Zum Hauptinhalt springen

Hufe zwischen Wissenschaft und Handwerk - eine Standortbestimmung (Dr. Nikolai Wandruszka)

Seit 1989 beschäftige ich mich neben dem Broterwerb als Hufschmied auch mit der Vermittlung von Wissen über den Huf, zunächst als Referent im Rahmen der Ausbildung zum RTA im Heilpädagogischen Reiten (1989-2003), dann als Referent für Hufmanagement im LVZ Blekendorf- Futterkamp (seit 2000 bis heute) und schließlich als Referent auf mehreren Hufbeschlagtagungen (HTB für Tierärzte und Hufschmiede, 2005-2012). Hierbei hat mich neben dem in der Ausbildung und Selbständigkeit erworbenen Erfahrungswissen interessiert, wie sich das tradierte Wissen und Können zu wissenschaftlichen Erkenntnissen verhält. Früh wurde hier eine mehr oder weniger große Diskrepanz deutlich, die sich mit der seit den 1990er Jahren entstehenden alternativen Hufbearbeitungsmethoden eher verschärft hat. Seither habe ich mich mit den verschiedenen Argumentationen auseinandergesetzt und versucht, ihre Richtigkeit erstens auf praktische Evidenz und zweitens auf wissenschaftlich korrekte Methodik zu überprüfen – wichtig war mir, durch Veröffentlichung meiner Überlegungen und Ergebnisse Transparenz und Diskursmöglichkeit herzustellen.

Im folgenden geht es nicht um Vollständigkeit von jeweiliger Theorie und Praxis sondern um einzelne Punkte bei verschiedenen Hufbearbeitern, die mir aufgefallen sind und wo Klärungsbedarf besteht. Hierfür ist m. E. eine Vorbemerkung zur Kommunikation notwenig:

Kommunikation

Die Streitereien der letzten 20 Jahre in der „Huffrage“ zeigen deutlich, daß die Kommunikation zwischen Wissenschaftler-Tiermedizinern, Handwerker-Hufschmieden und Alternativen Hufbearbeitern problematisch ist, ihr Fachjargon („Technolekt“) sehr verschieden, ein Diskurs bisweilen unmöglich war und ist – Diskurs verstanden als ein argumentativer Dialog, in dem über die Wahrheit von Behauptungen und die Legitimität von Normen gesprochen wird (HABERMAS, 1972, 130).

Gleichzeitig bestehen unterschwellige Hierarchien (TA gegenüber Hufschmieden; Hufbearbeiter mit Heiler-Anspruch gegenüber Schulmedizin), ebenso unterschwellige Konkurrenz (Hufschmiede vs. Hufbearbeitern), wobei Sprache und Bilder seitens der Hufbearbeiter nicht nur nicht „kommunikativ“ (im Sinne von transparent-aufklärend), sondern als Waffe eingesetzt wurde: abgrenzend-verunglimpfend-manipulierend (vgl. WANDRUSZKA, 2011/12). Aber auch innerhalb dieser Gruppen ist die Kommunikation keineswegs durchlässig: bisher hat kein transparenter Diskurs zwischen den verschiedenen Hufbearbeiter-Schulen stattgefunden, eher das Gegenteil durch Spaltung einzelner Schulen in Untergruppen (vgl. dazu KUENEN, 2011). Bei den Hufschmieden in moderner Zeit ist der Diskurs mit den TA einseitig von letzteren geprägt, das war bis Mitte des 20 Jh. ganz anders; - der Versuch der sprachlichen Konvergenz zwischen diesen beiden Gruppen läuft zwar (z. B. HBT, begründet von Bodo Hertsch), wird aber behindert durch das Bedürfnis der TA nach Hierarchie und Dominanz gegenüber Hufschmieden, wie es einmal schön an einer zu Ehren von H. Dallmer verliehenen Skulptur zu sehen war.


Dieser Artikel ist Bestandteil der Tagungsmappe der 9. Huftagung der DHG e.v. Die Tagungsmappe (70 Seiten & 3 A3 Poster) kann zum Preis von 15 Euro bei uns bestellt werden. Unter dem Titel "Multikulti Huf" stellen sich in dieser Tagungsmappe unterschiedliche Hufbearbeitungsrichtungen vor.

Jetzt kaufen