausschneiden starke Strahlfäule fest und behandelte diese durch Ausbrennen.
  • Mai 2005: Die Pferdebesitzerin lässt Roxans Hufe durch einen Hufpfleger nach Strasser bearbeiten. Dieser stellt fest, dass Roxy an beiden Vorderhufen an Hufkrebs leidet. Eine hinzugerufene Tierärztin bestätigt am Folgetag die Diagnose Hufkrebs. Sie schätzt die Dauer der Behandlung auf ein halbes Jahr, maximal 1 Jahr bei vorsichtig positiver Erfolgsaussicht. Die Behandlung soll dabei durch ein tiefes Ausschneiden erfolgen, die offenen Lederhäute sollen dann durch Hufverbände und Deckeleisen geschützt werden.
  • Juni 2005: Die Besitzerin entscheidet sich gegen die tierärztliche Therapie und lässt Roxans Hufe weiter durch den Hufpfleger bearbeiten. Gleichzeitig erhält Roxy eine homöopathische Behandlung.
  • Juli 2005: Auch an den Hinterhufen wird Hufkrebs festgestellt.
  • August 2005: Roxy beginnt sich aufgrund der schmerzenden Hufkrebserkrankung zu weigern, ihre Hufe zu geben; die Hufbearbeitung wird dadurch zunehmend schwieriger.
  • 19. August 2005: Roxy lahmt vorne links und hat starke Pulsation auf dem betroffenen Bein. Ein Tierarzt wird gerufen, dieser übernimmt von nun an die Behandlung.
  • 22. August 2005: Roxy ist mittlerweile nicht mehr dazu zu bewegen, die Hufe zu geben. Eine Bearbeitung ist unter diesen Bedingungen nicht möglich. Der Tierarzt verätzt die vom Hufkrebs befallenen Stellen.
  • 30. August 2005: Roxy kommt in die Tierklinik; die Hufe und das „Hufkrebsgewebe“ werden zunächst unter Vollnarkose ausgeschnitten. Hiernach erfolgt eine Behandlung mit Kompressen, welche mit einer ätzenden Flüssigkeit getränkt sind. Roxy bekommt Hufverbände, die jeden 2. Tag gewechselt werden. Sie erhält außerdem ein Schmerzmittel. Eine lokale Anwendung von Antibiotikum erfolgt nicht.
  • 8. September 2005: Roxy wird mit Deckeleisen beschlagen. Der Hufkrebs ist "nachgewachsen", die Prognosen sind schlecht.
  • 13. September 2005: Therapiewechsel - statt Ätzflüssigkeit wird nun Jodoformäther und lokal Antibiotikum eingesetzt.
  • 20. September 2005: Erneute Hufkrebs-OP.
  • 4. Oktober 2005: Der Hufkrebs "wächst nach". Therapiewechsel auf Hufkrebspaste.
  • 8. Oktober 2005: Behandlungsbeginn durch Huforthopädin.

Befundung Hufzustand und Zustand des Hufkrebes im Oktober 2005

Roxy ist zum Zeitpunkt des Behandlungsbeginns mit Deckeleisen beschlagen. Bereits vor der Eisenabnahme, wird anhand des charakteristischen Geruchs deutlich, dass unter den Deckeln massive Fäulnis- und Eiterprozesse vorhanden sein müssen. Roxy leidet auf allen 4 Hufen an Hufkrebs. Die Hinterhufe sind verhältnismäßig gering betroffen; an beiden Vorderhufe ist der Strahlkrebs jedoch stark ausgeprägt. Am linken Vorderhuf hat sich die Entzündung lateral bis in die Krone ausgebreitet.

Die mittlere Strahlfurche ist sehr tief und deutlich entzündet. Beide Vorderhufe befinden sich in einer sehr schlechten Belastungssituation mit einer jeweils lateralen Mehrbelastung. Der linke, vom Hufkrebs am stärksten betroffene Vorderhuf ist bereits zu einem einseitigen Zwanghuf verbogen.

