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Kann man durch die Fütterung Hufprobleme erzeugen oder auch beseitigen? (Prof. Dr. Manfred Coenen)

Das Hufhorn ist ein außerordentlich komplexes Produkt. Durch die Strukturen in der Zelle, sogen. Zytoskelett, und die Verklebung der Zellen miteinander entsteht bei der Bildung des Horns eine mechanisch hoch belastbare Substanz. Durch die Bildung der Disulfitbrücken tragen die schwefelhaltigen Aminosäuren maßgeblich zu den physikalischen Eigenschaften des Hufhorns bei. Die Härte des Hufhorns differiert nach Wand- und Sohlenbereich und ist offenbar mit dem Gehalt an Cystin korreliert. Über 90% des Hufhorns bestehen aus organischer Substanz; sie bietet infolge der speziellen Struktur der Eiweiße nicht nur die notwendige Tragfähigkeit, sondern ermöglicht durch die Elastizität eine „Stoßdämpfung“ und durch kontinuierlichen Abrieb und Erneuerung gleichfalls eine stete Belastbarkeit. Für ein Fluchttier ist dies ein äußerst wichtiges Kriterium. Daher ist es nicht überraschend, dass kurzfristige Veränderungen in der Versorgung des Pferdes durch natürliche Variation der Nahrungsinhaltsstoffe keine nachhaltige Auswirkung auf das Hufhorn haben.

Gleichwohl spielen Fütterungsfehler und Versorgungsstörungen für die Entstehung von Hornschäden eine Rolle. Andererseits können Fütterungsstrategien bei der Regeneration schadhaften Hufhorns hilfreich sein.

I. Fütterungsbedingte Störungen in der Hornbildung und Trägfähigkeit des Hufhorns.

Das dauerhafte Fehlen von Baustoffen der Hornbildung kann zu reduzierter Keratinbildung und der Ausformung nicht hinreichend tragfähigen Hufhorns Anlass geben. Naheliegend ist, dass zunächst die Proteinversorgung und damit die Aufnahme schwefelhaltiger Aminosäuren zu nennen ist. Diese Gefahr eines Defizits besteht unter schlechten Fütterungsbedingungen, die beispielsweise bei Vernachlässigung der Tiere vorkommen kann, aber auch bei starker Restriktion der Energie und Nährstoffversorgung von Kleinpferden und Ponies zur Vermeidung oder Korrektur von Übergewicht besteht. Wird eine Relation von verdaulichem Rohprotein zu verdaulicher Energie von 5:1 nicht unterschritten, sind beim Pferd im Erhaltungsstoffwechsel jedoch keine Engpässe im Aminosäurenangebot zu erwarten. Unter extremen Bedingungen können Defizite bei Spurenelementen und Vitaminen die Bildung des Hufhorns stören. Hierbei sind zumindest nach Befunden bei anderen Tierarten Zink, Kupfer, Vitamin A und Biotin zu nennen. Unter Praxisbedingungen können marginale und auch unzureichende Versorgungsbedingungen bei den Spurenelementen durchaus vorkommen. Aufgrund des erhöhten Bedarfs im Vergleich zu Erhaltungsbedingungen sind hochtragende und laktierende Stuten eher von diesbezüglich ungünstigen Bedingungen betroffen als Freizeit- oder Sportpferde. Bei Verwendung von Mischfuttermitteln sind hufrelevante Engpässe in der Nährstoffversorgung allerdings insgesamt unwahrscheinlich.

Von den wenigen Fällen abgesehen, in denen nachweislich ein Nährstoffmangel die Keratinsynthese behindert, sind Überschüsse an Energie und Nährstoffen häufiger mit Hufhornschäden in Verbindung zu bringen, z. T. mit irreversiblen Schäden an der Gliedmaßenspitze.

Bei einer Selenvergiftung ist eine Störung der Bildung von Disulfitbrücken (Behinderung des Schwefeleinbaus in die Proteinstruktur durch Selen) verantwortlich für die massive Wachstumsstörung in der Huflederhaut, die sich mit infiltrativen Entzündungen besonders im...

Dieser Artikel ist Bestandteil der Tagungsmappe der 4. Huftagung der DHG e.V. Die Tagungsmappe (44 Seiten) kann zum Preis von 10 Euro bei uns bestellt werden.

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