Zum Hauptinhalt springen

Hufrehe bei halbwilden Pferden und Wildpferden – traumatisch oder durch Insulinresistenz verursacht? (Brian Hampson, Christopher Pollitt und Team)

Es ist ein weiterverbreiteter Irrglaube, dass halbwilde Pferde und WiIdpferde intakte Hufe - ohne durch Domestizierung bedingte pathologische Veränderungen - aufweisen, weil sie unter natürlichen oder zumindest naturnahen Bedingungen leben. Diese häufig vorgebrachte Annahme wurde bisher kaum untersucht. Neueste gründliche Hufuntersuchungen an halbwilden Pferden und Wildpferden haben das Gegenteil gezeigt, nämlich dass bei diesen Populationen signifikante pathologische Hufveränderungen einschließlich der Hufrehe auftreten. Dieses Paper wird Beweise für diese Aussage liefern und Gründe dafür angeben, warum nicht domestizierte Pferde die gleichen pathologischen Hufveränderungen aufweisen wie ihre domestizierten Verwandten.

Unser Forscherteam hat die Hufe von halbwilden Pferden und Wildpferden gründlich untersucht und die folgenden drei Beiträge zu einigen ausgewählten Ergebnissen dazu veröffentlicht. Es werden im Folgenden Daten aus diesen Beiträgen sowie aus noch aktuelleren Studien vorgestellt.

A.    BA Hampson, MA de Laat, PC Mills, DM Walsh und CC Pollitt. The feral horse foot. Teil B: radiographic, gross visual and histopathological parameters of foot health in 100 Australian feral horses. Aust Vet J. 2013 Jan-Feb; 91(1-2):23-30.

B.     BA Hampson, MA de Laat , C Beausac , T Rovel & CC Pollitt. Histopathological examination of chronic laminitis in Kaimanawa feral horses of New Zealand. New Zealand Veterinary Journal Ausgabe 60, 2012 (5).

C.     Brian Hampson, Jana Doleckova, Kristin Brabender, Waltraut Zimmermann und Chris Pollitt. Foot morphology and health in Przewalski’s horses in the Hortobágy Puszta, Hungary. The Farriers Journal, 165, 2015.

Das Ziel der ersten Studie (A) bestand in der Untersuchung der Hufgesundheit von australischen halbwilden Pferden und diente dazu, zu bestimmen, ob die Hufgesundheit von Umweltfaktoren wie Bodeneigenschaften und zurückgelegten Entfernungen abhängt. Es wurden jeweils 20 adulte Pferde aus fünf Populationen (n = 100) untersucht. Die Populationen wurden nach Bodenhärte und den für die Population typischen Wegstrecken ausgesucht. Die Hufe wurden radiologisch untersucht und fotografiert und von zwei Experten, die keine Kenntnis über die Herkunft der Population hatten, unabhängig voneinander beurteilt. Es wurden Proben aus der Blättchenzone von 15 Hufen aus drei Populationen entnommen und histologisch auf Hufrehe untersucht. Insgesamt konnten 377 grobe Hufanomalien bei 100 linken Vorderhufen identifiziert werden. Bei drei untersuchten Hufen konnten keine Veränderungen entdeckt werden. Jede Population hatte eine ähnliche Häufigkeit an Hufanomalien aufzuweisen, wobei jedoch Art und Stärke der Veränderungen bei den Populationen variierte. Bei den drei histologisch untersuchten Populationen lag die Häufigkeit der chronischen Hufrehe zwischen 40% und 93%. Aus dieser Studie konnte abgeleitet werden, dass Hufgesundheit scheinbar vom konkreten Lebensraum der Pferde abhängt. Die beobachtete chronische Hufrehe kann auf ernährungsbedingte oder traumatische Ursachen zurückzuführen sein. Aus der überwältigenden Häufigkeit suboptimaler Hufgesundheit bei dieser großen Anzahl halbwilder Pferde konnte geschlossen werden, dass es offensichtlich nicht angebracht ist, den Huf halbwilder Pferde als Maßstab und Vorbild für equine Hufgesundheit zu betrachten.