Verlauf der Hufkrebs-Behandlung von Oktober 2005 bis Juni 2006

Da Roxy zu diesem Zeitpunkt eine Bearbeitung der Hufe nicht mehr duldet, werden lediglich die Eisen abgenommen. Die Besitzerin wird angewiesen, die Hufe in der folgenden Woche täglich zu waschen, hiernach in Rivanollösung zu baden und anschließend die Strahlfurchen mit einem flüssigen Antibiotikum zu behandeln. Über Nacht werden Hufverbände angebracht, tagsüber kann Roxy ohne Verbände mit den anderen Pferden auf die Weide.

18. Oktober 2005

Es erfolgt die erste huforthopädische Hufkrebs-Behandlung / Hufbearbeitung. Durch die Maßnahmen der Pferdebesitzerin sind die krankhaften Hornanteile weggespült, die Lederhaut liegt sauber frei. Die Entzündung ist soweit zurückgegangen, dass das Pferd die Bearbeitung der Hufe zulässt. In die mittlere Strahlfurche kann darüber hinaus eine Tamponade eingebracht werden. Die huforthopädischen Maßnahmen richten sich auf das Schaffen von "Zugängen" zu den vom Hufkrebs befallenen Stellen sowie auf das Wiederherstellen einer physiologischen Hufsituation.

Sowohl zu diesem Termin als auch zu den Folgeterminen unterbleibt jegliches "blutiges Ausschneiden", wie dies bei Hufkrebs-Behandlungen häufig vorgenommen wird. An den Hinterhufen bildet sich - allein aufgrund der sorgfältig durchgeführten Pflegemaßnahmen der Besitzerin - bereits normales gesundes Strahlhorn. Die Pferdebesitzerin versorgt die Hufe weiterhin täglich entsprechend den Pflegeanweisungen der Huforthopädin: Ausgiebiges Waschen, Rivanolbäder, antibiotische Versorgung und Austamponieren der Nischen und Taschen, nächtliche Hufverbände während des Aufenthaltes in der Box, täglicher Weidegang ohne Verbände. Die Huforthopädin bearbeitet die Hufe im Abstand von 14 Tagen. Der Zustand bessert sich stetig.

9. Januar 2006

Der rechte Vorderhuf weist keine Schäden mehr auf und kann als vom Hufkrebs geheilt betrachtet werden. Nur noch eine orange Einfärbung des Strahlhornes zeigt an, an welcher Stelle die Lederhaut entzündet war. Der linke Vorderhuf, der von Beginn an stärker betroffen war, weist an der medialen Strahlhälfte noch eine markstückgroße Hufkrebs-Stelle auf, an der noch immer sehr weiches Horn gebildet wird.

Auch zeigt die intensive rotviolette Färbung des benachbarten Hornes an, dass dieses Strahlhorn noch von einer entzündeten Lederhaut gebildet wurde. Die Hufsituation hat sich insgesamt schon deutlich verbessert. In den noch verbleibenden Wintermonaten stagniert der Behandlungserfolg am linken Vorderhuf. Der Grund, der zunächst in den winterlichen Bedingungen und den hierdurch erschwerten Hygienemaßnahmen gesucht wird, liegt letztlich in den noch immer vorhandenen unphysiologischen Druckverhältnissen auf die Strahllederhaut.

5. Juni 2006

In dem Maße, in dem es gelingt, die Belastungsverhältnisse noch weiter zu verbessern, bessert sich auch der Zustand des Strahlhornes und der Hufkrebs klingt immer mehr ab. Im Juni kann auch der linke Vorderhuf als geheilt "entlassen" werden. Die Hufe verbleiben auf Wunsch der Besitzerin auch nach Abschluss der Hufkrebs-Behandlung in der Obhut der Huforthopädin.

Das Beispiel Roxy zeigt, dass Hufkrebs erfolgreich behandelt werden kann, wenn eine vernünftige Hufbearbeitung und eine vernünftige Wundbehandlung Hand in Hand gehen. Neben der Verbesserung der Hufsituation durch die Hufbearbeitung sind aufwendige Pflege- und Hygienemaßnahmen durch den Pferdebesitzer notwendig. Dabei ist auf alle Mittel zu verzichten, die die erkrankten Lederhäute noch mehr reizen. Hierzu zählen auch alle Mittel, die das Horn austrocknen. Das veränderte "Krebshorn" muss regelmäßig entfernt werden. Dies kann dabei völlig ohne blutige OP geschehen, indem das Horn einfach mit Hilfe eines milden Wasserstrahls aufgeweicht und abgewaschen wird.