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Sinnvolle Maßnahmen bei Hufrehe – der akute und der chronische Hufrehepatient (Stefanie Höppner)

Wenn wir den Sinn der therapeutischen Maßnahmen bei der Hufrehe erfassen wollen, müssen wir uns mit der Pathophysiologie während der Erkrankungsphasen befassen, um das klinische Erscheinungsbild der Hufrehe zu erkennen und logisch konsequent aus der Flut von Therapiemaßnahmen auszuwählen.

Prodromalphase ohne klinische Symptomatik

Intensive weltweite Grundlagenforschung zur Ätiopathogenese der Hufrehe hat dazu geführt, dass die Risikofaktoren und Triggermechanismen, die zum klinischen Bild der Hufrehe führen, immer konkreter benannt werden können. Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass zelluläre, hormonelle aber auch biochemische Faktoren die Hufrehe einleiten können. Wir wissen heute, dass dem typischen Bild der Hufrehe eine Vorläuferphase oder ein Prodromalstadium vorausgeht. In dieser Phase sind noch keine klinischen Symptome offensichtlich, die den Verdacht auf Hufrehe zulassen. Der Hufbeinträger wird jedoch bereits in dieser Vorläuferphase in unterschiedlichem Maße in seiner Tragfähigkeit geschwächt bzw. die Hornqualität kann bereits verändert sein. Wann die Symptomatik typisch wird und Hufrehe differentialdiagnostisch zu anderen Formen der Huflederhautentzündung abgegrenzt werden muss, ist immer wieder eine große diagnostische Herausforderung für den Tierarzt.

Akute Hufrehe

Anatomisch-pathologische Untersuchungen in der akuten Phase der Hufrehe belegen, dass besonders im Wandsegment der Vorderwand eine sero-hämorrhagische Entzündung mit Extravasation und Ödematisierung des Hufbeinträgers vorliegt.

Angiographische Untersuchungen an klinisch erkrankten Hufrehe-Patienten waren schließlich grundlegend für das Verständnis der Pathophysiologie im Anschluß an das Prodromalstadium. Mit Beginn der klinischen Symptomatik bestimmen, unabhängig von der Ursache, massive Durchblutungsstörungen im Hufbereich das weitere Krankheitsgeschehen. Die Füllung der Zehengefäße mit Röntgenkontrastmittel hat gezeigt, dass es bei der Hufrehe in unterschiedlicher Ausprägung zu Gefäßläsionen, Vasodilatation oder –konstriktion, Obliterationen, Gefäßverlagerungen und Ausbildung eines Kollateralkreislaufes kommt. Die Hufsegmente sind in unterschiedlichem Ausmaß betroffen. Im akuten Stadium der Hufrehe sieht man neben der Lumeneinengung bzw. des Verschlusses des Arcus terminalis einen diffusen Kontrastmittelaustritt im Bereich der Wand- und Sohlenlederhaut. In akuten hochgradigen Fällen kann sogar eine fast vollständige Unterbrechung der Durchblutung des gesamten Hufes vorliegen.

Mit der Fein-Focus-Röntgentechnik war schließlich eine röntgenologische Direktvergrößerung der angiographischen Untersuchungen um das 3- bis 40-fache möglich. Durch eine magnetische Fokussierung des Elektronenstrahles wird der Brennfleck auf ein tausendstel Millimeter verkleinert. Daraus ergeben sich eine stark verbesserte Zeichenschärfe und eine Detailauflösung bis auf wenige Mikrometer, so dass die Veränderungen der Mikrozirkulation in den verschiedenen Stadien der Hufrehe im Vergleich zur physiologischen Durchblutung dar...