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Nichtinvasive Hufkrebsbehandlung in Zusammenarbeit von Huforthopädin und Wundexpertin (Kristina Morgenroth, Tanja Schiller)

Johnny, ein süddeutsches Kaltblut, ist zum Zeitpunkt der Behandlung 11 Jahre alt. Seine Besitzerin hat ihn, seit er ein halbes Jahr alt ist. Das Pferd ist bei Ihrem Vater untergebracht und wird von ihm versorgt. Die Hufbearbeitung wurde bisher von einem Hufschmied ausgeführt, soll nun aber von einer Hufbearbeiterin der DHG e.V. übernommen werden. Kristina Morgenroth übernimmt die Hufbearbeitung von Johnny und bittet mich, sie zu begleiten.

07.03.2015:

Johnny leidet aktuell seit ca. neun Monaten an beiden Vorderhufen an Hufkrebs, an den Hinterhufen ist er laut Tierarzt seit ca. acht Wochen frei davon. Leider kann ich nach der nun recht langen Zeit, die seit der Versorgung von Johnny vergangen ist, keine genauen Angaben mehr zur Fütterung machen. Aus meinen Unterlagen geht hervor, dass er Heilerde bekam.

Als erstes nimmt Kristina die Eisen ab und bearbeitet die Hufe. Zur Hufbearbeitung von Johnny finden Sie ausführliche Informationen im anschließenden Artikel von Kristina Morgenroth. Ich beschränke mich in meinem Teil auf die Versorgung der Wunden.

Vor der Bearbeitung konnte ich, wegen der Vorbehandlung mit Bauschaum und anderen Dingen, kaum etwas erkennen. Ein penetranter Geruch stach mir in die Nase. Mir wurde erklärt, dass das der typische Geruch bei „Hufkrebs“, also beim nicht karzinogenen Hufkrebs, sei.

Vorne Rechts:

Sohle und Strahl wirkten trocken. Aus einem Riss in der lateralen Hornwand im Kronsegment trat Flüssigkeit aus. Bei Belastung des Beines konnte eine Bewegung der Hornwand erkannt werden. Plantar sehe ich nach der Bearbeitung anstatt eines Strahls (vermutlich) hypertrophe Lederhaut, die nicht von Horn bedeckt ist.

Da es sich hier in meinen Augen um eine Wunde handelt, die stagniert, habe ich als erstes wieder die Exsudationsphase in „Gang bringen“ wollen. [1] Ich habe mich für einen Angußverband mit Octenisept entschieden. Heute würde ich für diesen Zweck Taurolin verwenden. Der Angußverband darf dabei kein „Gummistiefelverband“ sein. So bezeichne ich Verbände, die sehr nass und sehr gut von einer Luftzirkulation und somit von Sauerstoff abgeschirmt sind. Eine Wunde liebt es in der Heilung feucht, aber nicht zu nass zu sein. Starke Nässe weicht das intakte Horn oder die intakte Haut auf und schädigt sie. Das Horn ist am Ende für den Wundverschluss verantwortlich. Es verschliesst die Wunde von den Wundrändern her. Nach Anlage des Verbandes habe ich also Octenisept in den Verband gegossen, bis ich davon ausgehen konnte, dass sämtliche Polster feucht sind. Bei einem Hufverband dieser Größe sind ca. 100ml ausreichend. Um das schnelle Abdampfen, also das schnelle Austrocknen des Verbandes zu verhindern und ihn belastbarer zu machen, verwendete ich „Panzertape“.

Zum Verband: Um den massiven Tragrandüberstand auszugleichen und eine Verbandsohle zu schaffen, die a) nicht verrutscht und b) Feuchtigkeit aufnimmt aber gleichzeitig die Hornsohle nicht aufweicht, habe ich ein synthetisches Klebepolster - mit Aussparungen für den Strahlbereich - angebracht (siehe folgende Abbildung).


[1] "Eine Wunde ist eine Unterbrechung des Zusammenhangs von Körpergeweben mit oder ohne Substanzverlust.” (Pschyrembel, 257. Auflage) und „Als chronische Wunden gelten definitionsgemäß länger als vier Wochen bestehende Wunden, die keine Heilungstendenz zeigen.“ (Wundatlas: Kompendium der komplexen Wundbehandlung. Hrsg. Hans Lippert, Thieme, 2006)

Dieser Artikel ist Bestandteil der Tagungsmappe der 12. Huftagung der DHG e.V. Die Tagungsmappe umfasst knapp 100 Seiten mit vielen Abbildungen, in denen wesentliche Erkenntnisse und Botschaften der Referenten zum Thema Hufkrebs zusammengetragen sind. Sie kann zum Preis von 25 Euro bei uns bestellt werden.

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