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Exkurs zur Hufanatomie aus der Perspektive der Hufrehe: ein 3D-Ansatz (Christopher Pollitt)

Einführung

Unter den Säugetieren hat der Pferdehuf die komplexeste und spezialisierteste integumentale Struktur (1). Pferde sind üblicherweise bewegliche und athletische Tiere. Erst wenn sie Hufrehe entwickeln und verkrüppeln, erkennen wir – leider zu spät -, wie abhängig sie von einem intakten, funktionsfähigen Hufbeinträger bzw. dem Trageapparat der Phalanx distalis (SADP) sind. Wenn wir davon ausgehen, dass die ersten klinischen Zeichen für Hufrehe durch das Senken des dorso-distalen Randes des Hufbeins auf die Sohlenlederhaut entstehen, dann ist die Kenntnis über den Trageapparat der Phalanx distalis von unerlässlicher Bedeutung (2, 3). Der Trageapparat der Phalanx distalis umfasst alle Bindegewebs- und Oberhautstrukturen, die in die Übertragung des Gewichtes oder der Kraft von der Phalanx distalis auf die Hufwände eingebunden sind. Wir haben spezielle Anfärbungen, Knochenentkalkungen und neue Schnittrichtungen bei Präparaten verwendet, um den Trageapparat des Pferdes weiter zu untersuchen und dessen fundamentale Rolle beim Verständnis aller Phasen der Hufrehe (4) zu verdeutlichen. Schließlich sind die epidermalen Schichten der wichtigste Baustein, insbesondere aber die lamellaren epidermalen Basalzellen (LEBC), die durch die Hufrehe angegriffen werden, weshalb diese Zelle im Fokus dieser Präsentation steht.

Der Trageapparat der Phalanx distalis (Hufbeinträger)

Sein Ursprung liegt in einer dichten retikularen Vernetzung kräftiger Kollagenbündel (Stratum reticulare), die fest im parietalen Cortex der Phalanx distalis eingebettet sind. Die Bündel kreuzen die sublamellare Lederhaut in den der Beanspruchung entsprechenden Winkeln und münden dann als feine Kollagenfilamente in der lamellaren Basalmembran (Abb. 1).

Aus der inneren Hufwand und den Eckstreben ragen in proximo-distaler Richtung die Blättchen (epidermale Lamellen) heraus, die sich mit den zugehörigen Lederhautlamellen kreuzen. Die Anzahl der makroskopisch sichtbaren epidermalen Lamellen (primäre epidermale Lamellen, PEL) im Vorderfuß von 20 Amerikanischen Trabern betrug (Mittelwert ± Standardfehler des Mittelwertes) 561,82 ± 7,02 (5). Die Oberfläche der lamellaren Schicht wird durch weitere Unterteilungen der PEL in mikroskopisch sichtbare sekundäre Komponenten oder sekundäre epidermale Lamellen stark vergrößert (Abb. 2).

Die dermalen Lamellen (Hornblättchen)

Zwischen den epidermalen Lamellen liegen die komplementären dermalen lamellaren Komponenten, die primären dermalen Lamellen (PDL, primäre Lederhautblättchen) und die sekundären dermalen Lamellen (sekundäre Lederhautblättchen, SDL). Innerhalb jeder primären dermalen Lamelle (PDL) befinden sich Bündel aus Kollagenfasern, die sich teilen und in immer kleinere Elemente verzweigen. Feine Kollagenverzweigungen aus den PDL ziehen in die SDL und durchdringen diese stark, sie verbinden sich mit der retikulären Schicht im dermalen Anteil der Basalmembran (BM) der LBEC und bilden gemeinsam eine unendlich große Matrixverbindung zwischen Phalanx distalis und Millionen von LBEC.